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  • Petkovic: Die Tennis spielende Rock 'n' Rollerin

    Darmstadt (dpa). Unter Deutschlands besten Tennisspielerinnen ist Andrea Petkovic die Intellektuelle, die Stimmungskanone und zugleich die Aufsteigerin des Jahres. Nach ihrem Kreuzbandriss 2008 rückte sie von einem Rang jenseits der 400 bis Weltranglistenplatz 52 vor.

    Die 22-jährige Darmstädterin holte im österreichischen Bad Gastein ihren ersten WTA-Titel und wurde zum zweiten Mal deutsche Meisterin. «Ich trau' ihr die Top-20 zu, das muss jetzt ihr nächstes Ziel sein», sagt Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner. Neben dem Tennis schreibt Petkovic, die die zehnte Klasse übersprang und ein 1,1er-Abitur machte, eine Kolumne für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und studiert Politik an der Fernuni Hagen. Irgendwann will sie eine eigene Partei gründen.

    «Tennisspieler sind oft sehr einseitig, und ich hab so viele kreative Seiten in mir, sei es das Schreiben oder Musik Machen», sagt Petkovic über sich selbst. «Die müssen halt raus, die kann ich nicht in mir halten.» Auf ihrer umfangreichen Homepage etwa, die kein Management, sondern ein Freund von ihr gebastelt hat, findet sich auch ein eigner Song. Über den Kurzmeldungsdienst Twitter hat alle Welt an ihrem Leben teil. Selbstbeschreibung: «The first ever tennis-playing rock 'n' roller».

    In der Gruppe könne Petkovic, die in Tuzla im früheren Jugoslawien geboren wurde, «ziemlich dominant» sein, dann müsse man sie manchmal bremsen, schildert Rittner amüsiert. «Sie weiß genau, was sie will - und was sie nicht will, sie ist ein sehr starker Charakter.» Rittner hebt hervor: «Sie ist eine der wenigen Tennisspielerinnen, die über den Tennis-Horizont hinaus schauen.» Petkovic, deren letzte Lektüre Dostojewskis «Schuld und Sühne» war, zeigt, dass man im Damen-Tennis nicht nur als 14 Jahre alte Schulabbrecherin etwas werden kann.

    Und trotz aller Hobbys bescheinigt ihr Rittner, «sehr zielstrebig und hart» an ihrem Tennis zu arbeiten. Seit einigen Wochen gemeinsam mit dem in der Szene sehr profilierten Niederländer Glen Schaap in Bern. Von Schaap, der Vater Zoran als Coach entlastet, verspreche sie sich den «nächsten Schritt», sagt Petkovic. In diesem Sommer habe es bei ihr «so Klick» gemacht. «Ich habe viel Glauben an mich gewonnen.» Langfristig hat die 1,80 Meter große Athletin mit den so rasanten Grundschlägen die besten 20 fest im Visier. 2010 will sie unter die Top-50 und bei den Grand-Slam-Turnieren mal über die 2. Runde hinaus. Am besten gleich bei den Australian Open (18. bis 31. Januar).

    Rittner meint, Deutschlands Nummer zwei nach Sabine Lisicki müsse ruhiger werden auf dem Platz, noch die letzten Selbstzweifel ablegen. Ob einen Intelligenz als Tennisprofi auch behindert? Könne sein, sagt Petkovic. In ihrem «FAZ»-Tennis-Tagebuch philosophierte sie zuletzt gewohnt meinungsfreudig, voller Sprachwitz und Selbstironie über die Gratwanderung zwischen dem Einzelsportler-Dasein und Mensch bleiben.

    Nach der Tennis-Laufbahn will sie sich «auf jeden Fall politisch engagieren. Ob das dann im Journalismus ist, in einer politischen Organisation oder sogar als Politikerin, weiß ich noch nicht», sagt Petkovic. In ihrem Politik-Fernstudium steckt die 22-Jährige mitten im zweiten Semester. Sie will es zielstrebig durchziehen: Für die Klausur-Termine lässt sie sogar Turniere aus. Als sie im Sommer 2008 der Kreuzbandriss außer Gefecht setzte, machte sie ein Praktikum beim Regierungssprecher von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Auf der Homepage der Damentennis-Organisation WTA hieß es, Angela Merkel müsse sich in Acht nehmen. Bundeskanzlerin? Wieso nicht, meint «Petko»: «Kein Dementi.» Dabei erklingt ihr typisches dunkles Lachen.

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