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  • Kritik: Zwischen HorrorFilm und PubertätsParabel

    Harry Potter ist in die Pubertät gekommen und spielt abends unter der Bettdecke heimlich mit seinem Zauberstab. So beginnt der neue Film der Erfolgsserie. Ein Kinderfilm ist es nicht mehr.

    Die Helden sind keine Kinder mehr, die Monster gehören definitiv nicht mehr ins Kinderprogramm, und der neue mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón (42) hat noch nie einen Kinderfilm gemacht, wohl aber den erotischen Teenager-Streifen «Lust for Life». Alles nur Vorteile: «Harry Potter und der Gefangene von Askaban» schlägt seine Vorgänger um Längen.

    Wie das Buch von Joanne K. Rowling ist auch der Film wesentlich dunkler, komplizierter und vielschichtiger als die beiden ersten Abenteuer. Obwohl Cuarón mit der Buchvorlage freier umgeht als sein Vorgänger Chris Columbus («Kevin allein zu Haus»), trifft er die Atmosphäre der Geschichten besser. Da dampft kein Hogwarts-Express mehr durch blühende Landschaften: Es gießt, stürmt und schneit von Anfang bis Ende. Eingemottet sind die braven Schuluniformen - stattdessen sind Harry, Ron und Hermine jetzt meist in T-Shirt, Jeans und Trainingsjacke gekleidet.

    Von der Streberin zur Powerfrau

    Die einst so Disney-haft hellen Stimmchen klingen jetzt tief. Streberin Hermine entwickelt sich zur Powerfrau, Harry gibt den angry young man, der bei seinen verhassten Pflegeeltern auszieht und mit der Ermordung seines Patenonkels droht. Bald wird er noch viel schlimmer werden - Potter-Leser wissen mehr. «Der wahre Grund, warum dieser Film die beiden anderen in den Schatten stellt, ist, dass er von etwas viel Schrecklicherem handelt als einer Begegnung mit Lord Voldemort», schreibt das US-Magazin Newsweek: «Er handelt davon, 13 zu sein.»

    Schon auf dem Weg zur Zauberschule begegnen Harry die grauenhaften Dementoren, die Gespenster-Wächter des Gefängnisses von Askaban. Bei der ersten Konfrontation mit ihnen wird er - zu seiner Schande - gleich ohnmächtig. Erst später lernt er, sie als seine eigenen Ängste zu erkennen, denen er sich stellen muss. Des weiteren verfolgen ihn diesmal ein entflohener Mörder - verkörpert von Dracula-Darsteller Gary Oldman - und ein abstoßend unbehaarter Werwolf, der Jack Nicholson auf den Friedhof der Kuscheltiere verweist.

    Dass dieser Film sogar für kleine Kinder geeignet sein soll, ist unbegreiflich für Angehörige einer Generation, deren Eltern 1973 an der Kinokasse noch schwindeln mussten, weil Gert Fröbe mit seiner gruseligen Pappmaschee-Nase als «Räuber Hotzenplotz» erst ab 6 freigegeben war.

    Erst lesen, dann verstehen

    Die Jungdarsteller Daniel Radcliffe (Harry), Emma Watson (Hermine) und Rupert Grint (Ron) wachsen langsam mit ihrer Aufgabe. Sir Michael Gambon verkörpert Schuldirektor Dumbledore lebendiger als sein Vorgänger Richard Harris. In den Nebenrollen tun sich diesmal neben der üblichen Besetzung Emma Thompson als esoterische Professorin Trelawney und David Thewlis als hilfreicher, aber mit einem dunklen Geheimnis behafteter Professor Lupin hervor. Eine vielleicht zwangsläufige Schwäche des Films ist, dass die verwickelte Handlung nur versteht, wer das Buch kennt.

    Die Reihe ist noch lange nicht am Ende. Der vierte Film - diesmal unter der Regie des Briten Mike Newell («Vier Hochzeiten und ein Todesfall») - wird schon gedreht.

    dpa

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