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    Wie ein britisches Seebad ohne See

    Es sollte schrecklich werden. Das Wetter in London. Da es auch auf einer Postkarte nicht fehlen würde, möchte ich zum Abschied mal auf die „nassesten Sommerspiele aller Zeiten“ zu sprechen kommen. Die waren von schlauen Wetterfröschen für London prognostiziert worden.

    Autor: Volker Boch
    Volker Boch

    Es sollte schrecklich werden. Das Wetter in London. Da es auch auf einer Postkarte nicht fehlen würde, möchte ich zum Abschied mal auf die „nassesten Sommerspiele aller Zeiten“ zu sprechen kommen. Die waren von schlauen Wetterfröschen für London prognostiziert worden. Es gibt Kollegen, die hier vor drei Wochen panisch Regenhosen, Gummistiefel und die superdichten Jacken für indischen Monsun aus ihren Koffern geholt haben. Anfangs war der Wetterbericht ein tägliches Thema unter Journalisten, weil ja ganz Furchtbares zu erwarten war. Wahrscheinlich haben viele von ihnen Postkarten nach Hause geschrieben mit Bemerkungen wie „bis jetzt (noch) kein Regen“.

    Keine Ahnung, was im Wetterbericht für London in den vergangenen drei Wochen wirklich gestanden hat, ich habe nicht hineingeschaut. Ich bin in drei Wochen nur dreimal nass geworden, keine schlechte Quote, wenn ich an den Juli zu Hause denke. Stattdessen habe mit meiner Auf-gut-Glück-Einstellung bei den Spielen großartigen blauen Himmel und angenehme Temperaturen erlebt und ziemlich oft geschwitzt. London war so herrlich wie ein britisches Seebad im Hochsommer ohne See. Was die Organisatoren mit den Hunderttausenden Plastikponchos machen, die für den Verkauf an Zuschauer produziert wurden, bleibt eines der großen Geheimnisse dieser Spiele. Denn sie waren so trocken wie ein Stück Toastbrot.

    Am Morgen nach der Schlussfeier haben die Kollegen bei uns im Studentenwohnheim hektisch wieder all ihre Regensachen eingepackt – wahrscheinlich, weil sie zu Hause bald wieder gebraucht werden. Am großen Tag der Abreise war das Wetter unter den Journalisten wieder Thema am Frühstückstisch. Sie hatten am Morgen alle noch einmal kurz aus dem Zimmerfenster in den Himmel geschaut. Es sah bedeckt aus über London, es wird bald bestimmt ganz schrecklich.

    E-Mail an den Autor: volker.boch@rhein-zeitung.net

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