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    Wahl-Belgier Rösch: Tränen in Pokljuka

    Ein deutscher Biathlet beendet als Wahl-Belgier in Pokljuka seine sportliche Leidenszeit. Danach fließen die Tränen.

    Tränen
    Michael Rösch widmet seinen Erfolg in Pokljuka seinem früheren Trainer Klaus Siebert.
    Foto: Antonio Bat - dpa

    Pokljuka (dpa). Weinend stand der Wahl-Belgier Michael Rösch vor der TV-Kamera. Den größten Erfolg seit seinem Nationenwechsel widmete der Sachse seinem früheren Trainer Klaus Siebert: „Das ist für Dich, Klaus!“

    Der letzte noch aktive deutsche Biathlon-Olympiasieger war hin und weg - er wurde in Slowenien zum Sieger der Herzen. „Entschuldigung, es ist ein popeliger sechster Platz im Weltcup, aber für mich bedeutet das die Welt. Ich habe so viel aufgegeben, wirklich alles, alles, was ich habe“, sagte Rösch. „Das ist einfach ein geiles Gefühl, wieder hier zu stehen und zu sagen: Das hast Du Dir erarbeitet und erkämpft.“

    Männer-Bundestrainer Mark Kirchner freute sich mit seinem ehemaligen Schützling, der nicht immer einfach war. „Er ist durch viele Krisen und Täler gegangen. Es tut ihm sehr gut, dass er wieder mal so ein Topergebnis für sich verbuchen kann.“ Vom Kirchner-Team war in Pokljuka nur Simon Schempp als Fünfter in der Verfolgung besser als Rösch. „Ich wünsche ihm, dass er noch ein paar solche Ergebnisse zusammenbringt“, sagte Kirchner.

    Weil es in Deutschland für Rösch nicht mehr weiterging, startet er nun für Belgien und trainiert mit den Schweizern. Dabei war er einmal als größtes deutsches Talent gehandelt worden, war 2006 sogar Fünfter im Gesamtweltcup. Der für seine markigen Sprüche bekannte Skijäger konnte an seine Leistungen nach dem Olympiasieg aber nicht mehr anknüpfen. Er wählte den Notausgang.

    Um für Belgien starten zu können, gab er seinen Beamtenstatus auf Lebenszeit bei der Bundespolizei auf, verkaufte sein Haus. Die Einbürgerung verzögerte sich, Rösch verpasste Olympia in Sotschi. Danach kamen gesundheitliche Probleme hinzu. „Nun bin ich fit“, sagte er. „Viele haben mir einen Vogel gezeigt, mir den Rücken zugedreht“, sagte er nach dem Jagdrennen. Als er in Pokljuka realisierte, dass ein Top-Ergebnis herausspringen würde, kamen die Tränen. „Ich habe in der letzten Runde an meinen Coach Klaus Siebert gedacht und geheult.“

    Siebert war am 24. April an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er formte unter anderen die Weißrussin Darja Domratschewa oder den aktuellen Russland-Trainer Ricco Groß zu Spitzen-Biathleten. Auch Rösch hatte lange Zeit bei Siebert trainiert.

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