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  • Kritik: Zum Ziel der Träume

    "Ich habe diesen Film gemacht, weil es in Europa eine wachsende Feindseligkeit gegenüber Immigranten gibt", sagte der britische Regisseur Michael Winterbottom im Februar auf der Berlinale bei der Festival-Premiere seines neuen Films "In this World".

    Der Begriff Migrant sei nicht nur in seinem Land ein Schimpfwort geworden, kritisierte Winterbottom. Bereits 1997 hatte er mit seinem Film "Welcome to Sarajevo" den untrennbaren Zusammenhang zwischen Krieg und Flüchtlingselend porträtiert.

    "In this World" skizziert - halb dokumentarisch, halb inszeniert -, wie sich zwei junge Afghanen auf ihren illegalen und beschwerlichen Weg aus einem nordpakistanischen Flüchtlingslager in Richtung England machen. Von Menschenschmugglern von Land zu Land weitergereicht, erweist sich ihr Weg als lebensgefährliche Odyssee.

    Eine Flut intensiver Sinneseindrücke

    Mit seinem Team recherchierte Winterbottom zunächst in London und später in Pakistan einzelne Flüchtlingsgeschichten, um sie exemplarisch als Leidensgeschichte für das Los Tausender anderer Flüchtlinge zu verfilmen. Seinen hohen Anspruch setzt Winterbottom ebenso handwerklich geschickt wie nüchtern um, transportiert eine Flut intensiver Sinneseindrücke, die eine Vorstellung vom physischen Leid auf dem Flüchtlingsweg gen Westen geben.

    Der Film steigert während der Reise sein Erzähltempo immer weiter. Ist es anfangs nur der unaufhörliche Wüstenstaub, der dem 16-jährigen Jamal (Jamal Udin Torabi) und seinem älteren Cousins Enayat (Enayatullah) über Tausende Kilometer auf der offenen Lkw-Pritsche entgegenweht, wird die Fahrt allmählich dramatischer. Das Tempo der Odyssee spiegelt sich in den raschen Kameraschnitten wider, dokumentiert das endlose Herumgereichtwerden von einer Schleuserhand in die andere. Die Strapazen nehmen zu, versinnbildlicht in körnig-verschwommenen Bildern, bis zu den schemenhaften Nachtsichtgerät-Eindrücken während des nächtlichen Hochgebirgsmarsches, dem Schleichweg vom Iran in die Türkei.

    Besonders bedrückend: 40-stündiges Dunkel im Container

    Besonders bedrückend gerät das anschließende 40-stündige Dunkel des Containers im Bauch der Fähre ins italienische Triest und das ohrenbetäubende Dröhnen während der versteckten Fahrt auf der Sattelschlepperachse im Ärmelkanaltunnel. Bis zum Schluss zwischen Abenteuer und Tortur pendelnd, erreichen die Flüchtlinge schließlich die europäische Welt, in der sie doch nicht ankommen. Dort bleiben nur flüchtige Berührungspunkte: Wenn Jamal in der Hafenbar von Triest bunte Bändchen an die Gäste verkaufen will, einer Frau die Handtasche klaut, um das Geld für den Zug nach Nordfrankreich zu bekommen und schließlich als Tellerwäscher in einem Restaurant in London landet.

    Goldenen Bär für Glanzlicht ohne Glamour

    Auf der Berlinale setzte "In this World" ein Glanzlicht ohne Glamour - und bekam dafür den Goldenen Bären. Trotz des eindeutig politischen Motivs ist "In this World" aber auch ein aufmerksam beobachtendes "Roadmovie", wie Winterbottom es nennt, und eine Annäherung im mehrfachen Sinne: die Reise aus einer vollkommen fremden Welt in unsere vertraute Umgebung, das Erreichen eines anfangs fernen Fluchtzieles und schließlich das allmähliche Kennenlernen zweier fremder Menschen, die in ihrer Heimat Afghanistan keine Zukunft mehr für sich sehen.

    Peter Leveringhaus, ddp

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