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  • Lehrstelle zweiter Wahl: Viele brechen später ab

    Berlin/Köln (dpa/tmn) - Auch nach dem Start des Ausbildungsjahres sind immer noch Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle. Für sie beginnt jetzt der Endspurt in der Nachvermittlung.

    Zwar hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt trotz der Wirtschaftskrise entspannt. Das macht es aber nicht automatisch einfacher, einen Platz zu finden, der zu einem passt. Jugendlichen wird dabei oft geraten, bei der Lehrstellensuche nicht zu wählerisch zu sein. Sie tun sich aber auch keinen Gefallen, wenn sie eine «Stelle zweiter Wahl» bloß annehmen, um irgendwo unterzukommen.

    «Viele machen eine Ausbildung, um überhaupt eine Ausbildung zu haben, da ist die Leidensfähigkeit sehr groß», erklärte René Rudolf, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftbundes (DGB) in Berlin. Dies führe aber dazu, dass fast jeder Fünfte später seine Ausbildung abbricht. «Die merken dann nach einem Jahr: Das ist nichts, was mir liegt und was ich ein Leben lang machen will.»

    Der Tipp, bei der Berufswahl flexibel zu sein, helfe daher nicht immer. «Man kann von einem Jugendlichen nicht verlangen, dass er jeden Beruf macht», sagte Rudolf. In der Nachvermittlung werde zwar häufig empfohlen, in Branchen zu wechseln, wo Stellen frei sind - etwa in die Gastronomie und Hotellerie. Bewerbern müsse aber klar sein, warum dort der Nachwuchs fehlt: «Da sind die Arbeitsbedingungen so miserabel, dass das niemand freiwillig machen will.»

    Derzeit müssen Bewerber theoretisch zwar weniger Angst haben, gar nicht unterzukommen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom 13. Oktober sind die Perspektiven für die Nachvermittlung gut: 9600 Bewerbern ohne Lehrstelle stehen 17 300 unbesetzte Plätze gegenüber. Dass bei dem Angebot für alle etwas Passendes dabei ist, bezweifelt Rudolf aber. «Die stellen sich hin und sagen: Was wollt ihr? Wir haben hier doch noch freie Metzgerstellen. Dass nicht jeder Metzger werden möchte, liegt aber auf der Hand.»

    Denn eine solche Arbeit sei nicht für jeden etwas, erläutert Claudia Zimmermann von der Arbeitsagentur in Köln: «Manche übergeben sich ja schon, wenn sie rohe Leber schneiden müssen.» Wichtig sei daher, dass Bewerber vorher klären, ob es ihnen etwas ausmacht, wenn sie zum Beispiel Tierhälften zerlegen sollen. Das lasse sich meist erst in der Praxis herausfinden - etwa während einer Probewoche.

    Auf der anderen Seite ist der Fleischerberuf ein gutes Beispiel dafür, dass viele Jugendliche falsche Vorstellungen von Lehrberufen haben und sich dadurch Chancen verbauen. «Viele denken: Das ist blutig und eklig, da muss man Tiere töten und stinkt hinterher», schildert Jochen Merz vom Juniorenverband des Deutschen Fleischerhandwerks in Frankfurt/Main die gängigen Vorurteile. Dabei habe sich der Beruf stark gewandelt: «Viele Metzgereien schlachten gar nicht mehr selbst. Und schon wegen der Hygienevorschriften ist das eine sehr saubere Arbeit.» Auch biete der Job kreativen Spielraum - etwa beim Anrichten von kalten Buffetplatten oder Herstellen von Feinkost.

    Der Beruf biete sich daher auch als Alternative für Bewerber an, die gerne mit Lebensmitteln umgehen oder in der Küche stehen, ergänzt Zimmermann. Wer etwa keine Lehrstelle als Koch gefunden hat, finde womöglich im Fleischerberuf etwas Ähnliches. Das gelte weniger für Bewerber, die eigentlich Verkäufer werden wollten: «Die wollen meist mit Menschen zu tun haben und beraten - das ist beim Fleischer nicht der Fall.»

    Kompromissbereit müssen Jugendliche im Endspurt der Lehrstellensuche schon sein. Auf die Traumstelle zu warten, ist laut René Rudolf vom DGB auch keine Lösung. Zur Not sei es besser, zweigleisig zu fahren: «Wir empfehlen, im Zweifel erstmal eine Stelle anzunehmen und parallel nach etwas Besserem zu suchen.» Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass Schulabgänger am Ende ganz ohne Ausbildung dastehen und es dann auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Für diese Taktik muss die erste Stelle aber zumindest als Zwischenlösung infrage kommen. Bewerber müssten daher ihre Grenzen kennen und für sich entscheiden, wann sie lieber Nein sagen, statt sich für eine «Stelle zweiter Wahl» zu entscheiden.

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