40.000
  • Startseite
  • » Trend «Zero Waste»: Der Jahresmüll in einem Glas
  • Aus unserem Archiv

    Trend «Zero Waste»: Der Jahresmüll in einem Glas

    Shia Su und ihr Mann vermeiden Müll. Das Motto «Zero Waste» (null Abfall) entwickelt sich zum trendigen Lebensstil. Was man dafür braucht? Eine Wurmkiste, Marmeladengläser und Improvisationstalent.

    Gläser für den Jahresmüll
    Autorin und Bloggerin Shia Su mit zwei Gläsern mit dem gesammelten Müll aus den letzten Monaten.
    Foto: Caroline Seidel - dpa

    Bochum (dpa). Statt einer Vase mit frischen Frühlingsblumen steht auf Shia Sus Esstisch der Müll vergangener Monate. In einem Einmachglas sammelt sie ein paar Kronkorken, Kassenbons und Briefumschläge mit Adressfenster.

    Bloggerin Shia Su
    Die Bloggerin Shia Su beim nachhaltigen Einkauf.
    Foto: Caroline Seidel - dpa

    Etwas Müll lasse sich nunmal nicht vermeiden, sagt sie. Doch das kleine Glas reicht bei ihr für die Abfälle eines ganzen Jahres. Die 32-Jährige aus Bochum und ihr Mann Hanno bemühen sich, in ihrem Alltag so gut wie keinen Abfall zu produzieren. «Zero Waste» nennt sich dieser Lebensstil. Seit rund einem Jahr schreibt Shia Su in ihrem Blog «Wasteland Rebel» darüber, am 1. Juni erscheint ihr erstes Buch «Weniger Müll ist das neue Grün».

    Verpackungsloses Einkaufen
    Autorin und Bloggerin Shia Su kauft im Bio-Markt ein und füllt alles in wiederverwertbare Verpackungen.
    Foto: Caroline Seidel - dpa

    Im Badezimmerschrank der 32-Jährigen steht das selbstgemischte Mundwasser im Marmeladenglas neben der Haarspülung aus Roggenkleie und der kompostierbaren Bambus-Zahnseide. Eingekauft wird gewissenhaft und mit System. «Hanno bringt alle paar Wochen Trockennahrung wie Hülsenfrüchte und Getreide von einem Unverpackt-Laden an seinem Arbeitsplatz in Münster mit.» Su shoppt am liebsten in einem Vegan-Supermarkt in der Bochumer Innenstadt. Zum Verstauen von Obst und Gemüse hat sie Jutebeutel und Wäschenetze dabei, ihr Müsli füllt sie in ein Einmachglas mit Pfand.

    Mitgebrachte Behältnisse
    Verpackung zum Einkauf selbst mitbringen.
    Foto: Caroline Seidel - dpa

    Ein Regal im Flur ist die «Umverteilerecke» für Krimskrams. Im Moment liegen dort Schlüsselanhänger, Eieruhren und ein Duschkopf. «Besucher können sich hier bedienen», erklärt Su. In der Küche, gleich hinter der Tür, steht eine unscheinbare Holzkiste, unter deren Deckel reges Treiben herrscht: Hunderte Würmer mit gesundem Appetit fressen sich durch Kaffeefilter, Salatblätter und Tageszeitungen: «Die schaffen es, täglich die Hälfte ihres Eigengewichts zu verspeisen. Ausgebüchst sind die übrigens noch nie.»

    Wieder verwendete Plastiktüte
    Plastiktüten mehrfach benutzen.
    Foto: Caroline Seidel - dpa

    So schaffen es die 32-Jährige und ihr Mann, mit einem Einmachglas voll Müll im Jahr auszukommen, wie sie sagen. Zum Vergleich: Der Durchschnitts-Bürger in Nordrhein-Westfalen hat 2014 nach Angaben des Statistischen Landesamtes 480 Kilogramm Hausmüll produziert.

    Aktivistin Verena Klauss
    Zero-Waste-Aktivistin Verena Klauss.
    Foto: Henning Kaiser - dpa

    «Für viele ist «Zero Waste» zwar kein Modell, das sich dauerhaft für den Alltag eignet», sagt Philip Heldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Abfall und Ressourcenschutz bei der Verbraucherzentrale. «Dennoch ist es schön zu sehen, dass es vermehrt als Fastenaktion ausprobiert wird oder dass Menschen immer öfter zumindest auf Plastiktüten oder den Coffee-to-go-Becher verzichten.»

    Im Leih-Kleidungsgeschäft
    Zero-Waste-Aktivistin Verena Klauss im Leih-Bekleidungsgeschäft «Kleiderei» in Köln.
    Foto: Henning Kaiser - dpa

    Einige Maßnahmen seien leichter als gedacht. Gemüse sei ja sowieso schon von Mutter Natur verpackt. Und Wasser aus der Leitung stehe dem in PET-Flaschen qualitativ in nichts nach. «Im Supermarkt lohnt es sich, Ausschau nach sparsamer verpackten Alternativen zu halten», sagt Heldt.

    Zumal es immer mehr Angebote für abfallbewusste Verbraucher gibt. In einem Modeladen in Köln-Ehrenfeld steht Verena Klaus vor einem großen Spiegel und zuppelt an ihrem ärmellosen Kleid. «Das war mal ein Herrenhemd», sagt sie schmunzelnd. «Sieht man nur, wenn man's weiß, oder?» Die 32-jährige Kostümbildnerin, verheiratet und Mutter zweier Kinder, bloggt unter dem Titel «simply zero» ebenfalls über «Zero Waste» und besucht für einen neuen Post die «Kleiderei». Dort kann man sich für einen festen Betrag im Monat Klamotten, Schuhe, Hüte oder Schmuck ausleihen. Die Ware ist Second Hand, stammt von nachhaltigen Labels oder ist von Designerin und Ladeninhaberin Lena Schröder «geupcyclet» worden: Faltenröcke werden dann zu Kimonos, alte Jackett-Revers werden in frische Mäntel eingearbeitet.

    Die Familie von Verena Klaus kommt mit einem kleinen Behälter Restmüll im Monat aus - «Zero Waste» gilt bei ihr auch für den Kleiderschrank. Den habe sie vor einer Weile radikal ausgemistet. «Ich trage nur noch, was ich wirklich brauche und mag.» Für die «Kleiderei» hat sie eine Mitgliedschaft abgeschlossen und verlässt das Geschäft in neuer Garderobe - ganz ohne Tüte und Kassenbon.

    Service:

    Shia Su: «Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün», Freya-Verlag, 160 Seiten, 14,90 Euro, ISBN-13: 978-3990252734

    Simplyzero - Verena Klaus

    Wasteland Rebel - Shia Su

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    19°C - 28°C
    Freitag

    12°C - 24°C
    Samstag

    12°C - 20°C
    Sonntag

    12°C - 20°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Mehrwegsystem als Zukunftsmodell: Würden Sie dafür draufzahlen?

    Wer ein Getränk bei Rhein in Flammen kaufen wollte, musste den Koblenz-Becher oder das Koblenz-Glas dazukaufen. Hintergrund ist ein neues Mehrwegsystem der Koblenz-Touristik. Für zwei Getränke wurden da zum Teil 14 Euro fällig. Würden Sie der Umwelt zuliebe draufzahlen?

    UMFRAGE
    Vergiftete Eier – Was kommt jetzt auf den Tisch?

    Der Skandal um die mit Fipronil vergifteten Eier ist in aller Munde. Hat das Einfluss auf Ihren Speiseplan?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!