Archivierter Artikel vom 02.04.2015, 17:07 Uhr

3.000 Jahre Geschichte an fünf Tagen – Panorama: Oldtimer-Rallye Holy Land 1000

1.000 Meilen Fahrstrecke, 3.000 Jahre Geschichte, 42 automobile Kostbarkeiten, fünf Tage lang auf dem Weg durch Israel. Ein friedlicher und unvergesslicher Corso durchs Heilige Land.

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Der BMW 507 direkt vor der Klagemauer in Jerusalem mit dem goldenen Felsendom im Hintergrund
Der BMW 507 direkt vor der Klagemauer in Jerusalem mit dem goldenen Felsendom im Hintergrund

Eskortiert von sieben Motorradpolizisten bewegte sich am letzten Tag der Holy Land 1000-Tross vom Toten Meer nach Jerusa
Eskortiert von sieben Motorradpolizisten bewegte sich am letzten Tag der Holy Land 1000-Tross vom Toten Meer nach Jerusalem

„Das hier ist einfach Unglaublich und selbst für mich alten Hasen etwas Außergewöhnliches.“ Seine königliche Hoheit Prinz Leopold „Poldi“ von Bayern hat ja tatsächlich schon sehr viel erlebt. Etwa unzählige Oldtimer-Rallyes in seinem rund 2 Millionen Euro wertvollen BMW 507, der gerade neben ihm auf dem Platz vor der Klagemauer in Jerusalem steht. Was weder der bayerische Prinz noch die israelischen Veranstalter der Holy Land 1000 bis zuletzt wissen konnten: Tatsächlich durften sich am letzten Fahrtag 42 Autos von Baujahr 1928 (Bentley 4,5 litre) bis 1969 (Ferrari GTS 365) in Jerusalems Altstadt aufstellen – dem Heiligtum für Juden, Christen und Muslime. Um sieben Uhr in der Früh begann das Spektakel, die Oldtimer rollten vorbei an bewaffneten Sicherheitskräften auf den Platz. Und eine Stunde danach zogen sie weiter Richtung Tel Aviv, wo die fünftägige Holy Land 1000 ihren Start- und Zielpunkt hatte.

Unzählige israelische Auto- und Oldtimer-Liebhaber säumten die Route der Holy Land 1000
Unzählige israelische Auto- und Oldtimer-Liebhaber säumten die Route der Holy Land 1000

„Als die Idee zu dieser ungewöhnlichen Rallye erstmals aufkam, glaubte ich ehrlich gesagt nicht so recht dran, dass wir das schaffen würden. Aber je mehr Enthusiasten beteiligt waren, desto mehr merkte ich: Hier entsteht etwas ganz Besonderes.“ Elad Shraga ist zusammen mit Amir Almagor federführend für die Veranstaltung. Die beiden Autosammler trieben das ehrgeizige Projekt drei Jahre lang intensiv voran. Heraus kam dabei eine Veranstaltung, die sich vor der weltberühmten Mille Miglia in Italien – die größte Inspiration für Elad und Amir – nicht zu verstecken braucht.

Unter dem Applaus von rund 1000 Zuschauern liefen die Autos nach fünf Tagen in Tel Aviv ins Ziel ein. Hier Santo Sparado
Unter dem Applaus von rund 1000 Zuschauern liefen die Autos nach fünf Tagen in Tel Aviv ins Ziel ein. Hier Santo Sparado aus USA mit seinem Osca MT4-TN Baujahr 1955

Sieben Motorradpolizisten begleiteten über die rund 1.600 Kilometer lange Strecke den oft weit verstreuten Korso von unterschiedlich starken und schnellen Fahrzeugen. Dabei erstaunte vor allem der Methusalem unter den Oldtimern mit Zuverlässigkeit und hohem Tempo. Steve Collins, der seinen offenen Bentley 4.5 litre souverän durch bis zu 40 Grad Hitze am Toten Meer, staubige Winde in der Wüste Negev oder die steilen Auf- und Abfahrten rund um die Golanhöhen steuerte, war jedoch nicht von seinem eigenen Auto, sondern vor allem von der Holy Land 1000 überrascht: „Ich habe schon so einige Events dieser Art mitgemacht und kann Vergleiche anstellen. Aber die Jungs hier in Israel ziehen das durch, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.“

