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    BillundStein für Stein zum Erfolg: Dem Lego-Geheimnis auf der Spur

    Wie kann ein Plastiksteinchen einer Playstation im Kinderzimmer Konkurrenz machen? Lego-Bauklötze faszinieren Kinder, Eltern, Großeltern. Seit Jahrzehnten. Ein Erklärungsversuch.

    Faszinierendes Lego
    Lego-Bauklötze faszinieren Kinder, Eltern, Großeltern. Seit Jahrzehnten.
    Foto: Friso Gentsch - DPA

    Es ist eckig, hat vier Noppen, vier Buchstaben und ist weltberühmt. Lego. Das Plastiksteinchen, das ein Tischler vor über einem Jahrhundert mitten in der dänischen Pampa erfand, fliegt heute in jedem Kinderzimmer herum. Um aus Tausenden seiner Art ein Piratenschiff oder ein Rennauto zusammenzubauen, sind schon Generationen von Kindern und Erwachsenen stundenlang auf dem Teppichboden herumgekrochen. Und die Familie des Erfinders Ole Kirk Christiansen stapelt mit den Bauklötzchen gerade Jahr für Jahr einen neuen Rekordgewinn. Nächsten Donnerstag (10. April) kommt auch noch der Animationsfilm «The Lego Movie» in die Kinos; in den USA hielt der sich bereits wochenlang auf dem ersten Platz. Was macht die Faszination Lego aus?

    Ein Geheimnis des kleinen Steinchens: Es sieht heute noch genauso aus wie damals. Wer bei seinen Großeltern einen bunten Plastikziegel von vor 50 Jahren findet, wie ihn Christiansen in seiner Werkstatt im kleinen Billund schuf, kann ihn mit nach Hause nehmen und mit dem gerade gekauften Set kombinieren. Ein anderes: Lego-Klötzchen sind ziemlich unkaputtbar. «Man kann sie im 60-Grad-Gang der Waschmaschine waschen oder vom Empire State Building werfen», schreibt Margret Uhle in ihrem Buch «Die Lego Story - Der Stein der Weisen».

    Für die stilbewussten Dänen ist ihre Weltmarke Lego nicht nur ein Spielzeug, sondern ein Design-Objekt. Das Wort Lego kommt vom dänischen «leg godt», übersetzt «spiel gut». Der Kunststoffquader ist Kulturgut, das perfekt in die Reihe vieler dänischer Erfindungen passt: klar, einfach und eben dadurch genial. Ein simples Teilchen, aus dem man furchtbar komplizierte Sachen bauen kann - und vor allem fast alles. Sechs Steine mit acht Noppen könne man auf 915 Millionen unterschiedliche Weisen kombinieren, behauptet Lego.

    1975 warb das Unternehmen mit dem Slogan «Jeden Tag ein neues Spielzeug». Ein Spruch, der heute passt wie damals, findet Lego-Fan René Hoffmeister. «Man kann eine Kiste Lego in der Mitte vom Zimmer ausschütten, und dann baut man irgendetwas, worauf man gerade Lust hat.» An die Anleitung hat der gebürtige Berliner sich nie gehalten. «Ich kenne auch niemanden, der das macht.»

    Was sich manche wohl insgeheim wünschen, ist für Hoffmeister sein Lebensinhalt: Der 37-Jährige baut den ganzen Tag mit Lego. Vor 15 Jahren hat er angefangen, für Nerds wie ihn Steinchen über das Netz zu vertreiben, heute bastelt er im Auftrag von Museen und Firmen Lego-Modelle. Mit Kindern hat er für ein Weltrekord-Projekt eine 14 Meter lange Brücke aus Lego gebaut. Im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg steht seine Bauklötzchen-Version der Queen Mary 2.

    Als es im heimischen Keller für die vielen Steinchen zu eng wurde, kaufte Hoffmeister für seine Firma mit 13 Mitarbeitern im brandenburgischen Niemegk ein leerstehendes Bahnhofsgebäude. An jeder Wand stehen dort Regale mit lauter Lego drin. «Für Kinder wäre das ein Paradies.» Für Hoffmeister ist es das auch ein bisschen.

    «Es gab natürlich eine Phase in der Pubertät, wo es einem peinlich war, Lego zu kaufen», räumt er ein. «Danach fangen viele wieder damit an.» Um Erwachsene anzusprechen, ist auch «Lego Cuusoo» da - eine Internetplattform, auf der sich Bastler selbst Modelle ausdenken können. Wenn sie 10 000 andere Nutzer von ihrer Idee überzeugen können, prüft Lego die Produktion des Spielzeugs. So bekam etwa die 80er-Jahre Kultkomödie «Zurück in die Zukunft» ein eigenes Lego-Set.

    Nicht nur die Helden des Zeitreise-Klassikers sind inzwischen zu Lego-Figuren geworden. In Zusammenarbeit mit Filmstudios entstanden über die Jahre etwa Spielzeugversionen von «Star Wars» und jüngst der berühmten TV-Comicfamilie «Die Simpsons».

    Dass Lego heute hip ist und sich auch Erwachsene nicht fürs Spielen damit schämen müssen, hat das Familienunternehmen aber gerade der Rückbesinnung auf die Bauklötze zu verdanken. Damit steuerte Jørgen Vig Knudstorp als neuer Chef Lego ab 2004 aus einer schweren Krise.

    Trotzdem baut das globale Unternehmen mit weltweit fast 14 000 Mitarbeitern heute auf mehr als nur Plastiksteinchen. Ständig kommen neue Sets auf den Markt, die «Friends»-Linie soll zudem mehr Mädchen anlocken. Im Lego-Design gibt es Computerspiele, Filme, Kleidung. An den US-Kinokassen spielt «The Lego Movie» gerade Hunderte Millionen Dollar ein.

    Aber abseits von klingelnden Kassen in Hollywood und Marken-Boom liegt das Erfolgsgeheimnis von Lego wohl doch in dem simplen Plastiksteinchen, das der Bügelbrett-Bauer Christiansen in der jütländischen Provinz erfand und 1958 patentieren ließ.

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