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    Leichtes Leben in der Weißen Stadt: Trendziel Tel Aviv

    Das schöne Leben in Zeiten des Terrors - wie geht das? Europa muss das noch herausfinden. Die Menschen in Tel Aviv machen es vor. Die Lifestyle-Metropole ist liberal, leichtlebig, ausgelassen - und daher vielen Israelis ein Dorn im Auge. Doch der Reisende ist begeistert.

    Weiße Stadt
    Die Weiße Stadt in Tel Aviv umfasst rund 4000 Gebäude im Bauhaus-Stil - sie zählt zum Unesco-Welterbe.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Tel Aviv (dpa/tmn) – Wenn Küchenchef Tomer Agai an das Tel Aviv vor gut zehn Jahren denkt, zieht er ein trostloses Fazit. „Es gab nur Falafel und Schawarma oder Michelin-Restaurants“, sagt der Besitzer des „Santa Katarina“.

    Promenade Tel Aviv
    Tel Aviv ist für seinen Strand und seine Promenade berühmt - besonders im Sommer kommen hier Bewohner und Touristen zusammen, um zu schauen und gesehen zu werden.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Das Lokal liegt eine Minute entfernt vom Rothschild-Boulevard, der repräsentativen Prachtmeile. Die Luft weht lau an diesem frühen Abend. Obwohl Mittwoch ist, sind die Straßen voll mit Menschen, ebenso wie die zahlreichen Restaurants. Die Gastronomie-Szene hat sich gewandelt. Die Zeiten, in denen es nur Fast Food oder Fine Dining gab, sind vorbei.

    Jaffas Gassen
    Jaffa ist ein wuseliges Gassengewirr mit zahlreichen Shops, Restaurants und Cafés. Das Viertel ist orientalisch geprägt.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Im angesagten „Santa Katarina“ bekommt man draußen keinen Tisch mehr. „Alles soll lässig und offen sein, nicht elitär und fein“, sagt Agai, 42, ein orientalischer Jude. Er hat sich hingesetzt, das Haar ist nach oben gewachst, der Vollbart angegraut, was ihm ausgezeichnet steht. Gleich geht es zurück in die Küche.

    Neve Tzedek Tower
    Der Neve Tzedek Tower ist ein luxuriöser Wohnturm für die bessere Gesellschaft - und für manche Symbol eines hemmungslosen Immobilienexzesses.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Als Kind liebte Agai das arabische Essen seiner Oma. Die Großeltern kamen aus Syrien, Ägypten, Marokko und dem Irak. Später kochte er in London und Paris für angesehene Chefs, dann kehrte er nach Israel zurück und eröffnete 2014 sein eigenes Restaurant. Agay verkörpert das kosmopolitische Tel Aviv, er hat es mitgeprägt.   

    Vergnügungsviertel Sarona
    Sarona ist ein Vergnügungsviertel in Tel Aviv, das auch einen hippen Essensmarkt beherbergt. Am Wochenende kommen dort viele Familien zusammen.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Wenn man Israelis nach Tel Aviv fragt, sind sich fast alle einig. Die Stadt sei nicht Israel, sondern ein Land für sich, eine Blase. Ob dies nun gut oder verwerflich ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Tel Aviv steht für Zerstreuung und Lebenslust, für unpolitischen Hedonismus. Man trifft seine Bewohner eher am Strand als in der Synagoge, und Fragen der Mode sind den meisten wichtiger als die Auslegung der Thora. Womöglich ist genau das der Grund, warum Tel Aviv bei Europäern eine solche Trendstadt geworden ist.

    Museum von Ilana Goor
    In ihrem Museum in der Altstadt von Jaffa zeigt die israelische Künstlerin Ilana Goor ihre Werke. Diese sind manchmal durchaus verstörend.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Vor sieben Jahren kamen 60 Prozent aller Touristen mit organisierten Gruppenreisen nach Tel Aviv. Heute sind es nur noch 20 Prozent. Die Sicherheitslage in Israel gilt als latent fragil, das schreckt die oft ältere Klientel der Kulturreisenden ab. Doch insgesamt ist die die Zahl der Besucher in Tel Aviv ziemlich konstant geblieben. Heute zieht es vor allem junge Individualreisende in die Mittelmeerstadt, die Generation Billigflieger, die private Apartments auf Airbnb so selbstverständlich bucht wie Hotelzimmer und stets auf der Suche ist - nach den neusten hippen Shops, Cafés und Bars.

