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    Wissenschaftler zweifeln an Teilen der Spitzensportreform

    Es geht um das große Geld für den deutschen Spitzensport. Welcher Verband bekommt künftig wie viel? Und nach welchen Kriterien soll der Kuchen verteilt werden. Es wird weiter gestritten, auch wenn es Fortschritte gibt.

    Wolfgang Maennig
    Wolfgang Maennig äußert seine Vorbehalte gegen das Programm.
    Foto: Christian Charisius - dpa

    Berlin (dpa). Die Reform des deutschen Spitzensports kommt trotz aller Kritik von Athleten und Wissenschaftlern voran.

    Auch wenn bei einer öffentlichen Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages erneut von Sportlern und Wissenschaftlern Kritik laut wurde, kamen die Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Vortag in Frankfurt/Main einer gemeinsamen Position näher.

    Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), leitete in Berlin eine Runde mit acht Experten und Athleten sowie Spitzenvertretern des deutschen Sports.

    Bei Wissenschaftlern stößt vor allem auf Zweifel, ob Erfolge von Sportarten mit mathematischen Methoden vorherzusagen und davon die Höhe der Förderung abzuleiten sind. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Maennig, 1988 Olympiasieger im Rudern, hält ein solches Potenzialanalysesystem (PotAS) für eine problematische Methode. Er plädierte vor allem für eine aktuelle Bewertung als Grundlage für Förderung. Die beste Vorhersage, «das ist der jetzige Erfolg».

    Das sieht der Sportwissenschaftler und Philosoph Gunter Gebauer von der Freien Universität Berlin ähnlich. «Zukünftige Erfolge von Sportlern kann man nicht wissenschaftlich bestimmen», sagte er.

    Die Kanutin Franziska Weber, Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2012 in London, forderte vor allem, dass Leistungssportler finanziell besser abgesichert sein müssten und ausreichend Geld in die Qualifizierung von Trainern investiert werde. Da gebe es Nachholbedarf. «Mit Existenzangst kann man keine herausragenden Leistungen bringen», kritisierte Weber.

    Derzeit beraten die Verbände des DOSB, der Deutsche Bundestag und Vertreter des für den Sport zuständigen Innenministeriums, wie Deutschlands Spitzensportler international leistungsfähiger werden können.

    Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zu Jahresbeginn die Strukturen im deutschen Sport kritisiert und 30 Prozent mehr Medaillen gefordert. Diese Zahl hatte sich bei Olympia seit Barcelona 1992 (82 Medaillen) fast halbiert: In Rio de Janeiro hatten deutsche Sportler in diesem Jahr noch 42 Mal Edelmetall gewonnen.

    Kernfrage ist, an welche Kriterien die millionenschwere Förderung gebunden wird. Konkret geht es um staatliche Fördergelder in Höhe von bis zu 170 Millionen Euro. Sportverbände, die zuletzt bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften vergleichsweise schlecht abgeschnitten hatten, fürchten um Mittel. Bei dem Entwurf von DOSB und Bundesinnenministerium geht es um die Verteilung der Fördergelder bis 2028.

    Ende Oktober soll es abschließende Beratungen mit de Maizière geben. Die Reform soll am 3. Dezember auf der DOSB-Mitgliederversammlung in Magdeburg verabschiedet und anschließend dem Kabinett vorgelegt werden.

    DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte nach dem Treffen der Verbände in Frankfurt/Main zu den Fortschritten bei den Beratungen gesagt: «Einen solchen Schulterschluss über zig Arbeitsgruppen hinweg hat es zu Zeiten des DOSB noch nicht gegeben.»

    Material zur Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages

    Seite des Sportausschusses des Deutschen Bundestages

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