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    LondonLegende im Untergrund: Londoner U-Bahn wird 150 Jahre

    Sie hassen und sie lieben sich - die Londoner und ihre «Tube». Am 10. Januar vor 150 Jahren fuhr vom Bahnhof Paddington nach Farringdon die erste U-Bahn der Welt. Heute hat London mit mehr als 400 Kilometern das zweitgrößte U-Bahn-Streckennetz.

    U-Bahn-Eingang vor dem Big Ben
    Ohne sie wäre London heute nicht das, was es ist: Die «Tube» feiert ihren 150. Geburtstag.
    Foto: Andy Rain - DPA

    «Mind the gap!» - Man möge doch bitteschön die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante beachten. An den 270 Stationen der Londoner U-Bahn gibt es diesen Satz jeden Tag zehntausende Male zu hören. Für viele der jedes Jahr Millionen Touristen, die sich die «Tube» als eine Art Anti-Attraktion antun, ist das ein Stückchen britische Folklore. In Wahrheit passieren jedes Jahr um die 80 Unfälle, bei denen Passagiere mit dem Fuß in die Lücke geraten - und meist schwer verletzt werden.

    Das «Tube»-Netz ist 402 Kilometer lang
    Das Londoner U-Bahnnetz ist insgesamt 402 Kilometer lang und besteht aus 11 Linien. 270 Stationen liegen entlang der Strecke.
    Foto: Andy Rain - DPA

    London Underground ist längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Komfort - der ratternden, stöhnenden, häufig verspäteten «Tube» merkt man an allen Ecken und Enden ihr hohes Alter an. Die Auf- und Abgänge sind viel zu eng, die Bahnsteige zu schmal. Nur wenige Stationen sind mit Sicherheitstüren ausgerüstet, um den Sturz auf die Bahngleise zu verhindern. Bis 2006 gab es noch Rolltreppen aus Holz. Die Regierung hat bis 2036 die gigantische Summe von 16 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt, um die «Tube» - benannt nach der runden «Röhren»-Form ihrer Schächte und Züge - auf Vordermann zu bringen. Mehr als sechs Milliarden sind bereits verbaut.

    Züge der «Tube» in London
    Zu den Hauptverkehrszeiten sind mehr als 525 Züge auf den Schienen. Jeder U-Bahn-Zug legt jährlich mehr als 184 000 Kilometer zurück.
    Foto: Matthew Fearn - DPA

    Das heißt aber nicht, dass sie nicht immer wieder auch zu Überraschungen gut ist. Ausgerechnet bei den Olympischen Spielen im Sommer 2012 zeigte die «Tube» im hohen Alter von 149 Jahren noch einmal, was sie kann. «Während der Olympischen Spiele und der Paralympics gab es das niedrigste Niveau an Ausfällen und Störungen», verkündete Transport for London, die Londoner Nahverkehrsgesellschaft voller Stolz.

    Dabei musste die U-Bahn gerade zu dieser Zeit auf ihren elf Linien Höchstleistungen bringen. Mehr als vier Millionen Fahrten wurden am Spitzentag gezählt - normalerweise sind es an einem verkehrsreichen Werktag rund 3,3 Millionen. Deutlich mehr als eine Milliarde Fahrgäste transportiert die Tube jährlich durch das verschlungene Netz des Londoner Untergrunds - rund die Hälfte der 402 Kilometer U-Bahn-Schienen liegen allerdings oberhalb der Erdoberfläche.

    An solch olympische Höchstleistungen war vor 150 Jahren noch nicht zu denken. Züge unter der Erde? Noch kurz vor der Eröffnung urteilte die Zeitung «The Times», die ganze Idee sei «eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes». Die Stimmung schwankte zwischen Skepsis und Technikbegeisterung. Schnell aber siegte die Praktikabilität über ideologische Fragen. Schon im ersten Jahr nutzen 11,8 Millionen Passagiere die «Metropolitan Line», die Pionierlinie im Londoner Untergrund. London selber hatte damals gerade mal rund 3,2 Millionen Einwohner.

    Zwar saßen in der Bahn Bürger fast aller Schichten zusammen - besonders aber bei Arbeitern war sie beliebt. Denn sie eröffnete die Möglichkeit, enge, heruntergekommene Behausungen in Londons überbevölkertem Zentrum zu verlassen und stattdessen in größere Wohnungen und Häuser mit Gärten in den Vorstädten zu ziehen. Londons Pendler-Strom wuchs; wo vorher kleine Dörfer standen, breitete sich die Stadt rasant aus. Dieses Muster hielt Jahrzehnte an: Als 1926 die «Northern Line» bis zum damaligen Dörfchen Morden ausgebaut wurde, lebten dort 1000 Menschen. Fünf Jahre später waren es 12 600. Ohne die «Tube» sähe London heute ganz anders aus.