    Carmel Market
    Der Weg aus der Tel Aviver City hinunter nach Neve Tzedek führt über den Carmel Market - und vorbei an jeder Menge orientalischer Süßigkeiten.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Tel Aviv heißt auf Hebräisch „Hügel des Frühlings“. Korrekt ist aber Tel Aviv-Jaffa, beide Orte wuchsen zusammen, und somit ist Stadt quasi alt und jung zugleich. Alt, weil Jaffa im Süden eine der ältesten Siedlungen des Nahen Ostens ist. Neu, weil das eigentliche Tel Aviv erst 1909 gegründet wurde. Damals gehörte Palästina zum Osmanischen Reich. Erst am 14. Mai 1948 – nach zwei Weltkriegen, britischer Mandatsherrschaft und dem Holocaust – rief der spätere Premierminister David Ben-Gurion in der Independence Hall den Staat Israel aus. Die arabischen Nachbarn erklärten sofort den Krieg.

    Bahnhofsstation Hatachana
    Die historische Bahnhofsstation Hatachana beherbergt heute Boutiquen und Cafés - und soll ein Symbol des Tel Aviver Lifestyles sein.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Marwan Hashaw, 27, verdreht die Augen, wenn man ihn auf die hohe Politik anspricht. Er ist Mitbetreiber der Bar „Anna Loulou“ im muslimisch geprägten Jaffa. Dort feiern am Wochenende Juden und Araber gemeinsam, Heteros und Schwule, ganz egal. Hashaw selbst ist ein palästinensischer Christ aus Betlehem. Er mag die politischen Zuschreibungen nicht mehr hören, sogar die „New York Times“ war da. Eine Bar als Symbol für das friedliche Miteinander der Kulturen? Wie auch immer. „Wir heißen jeden willkommen, das ist unsere einzige Botschaft. Das sollte überall so sein“, sagt er nur.

    Tel Aviv Skyline
    Blick von Jaffa in Richtung Tel Aviv: Die Stadtstrände laden im Sommer zum Baden und Flanieren ein.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Doch natürlich gibt es religiöse Bruchlinien. Im Tel-Aviv-Teil der Stadt wohnen hauptsächlich Juden. Was diesen Teil der Stadt ästhetisch prägt, entstand in den 1930er Jahren. Geflohene jüdische Architekten aus dem Deutschen Reich errichteten ein Viertel mit 4000 Häusern im Bauhaus-Stil: die Weiße Stadt, Unesco-Weltkulturerbe.

    Jaffa Altstadt
    Straßenkunst: Bemaltes Gebäude in der Nähe der Docks in der Altstadt von Jaffa.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Jaffa ist anders, orientalisch. Die prächtige Muhammadiya-Moschee erhebt sich unweit des Wassers. Die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen sieht aus wie das Klischee einer arabischen Medina, wenngleich alles sehr museal erscheint.

    Tomer Agai
    Küchenchef Tomer Agai vom «Santa Katarina» steht für das moderne, kosmopolitische Tel Aviv.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Unten am Hafen in Old-Jaffa, wo im 18. Jahrhundert die ersten Pilger im Heiligen Land von Bord gingen, sitzen die Menschen draußen. Noch geschäftiger geht es aber jenseits der Stadtmauern zu, etwa auf dem stadtbekannten Flohmarkt. In den umliegenden Gassen haben arabische Antiquitätenhändler genauso ihre Geschäfte wie die aufstrebende Fashionszene der Stadt. In Jaffa gibt es kleine feine Boutiquen, konventionelle Mode eher in der Shenkin-Straße.

    Yael Schapira
    Yael Schapira bietet in Tel Aviv regelmäßig Street-Art-Touren an. Dabei lernt man einiges über die Stadt und ihre Entwicklung.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Manchmal wird das leichte, schöne Leben aber kurz vom Nahostkonflikt unterbrochen. 2014 flogen zuletzt Raketen aus dem Gazastreifen auf die Stadt. Wenn der Alarm ertönt, bleiben den Menschen 60 Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch sonst wird Tel Aviv vom Konflikt nicht verschont. Erst im Sommer 2016 erschossen zwei Palästinenser im Viertel Sarona vier Israelis. Sie trugen Anzüge, und bevor sie töteten, nahmen sie ein Drink. Einige Monate später wirkt der Ort so unschuldig und heiter, als wäre nie etwas passiert.

