40.000
  • Startseite
  • » Lage in Venezuela eskaliert: Drei Tote
  • Lage in Venezuela eskaliert: Drei Tote

    Quo vadis Venezuela? Präsident Nicolás Maduro fürchtet um seine sozialistische „Revolution“. Er lässt 500 000 Mitglieder der Milizen bewaffnen, es gibt Tote - die Angst vor einem Bürgerkrieg wächst.

    Tränengaswolken
    Über der Route der Demonstranten lagen in Caracas Tränengaswolken.
    Foto: Ariana Cubillos - dpa

    Caracas (dpa). Der blutige Machtkampf im Land mit den größten Ölreserven eskaliert: Bei Massendemonstrationen gegen eine drohende Diktatur sind in Venezuela mindestens drei Menschen getötet worden.

    Maduro-Anhänger
    Zehntausende Anhänger von Maduro feierten in roten Hemden im Zentrum der Stadt unbehelligt den vierten Jahrestag seiner Präsidentschaft.
    Foto: Anebert Rivera - dpa

    Es gab nach Angaben der Behörden über 400 Festnahmen. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro rief seine Anhänger zur „Verteidigung des Vaterlandes“ auf und bezichtigte die Opposition, zusammen mit den USA eine Verschwörung anzetteln zu wollen. Gerade in den Armenvierteln ist der Rückhalt für die Regierung weiterhin hoch.

    Miliz
    Mitglieder der bolivarianischen Miliz in Caracas.
    Foto: Ariana Cubillos - dpa

    Das Militär wurde in Alarmbereitschaft versetzt, 500 000 Milizen sollen mit Gewehren ausgerüstet werden. Zudem wurde der sogenannte Plan Zamora aktiviert, der den Sicherheitskräften Sondervollmachten bei der Bekämpfung „feindlicher Kräfte“ verleiht.

    Demonstrantin
    Eine Demonstrantin springt über eine Mauer.
    Foto: Manaure Quintero - dpa

    Seit Tagen gehen Hunderttausende Menschen auf die Straße, Auslöser der Proteste war die zwischenzeitliche Entmachtung des von der Opposition dominierten Parlaments - statt auf Dialog setzt die Regierung auf Konfrontation.

    Venezuela Proteste
    Venezuela ist trotz der großen Ölvorkommen in seine bisher schlimmste Versorgungskrise geschlittert.
    Foto: Fernando Llano - dpa

    Seit 1999 wird das Land von den Sozialisten regiert und ist trotz der großen Ölvorkommen in seine schlimmste Versorgungskrise geschlittert. Die Inflation beträgt mehr als 700 Prozent und ist die höchste der Welt. Schlangen und leere Supermarktregale prägen überall das Bild.

    Tränengas
    Bis zu sechs Millionen Menschen sollen am Mittwoch in Venezuela demonstriert haben.
    Foto: Manaure Quintero - dpa

    Ein 17-jähriger Wirtschaftsstudent wurde in der Hauptstadt Caracas von einem Schuss in den Kopf getroffen und starb im Krankenhaus. In San Cristóbal kam eine 23-jährige Frau durch einen Kopfschuss ums Leben. Die Opposition machte Milizen der Sozialisten für die Taten verantwortlich. Darüber hinaus wurde ein Mitglied der Nationalgarde erschossen, die Regierung gab militanten Demonstranten die Schuld.

    Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Präsident Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise verantwortlich. Maduro bezeichnete die Demonstranten als „Terroristen“ und sprach von einer „Konspiration“. Er beschuldigt die Opposition, zusammen mit ausländischen Mächten eine Intervention zum Sturz der Regierung vorzubereiten.

    Seit Ausbruch der Proteste Anfang April starben neun Menschen, immer wieder liegen Tränengaswolken über Caracas. „Wenn heute Millionen auf die Straßen gegangen sind, müssen morgen noch mehr rausgehen“, kündigte Oppositionsführer Henrique Capriles weitere Massenproteste an. Er hatte 2013 knapp gegen Maduro verloren und war zuletzt von der Regierung für 15 Jahre von einer Kandidatur bei Wahlen ausgeschlossen worden - der Gouverneur des Bundesstaats Miranda will das nicht akzeptieren. Am Donnerstag wurden kurzfristig 20 Metrostationen in Caracas geschlossen, um die Anreise zu Demonstrationen zu erschweren.

    Im Parlament hat das Bündnis „Mesa de la Unidad Democrática“ aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien eine deutliche Mehrheit, ist aber de facto politisch wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte Oberste Gerichtshof hob immer wieder Entscheidungen auf - und Maduro versucht, mit Dekreten am Parlament vorbei zu regieren. Zudem gilt seit Monaten ein Ausnahmezustand.

    Laut einer Einschätzung des oppositionsnahen Instituts Meganalisis sollen zuletzt mehrere Millionen Menschen demonstriert haben. Amtliche Zahlen wurden hierzu nicht veröffentlicht. Zudem haben Zehntausende Menschen das fast bankrotte Land verlassen, sie flüchteten vor allem ins benachbarte Brasilien.

    Die Polizei setzt in Caracas seit Tagen massiv Tränengas ein, um Oppositionsanhänger auseinanderzutreiben, während Anhänger von Maduro in roten Hemden unbehelligt für die Verteidigung des von Hugo Chávez begründeten „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ demonstrieren können. US-Außenminister Rex Tillerson warnte vor einer Eskalation: „Wir sind besorgt, dass die Regierung Maduro die eigene Verfassung verletzt und der Opposition nicht erlaubt, dass ihre Stimmen gehört werden.“

    Aufruf zur Demonstration

    Venezuela ist gesegnet mit Rohstoffen und zählte einst zu den reichsten Ländern Südamerikas. Trotz enormer Ölreserven steckt das von Sozialisten regierte Land in einer dramatischen Krise:

    - Einwohner: 31,1 Millionen

    - Landfläche: 916 445 qkm, etwa 2,5 Mal die Größe Deutschlands

    - Hauptstadt: Caracas

    - Staatsoberhaupt und Regierungschef: Präsident Nicolás Maduro

    - Sprachen: spanisch, indigene Sprachen

    - Religion: Katholiken 96 Prozent, Protestanten 2 Prozent

    - Wirtschaftsleistung: minus 18 Prozent (2016)

    - Inflationsrate (geschätzt): 720 Prozent (2017), 2000 Prozent (2018)

    - Erdölreserven: fast 300 Milliarden Barrel, weltweit größter Vorrat

    - Haupteinnahmequelle: Erdöl (über 90 Prozent der Staatseinnahmen)

    - Benzin: Für einen Euro (Schwarzmarktkurs) gibt es rund 800 Liter

    - Wichtigster Konzern: Das komplett staatliche Ölunternehmen PDVSA

    - Morde: über 28 000 (2016)

    Artikel drucken
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    UMFRAGE
    Hat sich Rock am Ring für Mendig gelohnt?

    Rock am Ring in Mendig auszurichten hat die öffentliche Hand viel Geld gekostet. War es das für Stadt und Region wert?

    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    16°C - 25°C
    Montag

    14°C - 19°C
    Dienstag

    14°C - 20°C
    Mittwoch

    14°C - 21°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!