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  • Kritik: Zwei Frauen auf Horrortrip mit harten Sexeinlagen

    Wer weiß schon in hier zu Lande, was es mit der französischen Aufforderung "Baise-moi" auf sich hat? Doch wer es weiß, will es nur hinter vorgehaltener Hand übersetzen. Denn es handelt sich schließlich um die unverblümte Aufforderung zu einer Tätigkeit, der trotz aller Tabubrüche in der Regel noch immer hinter geschlossenen Türen nachgegangen wird.

    In dem französischen Film mit dem Titel "Baise-moi" allerdings ist die Tür für die Zuschauer im Parkett weit geöffnet worden. So sehen wir ab dem 16. November nun auch diesseits des Rheins, wie zwei junge Frauen ihre Blutspur durch Frankreichs Provinz ziehen.

    Zwischendurch treiben sie intensiv das, was die deutsche Übersetzung des Filmtitels in skandalträchtiger Klarheit verheißt: "Fick mich". In dem nur 77 Minuten langen Spielfilm der beiden Regisseurinnen Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi sind pornografische Szenen enthalten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Allerdings, und das verwundert schon in einem so genannten Frauenfilm, sind diese in keiner Weise von jener Ware unterscheidbar, die bei der Videothek um die Ecke in der Abteilung für die Kundschaft über 18 Jahren in allen Variationen bereit liegt.

    Die Geschichte auf der Leinwand ist ziemlich schlicht: Sowohl Manu wie auch Nadine haben schon ein Leben auf dem Gewissen, als sie sich treffen und ein mörderisches Duo werden, das ohne Bedenken Menschen tötet, um an Geld zu kommen oder einer bedrohlichen Situation zu entrinnen. Beide haben früher Sex gegen Bezahlung absolviert, nun leisten sie sich heiße Stunden mit irgendwelchen Kerlen nach Belieben. Die Frauen wissen, dass ihr gemeinsamer Wahnsinnstrip nicht gut enden wird, also "genießen" sie die ihnen verbleibende Galgenfrist mit einem unappetitlichen Gemisch aus Blut- und Sexgier.

    Damit der Zuschauer dem schockierenden Verhalten der Hauptfiguren zumindest etwas Verständnis entgegenbringen kann, wird ziemlich am Anfang eine realistisch brutale Vergewaltigungsszene gezeigt, in der die von der zierlichen Karen Bach gespielte Nadine das Opfer von drei Männern wird. Aber Nadine und die groß gewachsene Manu, die von Raffaela Anderson recht eindrucksvoll verkörpert wird, rächen sich nicht an den Tätern, sondern an völlig Unschuldigen. Höhepunkt des Amoklaufs der Frauen ist ihr Eindringen in einen Swinger-Club. Dort richten sie ein Massaker an, das an Grausamkeit und Sadismus schwerlich zu überbieten ist.

    Was immer die Filmemacherinnen uns damit versinnbildlichen wollen - eventuell ja tiefer Ekel an allzu großer sexueller Libertinage: Sie gebrauchen dazu Mittel, die lediglich Sensationsgier und Voyeurismus bedienen, aber intellektuell und emotional armselig sind. Dass "Baise-moi" von der Zensur in Frankreich aus den Kinos verbannt wurde, ist nicht ganz unverständlich, doch übertrieben. Viele Hollywood-Filme sind nicht weniger brutal, nur halt nicht so mit nackter Pornografie gespickt.

    Was vielmehr gegen den Film spricht, ist seine mangelnde psychologische Glaubwürdigkeit und seine erstaunliche Konventionalität in der Darstellung weiblicher sexueller Lust. Die beiden Hauptdarstellerinnen kommen aus dem Milieu des Porno-Films und absolvieren ihre Arbeit an diversen männlichen Geschlechtsteil sichtlich routiniert. Um das zu sehen, hätte es nicht bombastischer feministischer Ideologisierungen bedurft, wie sie in der Zensurdebatte im Nachbarland laut wurden. Wahrscheinlich aber werden die Frauen den Männern auch in solchen Dingen immer ähnlicher - eigentlich sehr schade.

    Wolfgang Hübner, AP

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