    In den ersten Jahrzehnten war die mehr oder weniger geordnete Linienführung, die heute jeder Tourist auf der «Tube-Map» bewundert, jedoch noch weit entfernt. Nach der «Metropolitan Line» eröffneten Schritt für Schritt weitere private Betreiber einzelne Linien. Dabei entstand ein ziemliches Chaos, das unter anderem dazu führte, dass es heute rund 40 ungenutzte Stationen gibt. Erst später wurden Verbindungsstrecken gebaut, eine gemeinsame Vermarktung als «London Underground» begann 1908.

    Die allerersten Linien führten zudem noch nicht so weit in die Tiefe. Gebaut wurde nach einem Verfahren, bei dem ein Graben ausgehoben und dann wieder überbaut wurde. Gefolgt wurde oft dem Straßenverlauf. Hunderte Menschen wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, unter der Erde Tunnel zu graben - und öffnete damit ungeahnte Möglichkeiten zur Erweiterung des Netzes.

    Im Zweiten Weltkrieg rettete die Tiefe der Tunnel Zigtausende Menschenleben. Londons Bevölkerung nutzte die U-Bahn als Bunker und versteckte sich dort vor den Bomben der Nazis. Die Schächte waren aber auch Verstecke für Kunstschätze. Das Militär richtete hier Kontrollzentren etwa für die Luftabwehr ein.

    Doch die tiefen Tunnel bargen auch Gefahren. 1987 kamen bei einem Feuer in der Station King's Cross 31 Menschen ums Leben. Daraufhin wurden die Brandvorschriften verschärft und zahlreiche neue Sicherheitsregeln eingeführt. Unter anderem wurde das Rauchen in den Stationen verboten. Am 7. Juli 2005 erlebte London die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte: In drei U-Bahnzügen und einem Bus gingen Bomben hoch, 52 Menschen wurden getötet.

    Heute ist Londons U-Bahn-Netz nach Shanghai das zweitlängste der Welt, und wächst weiter. Derzeit wird eine neue Ost-West-Verbindung gebaut, Crossrail genannt. Sie soll neuer, größer, komfortabler und besser werden. Die Eröffnung ist für 2018 geplant.

    Geschichte U-Bahn (engl.)

    Übersicht der Events zum 150. Geburtstag (engl.)

    U-Bahn-Karte von London (pdf-Datei)

    Infos zu Crossrail (engl.)

    Highlights zum Besichtigen

    Für eine Besichtigungstour der «Tube» bietet sich ein Besuch von fünf Stationen an, die laut Visit Britain alle anderen in einem Punkt übertreffen:

    Alt: Die älteste U-Bahn-Station der Stadt ist Paddington im westlichen Zentrum Londons. 1863 fuhren dort zum ersten Mal Untergrund-Züge.

    Kurz: Für die Fahrt von Covent Garden nach Leicester Square mitten im Zentrum Londons lohnt es kaum, in der Bahn einen Platz zu suchen. Die beiden U-Bahn-Stationen liegen nur 260 Meter auseinander. Damit sind sie die Stationen mit der kürzesten Distanz zueinander. Eine Fahrt mit der U-Bahn dauert länger als ein oberirdischer Spaziergang zwischen den Bahnhöfen.

    Lang: Die Station mit der längsten Rolltreppe ist Angel im nordöstlichen Zentrum. Die Treppe ist 60 Meter lang. Das entspricht laut Visit Britain einer Höhe von 27,5 Metern.

    Voll: Nichts für Menschen mit Platzangst ist die Station Oxford Circus. Sie ist die verkehrsreichste Station in der Stadt. Jedes Jahr steigen dort fast 74 Millionen Menschen um.

    Tief: Die Station Hampstead nördlich von Paddington liegt an einem steilen Hügel. Die Bahnsteige sind deshalb 58,5 Meter unter der Erde - und damit tiefer als überall sonst in der Stadt. Die Schächte für die Aufzüge sind 55 Meter lang. Damit die Reise in die Tiefe nicht zu lange dauert, sind Hochgeschwindigkeitslifte im Einsatz. Fallen diese aus, gibt es immer noch eine spiralförmige Notfalltreppe - mit 320 Stufen.

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