    Florentin
    Aufgewertetes Viertel: In Florentin ist die Gentrifizierung schon fast abgeschlossen.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Viele Viertel in Tel Aviv sind heute schick, sauber - und für viele kaum noch bezahlbar. Auch Neve Tzedek hat einen Wolkenkratzer mit Penthouse-Apartments, er ist 147 Meter hoch. „Der passt überhaupt nicht hierhin“, sagt Yael Schapira, 33, die Street-Art-Touren anbietet. Überall schreite die Gentrifizierung voran.

    Independance Hall
    Vor der Independance Hall am Rothschild Boulevard hängt die israelische Flagge im Wind. Dort rief David Ben-Gurion 1948 den Staat Israel aus. Foto Philipp Laage/dpa-tmn
    Foto: Philipp Laage

    Doch die Strahlkraft Tel Avivs ist einfach zu groß, gerade weil es von den Sorgen des übrigen Landes wie entkoppelt wirkt. Deshalb spotten viele Juden über Tel Aviv. „Sie sagen, Raketen fliegen auf uns, und ihr esst Suhsi“, erzählt Schapira. Die Menschen feiern das Leben, obwohl sie das Chaos umgibt. Eine Haltung, an die man sich in Europa vielleicht erst noch gewöhnen muss.

    Kunstmuseum Tel Aviv
    Tel Aviv hat eigentlich kaum namhafte große Sehenswürdigkeiten, die Stadt lebt von ihrem Flair. Das Kunstmuseum ist aber eine sehenswerte Attraktion.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Tel Aviv

    Marwan Hashaw
    Marwan Hashaw ist Mitbetreiber der «Anna Lou Lou»-Bar in Jaffa - ein Ort zum Feiern, unabhängig von Religion oder sexueller Orientierung.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Anreise: Verschiedene Low-Cost-Airlines fliegen nonstop nach Tel Aviv, etwa Easyjet von Berlin oder ab dem Winter 2017 Ryanair von Karlsruhe/Baden-Baden. Die Flugzeit beträgt in der Regel keine vier Stunden.

    Designer Mauricio Pollacsek
    Designer Mauricio Pollacsek verkauft seine Einzelstücke in einer kleinen Boutique in Florentin - noch ist die Fashionszene in Tel Aviv überschaubar.
    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn

    Einreise und Formalitäten: Deutsche Reisende benötigen kein Visum, aber einen gültigen Reisepass. Bei der Einreise erhalten sie eine Einreisekarte, die bis zur Ausreise aufbewahrt werden muss. Vor dem Rückflug sollte man drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, weil die Sicherheitsüberprüfungen oft zeitintensiv sind.

    Karte Tel Aviv - Jaffa
    Trendmetropole am Mittelmeer: Das jüdisch geprägte Tel Aviv und das eher muslimische Jaffa sind zusammengewachsen und bilden heute die Großstadt Tel Aviv-Jaffa.
    Foto: dpa-infografik

    Übernachtung: Hotels in Tel Aviv sind nicht ganz günstig. Das Doppelzimmer in einem zentralen Drei-Sterne-Haus kostet ab etwa 100 Euro pro Nacht. Mittlerweile gibt es in Tel Aviv in etwa so viele Hotelzimmer wie Airbnb-Privatunterkünfte.

    Geld: Ein Euro sind rund vier Israelische Schekel (Stand: Januar 2017).

    Informationen: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Auguste-Viktoria-Str 74-76, 14193 Berlin, Tel.: 030/203 99 70, E-Mail: info@goisrael.de.

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    Mehr Überwachungsmöglichkeiten für Behörden in Rheinland-Pfalz

    Die Videoüberwachung soll in Rheinland-Pfalz ausgeweitet werden. Bodycams (Körperkameras) für Polizisten werden eingeführt – ebenso die automatisierte Kennzeichenerfassung.

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