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  • Radikale Kurskorrektur zehn Jahre nach Bologna

    Bonn/Berlin (dpa). Es ist in der Tat eine radikale Kurskorrektur, die sich zehn Jahre nach dem Bologna-Beschluss über eine einheitliche Studienstruktur in Europa bemerkbar macht.

    Die deutschen Kultusminister wollen nach ihrer Entscheidung von Donnerstagabend (10. Dezember) bei den Bachelor- und Masterstudiengängen die Stofffülle deutlich begrenzen, weniger Prüfungen, eine Abkehr von der starren sechs-Semester-Regelung beim Bachelor und auch den Hochschulwechsel durch eine vereinfachte Anerkennung von Leistungsscheinen erleichtern. Ohne die monatelangen hartnäckigen Protestaktionen der Studenten - so räumte mancher Kultusminister ein, wäre nicht so schnell Bewegung in die Sache gekommen.

    In einer zentralen Forderung konnten sich die Studenten jedoch nicht durchsetzen. Für die Zulassung zum weiterführenden Masterstudium können die Hochschulen «zur Qualitätssicherung oder aus Kapazitätsgründen» weiterhin eigene Zulassungskriterien bestimmen. Dieser deutsche Sonderweg - im Jahr 2000 vom Wissenschaftsrat eigens empfohlen, um den Universitäten wie den Finanzministern die Bologna-Reform schmackhaft zu machen - ist nicht nur bei Studenten umstritten.

    Berufsforscher, wie der international renommierte Kasseler Soziologe Ulrich Teichler, sehen einen dramatischen Mangel von Spitzenkräften für die Forschung voraus, wenn künftig zu viele junge Menschen nur mit dem Bachelor-Studium Vorlieb nehmen müssen. Die Studenten fürchten, dass sie nur mit einem Bachelor-Abschluss schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Angst, später nicht die Hürde auch ins weiterführende Masterstudium zu schaffen, befördert häufig schon vom ersten Semester an Leistungsdruck, Ellbogenmentalität und Unsicherheit unter den Studierenden, beobachten Studienberater.

    Bis zuletzt wurde bei der Kultusministerkonferenz noch an dem Korrekturkonzept mit dem sperrigen Titel «Eckpunkte zur Korrektur der Ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Master-Studiengängen» gefeilt. Ob es die Kritiker und die protestierenden Studenten tatsächlich befriedigen wird, hängt vor allem davon ab, wie schnell die Hochschulen die neuen Vorgaben auch wirklich umsetzen werden.

    Als sich 1999 in der italienischen Hochschulstadt Bologna die Bildungsminister zahlreicher europäischer und angrenzender Staaten auf eine gemeinsame Studienstruktur mit den aufeinander aufbauenden Bachelor- und Masterabschlüssen verständigen, stand ein Traum im Mittelpunkt: Die Vision von einem Studium ohne Grenzen und ohne Anerkennungsstreit um die an anderen Hochschulen zuvor erbrachten Leistungen. Doch vor allem in Deutschland ist für viele dieser Traum zum Albtraum geworden.

    Denn penibler als in vielen anderen Staaten wurden in Deutschland die Studieninhalte modularisiert, die einzelnen Lehrveranstaltungen mit einem komplizierten Netz von Leistungspunkten überzogen und eine Fülle von zusätzlichen Zwischenprüfungen vorgeschrieben. An manchen Hochschulen wurden zugleich die Lehrinhalte der alten, meist zehn-semestrigen Diplomstudiengänge ohne weitere Abstriche in das sechs-semestrige Bachelor-Studium hineingequetscht. Die ausgeprägte Differenzierung und Spezialisierung der über 11 000 Studiengänge an deutschen Hochschulen tat ein übrigens. Die Folgen: Studenten wie Dozenten klagen über Verschulung und Prüferitis.

    Dabei halten die Kultusminister den Hochschulen vor, völlig unnötig fast alle Bachelor-Studiengänge auf sechs Semester begrenzt zu haben. Auch ihre früheren Eckpunkte hätten schon sieben oder achtsemestrige Bachelor-Angebote zugelassen, damit der Abschluss tatsächlich auch dem Kriterium «berufsqualifizierend» entspricht. Ausdrücklich wurde dieser alte Beschluss bekräftigt.

    Die Hochschulrektoren gaben den Schwarzen Peter an die Länder zurück, warfen ihnen «Restriktionen» und «falschen Anreize» vor. Der Geldmangel, die seit Jahren chronische Unterfinanzierung der Hochschulen, sei Ursache für die vielen kurzen sechs-semestrigen Bachelor-Studiengänge. Die Politik habe die Hochschulen massiv gedrängt, möglichst viele Studenten aufzunehmen, argumentiert Hochschulrektoren-Präsidentin Margret Wintermantel. In einem Brief fordert Wintermantel jetzt die Ministerpräsidenten auf, beim Bildungsgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch (16. Dezember) für eine vernünftige finanzielle Ausstattung der Bachelor-Studiengänge zu sorgen - damit der Bologna-Prozess auch Erfolg hat.

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