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    LondonSafety First! - Olympia und die Angst um Sicherheit

    Der britische Geheimdienst hatte die Hinweise geliefert, die Polizei schlug zu: Keine drei Monate vor den Olympischen Spielen in London sind in der Nachbarstadt Luton erneut fünf Terrorverdächtige festgenommen worden.

    Die Sicherheitsbehörden wollen vor dem größten Sportereignis der Welt zeigen: «Wir sind wachsam!» Just am Tag der Festnahmen trainierten 4000 Sicherheitsleute die Abläufe während der belebtesten Olympia-Tage.

    Doch genauso zeigen die Festnahmen - erst am vergangenen Freitag waren drei mutmaßliche Terrorhelfer in London-Heathrow ins Netz gegangen - eines: Die Bedrohung für die Spiele ist real. «Es bedarf nur eines Idioten und alles ist verdorben», sagt Lord Colin Moynihan, der 1980 in Moskau als Steuermann des Briten-Achters olympisches Ruder-Silber geholt hatte.

    Den meisten der acht Millionen Londonern sind die Ereignisse vom 7. Juli 2005 noch gut im Gedächtnis. Islamistische Terroristen zündeten mitten am Tag mehrere Sprengsätze in der Londoner U-Bahn und in einem Doppeldecker-Bus. Blut strömte, 52 Menschen starben, unzählige wurden schwer verletzt. Und die Rettungspläne in London gerieten massiv in die Kritik. Einen Tag zuvor hatte die Metropole in Singapur den Zuschlag für Olympia 2012 erhalten.

    Seit dem ersten Tag der Vorbereitungen haben die Olympia-Macher um LOCOG-Chef Sebastian Coe Angst, Ziel eines weiteren Anschlags zu werden. «Wir werden sehr genau darauf achten, wer ins Land kommt und wir werden denjenigen den Zutritt verweigern, von denen wir glauben, dass von ihnen irgendeine Art von Gefahr für die nationale Sicherheit ausgeht», sagte der für Olympia zuständige Staatssekretär in der Regierung von Premierminister David Cameron, Hugh Robertson.

    Die Worte klingen entschlossen. Keineswegs aber spricht aus ihnen die Sicherheit, dass die Spiele nicht zum Ziel radikaler Verbrecher werden könnten. Zu viele Alarmsignale hat es in den vergangenen Monaten gegeben. Zweimal schon schafften es Polizei-Tester, Sprengstoff an den Sicherheitskontrollen vorbei in den Olympia-Park zu schmuggeln. Beim traditionellen Ruderrennen zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge gelang es einem Aktivisten vor die Boote zu schwimmen und die Regatta zu stoppen. Auch auf dem höchsten Gebäude der Stadt, das «Shard» am London-Bridge-Bahnhof, war ein Demonstrant aufgetaucht, ohne von der Polizei aufgehalten zu werden.

    Die Londoner Polizei Scotland Yard ist ohnehin seit längerer Zeit schwer in Verruf geraten. Nicht zuletzt als fast exakt ein Jahr vor Beginn der Spiele randalierende Jugendliche halbe Stadtviertel in Brand stecken konnten und die Polizei lange Zeit nur zuschaute, kamen massive Zweifel an der Schlagkraft der Truppe auf. Dass eine ganze Reihe von Top-Offizieren wegen Korruptionsvorwürfen in der Murdoch-Affäre abtreten mussten, kommt hinzu.

    Britische Regierung und Organisationskomitee arbeiten fieberhaft und versuchen jeden erdenklichen Ernstfall zu proben. Am Dienstag waren 4000 Menschen beteiligt, als die Abläufe der Rettungsdienste durchgespult wurden. Zuvor hatten Schnellboote der Marine auf der Themse bereits fiktive Terroristen zur Probe zur Strecke gebracht. Auch ein Unglück in der U-Bahn wurde schon durchgespielt.

    Schließlich müssen 10 000 Athleten, 20 000 Journalisten, über acht Millionen Zuschauer und weitere Millionen an Touristen geschützt werden. Aber Olympia soll auch kein Gefängnis mit Sportangebot werden. «Ich will, dass die Menschen aus eurem Land zu den Spielen kommen und sich so fühlen, dass sie in einer Stadt in Feierlaune sind und nicht in einem Hochsicherheitstrakt», sagte Coe. Kritikern fehlt der Glaube. Ein Kriegsschiff auf der Themse, Eurofighter-Jets in Lauerstellung und sogar Boden-Luft-Raketen auf Abruf sprechen eine deutliche Sprache.

    Die Zahlen machen es noch klarer: 13 000 britische Soldaten - mehr als in Afghanistan - werden bei Olympia Dienst tun. 10 000 private Sicherheitsleute und tausende Polizisten kommen hinzu. Der Sicherheitsetat musste - auch auf Druck der misstrauischen USA - massiv aufgestockt werden. 700 Millionen Euro hatten die Organisatoren zwei Jahre vor den Spielen eingeplant. Inzwischen soll sich die Summe auf weit über eine Milliarde Euro erhöht haben.

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