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  • Serie "24 Stunden in Mainz", Teil 18: Bei Reßler sind Beruf und Privates eins

    Harxheim. Um 17 Uhr macht ein Winzer noch lange nicht Feierabend. Derzeit ist gerade das Entlauben der Weinstöcke angesagt, damit die Reben mehr Sonne abbekommen.

    Winzer Friedrich Reßler bei der Arbeit im Rießling-Weinberg – die Stöcke werden  ausgedünnt und entlaubt.
    Winzer Friedrich Reßler bei der Arbeit im Rießling-Weinberg – die Stöcke werden ausgedünnt und entlaubt.
    Foto: Bernd Eßling

    Harxheim - Jetzt hat die Natur das Sagen. Zumindest ist ihr Wort gewichtig: Sie vor allem entscheidet über die Qualität des Weines, den die Reben nach getaner Arbeit den Winzern schenken werden.

    Knapp sieben Kilometer südlich von Mainz, in Harxheim, herrscht auf dem Weingut der Familie Reßler am Nachmittag eine idyllische Stimmung. Die fünfjährige Enkelin und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder fahren mit dem Rad auf der Straße vor dem Hof. Ein Auto nähert sich im Schritttempo. Der Fahrer nimmt Rücksicht. Die Atmosphäre steckt an. Der Mensch scheint es sich hier auf dem Land gemütlich eingerichtet zu haben. Harxheim ruht in sich selbst. Kurz wähnen wir Städter uns in einer Traumwelt. Erst das Rattern der Schleppermotoren holt uns in die Realität zurück.

    Die Landwirtschaft ruht nicht. Nicht bei den Reßlers und nicht bei anderen Winzern in Harxheim. Gearbeitet wird auch dann, wenn ein Fremder es auf den ersten Blick nicht sieht. Auf den Hängen hinter dem Hof der Familie ist das Entlauben angesagt. Die Winzer setzen bei der sorgsamen und umweltgerechten Pflege auch moderne Technik ein, die dafür sorgt, dass die Reben ungehindert in der Sonne gedeihen. Eine spezielle Maschine saugt die Blätter weg. Danach wird von Hand nachgebessert. „Im Juli, August wird außerdem ausgedünnt", erzählt Friedrich Reßler, der mit seiner Familie den Hof betreibt. Etwa die Hälfte der Trauben bleibt hängen. Auch die letzen Spritzungen gegen Pilzkrankheiten sind an der Zeit.

    Das Weingut mit seinen knapp 17 Hektar ist nur ein Standbein des landwirtschaftlichen Betriebs der Reßler. 32 Hektar Ackerland kommen hinzu. Dort baut die Familie Getreide und Zuckerrüben an. Auf den guten Weinberglagen Schlossberg, Börnchen und Lieth, die zur Großlage Mainzer St. Alban gehören, gedeihen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Burgunder, Silvaner, Dornfelder, Portugieser und Spätburgunder sowie St. Laurent und Schwarzriesling.

    „Die Weingüter in Harxheim liegen zumeist gleich hinter den Höfen, so entfällt die Anfahrt", sagt Friedrich Reßler. Und so verschmilzt auch Haus, Familie und Arbeit zu einer Einheit. Hierbei das Gleichgewicht von Freizeit, Familie und den Erfordernissen der Landwirtschaft zu erhalten, will gelernt sein. Zumal es auch keine festen Zeiten für bestimmte Arbeiten gibt. Vielmehr eine grobe Struktur, die wiederum die Jahreszeiten und das Wetter diktieren. „Wie in jedem landwirtschaftlichen Betreib", sagt Reßler. „Wenn es regnet, sind wir am Schreibtisch."

    Während die Reben gedeihen, bereitet sich die Familie auf das Harxheimer „Weinhöfefest", das vom 20. bis 23. August wie jedes Jahr viele Gäste in die Gemeinde locken sollte. Reßlers werden für sie rund 300 Sitzplätze bereithalten. Auch die Weine des Vorjahres müssen noch etikettiert werden. 35 Prozent vermarktet die Familie in Flaschen. Der restliche Wein wird an den Großhandel und die Fassweinerzeuger verkauft.

    Neben dem Weingut mit Weinschenke, die von Freitag bis Sonntag geöffnet hat, besitzt die Familie auch ein Gästehaus, das Schwiegertochter Tanja Reßler, eine rheinhessische Kultur- und Weinbotschafterin, betreut. 2008 wurde das Haus nach den Kriterien des Deutschen Tourismus-Verbandes mit fünf Sternen ausgezeichnet. „Als erstes Winzer-Gästehaus in Rheinhessen", sagt Reßler nicht ohne Stolz. 2009 folgte der Sonderpreis „Unterkunft", den die „Jury des Best of Wine Tourism Award Mainz und Rheinhessen" verliehen hatte. Dank der Nähe zum Flughafen und dem Gewerbegebiet in Hechtsheim sind die elf Doppelzimmer stets mit Gästen aus aller Welt belegt. „An den Wochenenden sind wir immer ausgebucht. Außer wenn wir im Urlaub sind." Den braucht die Familie auch, in der alle Generationen am Erfolg arbeiten. Reßler sagte, das Familienleben müsse erhalten bleiben. „Und für die Enkel will ich auch Zeit haben."

    Auf den Hängen hinter dem Weingut strecken die Reben ihre winzigen Köpfchen der Sonne entgegen. Eine Stunde ist schnell vergangen. Der Natur ist diese kurze Zeitspanne scheinbar egal. Alles ruht wieder. Gefeiert wird bei den Reßlers erst nach der Ernte, die in dem sonnenreichen Sommer sicher gut ausfällt.

    Gregor Starosczyk-Gerlach

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