40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Zwischen Wahn und Wirklichkeit
  • Kritik: Zwischen Wahn und Wirklichkeit

    Verschwörungstheorien haben Konjunktur, wenn die Realität misslich und kompliziert ist, wenn lieb gewordene Erklärungen nicht mehr greifen - wenn also die Menschen sich nach einfachen Lösungen sehnen, die alles Widrige und Unerklärliche hinwegfegen.

    Denkspiele dieser Art haben etwas Betörendes: Sie sind kompliziert und simpel zugleich, sie klären auf und verschleiern. Und sie sind wundervolle Vorlagen für Politthriller.

    Zum Beispiel «Der Manchurian Kandidat» von Jonathan Demme, bei dem - das Timing soll rein zufällig sein - es um die Abgründe einer Präsidentenwahl geht, samt übler Manipulation und sinistren Großkonzernen, die bei allem die Strippen ziehen. Am 11. November, neun Tage nach den US-Wahlen, kommt der Streifen in die deutschen Kinos. Mit Denzel Washington und Meryl Streep ist der Kinogenuss garantiert - nur politisch allzu ernst nehmen sollte man die Sache vielleicht trotzdem nicht.

    Es geht um einen braven Soldaten (Liev Schreiber), der umjubelt und hoch dekoriert als Held aus dem Golfkrieg 1991 zurückkehrt und nun zum Vizepräsidenten der USA aufgebaut werden soll. Treibende Kraft dabei ist seine Mutter (Meryl Streep), selbst Senatorin und von skrupellosem Ehrgeiz und Machthunger besessen. Doch da ist noch sein ehemaliger Vorgesetzer im Golfkrieg Ben Marco (Denzel Washington), den das Schicksal weniger gut behandelt hat, der an Alpräumen und bösen Ahnungen leidet - und dem langsam dämmert, dass in den Nebeln des Krieges irgendetwas ganz anders verlaufen ist.

    Als Ben Marco dann einen eingepflanzten Mikrochip unter seiner Haut entdeckt, kommt er auf die richtige Spur: Mehrere Soldaten seiner Einheit sind im Krieg durch Gehirnoperationen zu willigen Marionetten eines Pharma-Großkonzerns geworden, und der wichtigste darunter ist der künftige US-Vizepräsident. «In bester Thriller Manier wirft Regisseur Demme seine Handlungsfäden aus, lässt souverän seinen verzweifelten Helden zwischen Wahn und Wirklichkeit stolpern», schwärmen Kritiker.

    Der neue Film von Regisseur Demme («Das Schweigen der Lämmer») ist ein Remake von John Frankenheimers Klassiker aus dem Jahre 1962. Damals spielte Frank Sinatra die Hauptrolle, es tobte der Kalte Krieg, und das Böse, das die Welt vergiftete, waren damals nicht machthungrige Industriekonzerne, sondern die Kommunisten. Auch damals blühte die Verschwörungstheorie, die so sympathisch vereinfacht und so wunderbare Thriller beschert.

    Kritiker des heutigen «Manchurian Kandidaten» sprechen mit Blick auf die Industrielobby in der Regierung George Bushs denn auch häufig von «erschreckender Aktualität» des Streifens. «Ich hoffe mal, dass unsere Politiker nicht ganz so manipuliert sind, wie in "Manchurian Candidate", zumindest nicht so offensichtlich», meinte sogar Denzel Washington.

    Doch viel wichtiger für den Zuschauergenuss: Denzel Washington spielt wieder einmal überzeugend den zerknirschten Offizier, der das Böse zuerst gar nicht glauben kann. Fast noch besser ist Meryl Streep, die ehrgeizige Mutter, die den Sohn verführerisch lächelnd in die Höhen der Macht und doch hinters Licht führt - und dann ist da noch die frappierende Ähnlichkeit mit Hillary Clinton. Reiner Zufall? Für den 130 Minuten dauernden Film kommt Ben Marco seinem Mikrochip allerdings etwas zu früh auf die Spur.

    dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    -1°C - 8°C
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -4°C - 3°C
    Montag

    -4°C - 3°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!