Prinz Leopold von Bayern oberhalb des Sees Genezareth im BMW 507 von 1957
Prinz Leopold von Bayern oberhalb des Sees Genezareth im BMW 507 von 1957

Nicht jeder war zunächst über die geplante Route begeistert. Einige schreckten durchaus auf, als sie hörten, dass die Holy Land 1000 nicht nur an den Grenzen Israels entlang führen würde, sondern auch geradewegs durchs Westjordanland, auf die Golanhöhen und sogar bis auf 30 Kilometer an den Gazastreifen. Wer auch immer von den Teilnehmern solche Bedenken gehabt hatte – die Herzlichkeit der Menschen, denen man überall entlang der 1.000-Meilen-Tour begegnete, raubte einem jegliche Angst oder selbst die leichteste Skepsis. Mitorganisator Barak Cohen vom israelischen BMW-Importeur Delek Motors brachte die stets greifbare Lockerheit auf den Punkt: „Wir Israelis lieben das Leben und genießen es, so gut es geht. Denn wir wissen, in dieser Region kann es auch anders aussehen.“ Vertrauen in die Organisatoren bewies auch BMW Classic, denn von der bayerischen Marke waren offiziell drei Fahrzeuge am Start: Besagter 507 von 1957 mit Prinz Leopold von Bayern am Steuer sowie ein 503 von 1959 und ein 3200 CS Bertone-Coupé von 1965.

Ständig gab es entlang der Route herzliche Begegnungen mit Einheimischen, die sich für die Oldtimer begeisterten und int
Ständig gab es entlang der Route herzliche Begegnungen mit Einheimischen, die sich für die Oldtimer begeisterten und interessierten

So richtig bunt machten die Mischung bei der Holy Land 1000 die vielen Teilnehmer aus Israel, USA, Kanada und Südamerika. Fünf Argentinier sorgten nicht nur für gute Stimmung, sondern bereicherten den Fuhrpark unter anderem mit einem 1934er Alfa Romeo 8C, dem zweitältesten Schmuckstück am Start. Technische Pannen waren eine Seltenheit. Und selbst wenn, war eine kompetente Crew von Mechanikern in Windeseile vor Ort und konnte weiterhelfen. Alle perfekt also auf der Route: Tel Aviv, Haifa, Nazareth, Tiberias am See Genezareth, Mitspe Ramon mitten in der Wüste Negev, Ein Gedi am Toten Meer und somit am tiefsten Punkt der Erde, Jerusalem und am Ende wieder Tel Aviv.

Ohne technische Probleme bewältigte der Brite Steve Collins die 1600 km der Holy Land 1000 im offenen Bentley 4.5 litre
Ohne technische Probleme bewältigte der Brite Steve Collins die 1600 km der Holy Land 1000 im offenen Bentley 4.5 litre von 1928

Jaguar-Pilot Raphael Gerstel aus Zürich, der die fünftägige Rallye an der Seite seiner Frau Eva bewältigte, war sich am Zielpunkt Tel Aviv sicher: „Wenn die Organisatoren 2017 hoffentlich die zweite Auflage der Rallye durchziehen, sind wir 100prozentig wieder dabei. Alles war hier perfekt: Organisation, Sicherheit, und die Herzlichkeit aller Beteiligten ohnehin.“ Nicht leicht wird es sein, ein weiteres Mal so ein dicht gedrängtes Programm von kulturellen, fahrerischen und landschaftlichen Höhepunkten zu bieten, ohne die erste Route einfach zu wiederholen. Aber selbst in diesem Punkt ist Elad Shraga voller Zuversicht und sagt selbstbewusst: „Auch das kriegen wir hin.“

Vom Start bis ins Zeil mit dabei war Federico Castillos 1934er Alfa Romeo 8C aus Argentinien
Vom Start bis ins Zeil mit dabei war Federico Castillos 1934er Alfa Romeo 8C aus Argentinien
Ralf Schütze/SP-X