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    Post nach Ostereistedt: Auch Osterhase bekommt Kummerbriefe

    Osterhausen/Eibau (dpa) - Seit Generationen schreiben Mädchen und Jungen Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Längst hat die Tradition abgefärbt. Bundesweit an drei Adressen kann auch dem Osterhasen Post geschickt werden.

    Post an den Osterhasen
    Der «Osterhase Olli» (Heike Trodler) hoppelt in der vorösterlichen Zeit zweimal pro Woche zu seinem Briefkasten in Eibau, um ihn zu leeren.
    Foto: Matthias Weber - DPA

    Wer beschenkt werden möchte, überlässt ungern etwas dem Zufall - nicht nur zu Weihnachten. Kinder schicken Wunschbriefe deshalb zunehmend auch per Post an den Osterhasen. Damit er sich großzügig zeigt, lassen sich die Absender einiges einfallen.

    So packt mancher frische Mohrrüben in seine Zuschrift an den Osterhasen, erzählt Maike Wintjen, Pressesprecherin der Deutschen Post in Hamburg. Als Bestechungsversuch mag sie einen solchen Sendungsinhalt nicht werten.

    Die Post kümmert sich seit 32 Jahre um die Briefe, die an Hanni Hase nach Ostereistedt in Niedersachsen gesandt werden. «Zwischen 35 000 und 37 000 Zuschriften gehen jährlich ein», berichtet Wintjen. Im vergangenen Jahr waren rund 1300 Briefe aus dem Ausland darunter. Sie kamen aus 32 Ländern, etwa aus Taiwan, Kanada oder Chile. Wenn die Absender allerdings nicht gerade auf Englisch schreiben, bleibt ihre Botschaft laut Wintjen ein Geheimnis.

    «Es ist eine Kinderbrief-Aktion, die ihre Grenzen hat», sagt die Postsprecherin. Zumindest ins Chinesische ließ sie den deutschen Standardbrief nun übersetzen, den alle Absender als Antwort von Hanni Hase erhalten. Immerhin stammten 2013 allein 360 Zuschriften aus China und damit deutlich mehr als in den Vorjahren.

    Viele beschreiben dem Osterhasen ganz genau, wo er die Eier verstecken möge. «Manche legen sogar einen Stadtplan bei, damit bloß nichts schiefgeht», sagt Wintjen. «Die Kinder wollen sichergehen, dass der Osterhase wirklich vorbeikommt», bestätigt Anja Wauer vom Kinder- und Jugenderholungszentrum «Querxenland» in Seifhennersdorf in Sachsen. Mitarbeiter dieser Einrichtung leeren seit 2005 den Osterhasen-Briefkasten in Eibau. Darin landen jährlich etwa 3000 Zuschriften.

    Die Wunschpalette der Kinder reicht von Spielzeug über Computerspiele und Fahrrad bis hin zum echten Pferd. Immer häufiger teilten Briefeschreiber dem Osterhasen allerdings auch Kummer mit. «Sie wünschen sich, dass sich ihre Eltern wieder vertragen», berichtet Anja Wauer. Auch gut gemeinte Wünsche für den Osterhasen finden sich in der Post, etwa dass er beim Eierverstecken schönes Wetter haben möge.

    Konkurrenz haben die Osterpostfilialen in Ostereistedt und Eibau in diesem Jahr mit Osterhausen in Sachsen-Anhalt bekommen. In den Jahren zuvor waren dort immer wieder Briefe an den Osterhasen eingegangen. Den Ortsnamen deuteten die Absender wohl als sicheres Indiz, wo der Hase wohnt. Auf Initiative von Eltern und Erziehern hat der Ortsteil von Lutherstadt Eisleben nun ein eigenes Sonderpostamt.

    Dass Kinder inzwischen sogar Post an den Osterhasen schicken, überrascht selbst Brauchtumsforscher. Der Bonner Volkskundler Alois Döring sieht darin eine nachgeahmte Tradition. «Wenigstens 150 Jahre lässt sich der Brauch nachweisen, einen Wunschbrief an Christkind, Nikolaus oder Weihnachtsmann zu schreiben.» Aber wie die populären winterlichen Figuren ist der Osterhase ebenfalls längst ein populärer Gabenbringer.

    «Erste Belege für seine Erscheinung stammen aus dem 17. Jahrhundert», erklärt Döring. Bei der Frage, wer eigentlich zu Ostern die Eier bringt, habe sich der Hase durchgesetzt. Das oft vermenschlicht dargestellte Langohr erscheine Kindern daher wohl auch als geeignet, Wünsche an ihn zu adressieren. Gemessen an der Briefflut an den Weihnachtsmann vor dem Jahresende, ist die Zahl der Zuschriften an den Osterhasen jedoch vergleichsweise überschaubar. In den sieben Weihnachtspostfilialen in Deutschlands gingen 2013 insgesamt rund 645 000 Briefe ein.

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