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  • Kritik: Zu schön, um wahr zu sein

    Im schönsten Silber glänzt die hohe See; die jungen Männer, die da auf dem Schulschiff "Albatross" für ein Jahr zu wahren Erwachsenen erzogen werden sollen, tauchen ausschließlich bei Gegenlicht in das bewegte Meer; und wenn die zwölf Schüler der Ocean Academy in der Takelage herumklettern oder das Deck schrubben, strahlen die entblößten, von Salzwasser und Schweiß befeuchteten Oberkörper in der hellen Sonne.

    Ridley Scott, der ehemalige Werbefilmer, weiß natürlich, wie man seine Figuren und Schauplätze ins rechte, attraktive Licht setzt. Das war schon in seinem Columbus-Drama "1492" so, als die Mannen um G�rard Depardieu wie in einer bekannten Bierreklame mit gestählten Körpern wissensdurstig und abenteuerlustig das tiefblaue Meer durchkämmten. "Sail away" möchte man auch den Jungs in Scotts neuem Film "White Squall" zurufen, wenn diese sich auf der Fahrt durch Karibik und Südpazifik im Schweiße der täglichen harten Arbeit zu einer wahren Männergemeinschaft zusammenfinden sollen.

    Sehr sauber und schön sieht das alles aus. Und das ist auch alles furchtbar gut gemeint, wenn einige Jungs sich zu einer Lerngruppe zusammenschließen, weil sich mit Dean Preston (Eric Michael Cole) gerade der Rüpelhafteste unter ihnen in einem urplötzlichen Anfall menschlicher Schwäche als schülerische Niete zu erkennen gibt. Oder wenn die Jungs bei einem Landausflug Geld zusammenlegen, damit der von seinem strengen Vater dominierte Frank Beaumont (Jeremy Sisto) sich wenigstens im Bett einer Prostituierten als wahrer Mann zeigen kann.

    Doch mit der Glaubwürdigkeit hapert es in diesem angeblich auf einer wahren Geschichte basierenden Seemannsgarn. Es knarrt und quietscht im Schiffsgebälk. Das hat damit zu tun, daß Jeff Bridges als Skipper Christopher Sheldon mit harter Schale und weichem Kern (welch Überraschung!) viel zuviel Distanz zu seiner Figur hat, als daß man ihm den äußerlich gnadenlosen Ausbilder abnehmen könnte. Offenes Hemd, coole Sonnenbrille, herablassender Blick - das ist zuwenig.

    Hinzu kommt, daß mit der Erzählperspektive des sympathischen Schülers Chuck Gieg (Scott Wolf) als Hauptfigur ein zu idealistisch-verklärter Blick auf die Schulzeit auf dem Schiff geworfen wird. Das wird gegen Ende deutlich, als die Tragik der durch die "White Squall" (die unter Seglern gefürchtete "Weiße Bö") verursachten Katastrophe vor Gericht in einem lächerlich pathetischen Finale aufgeweicht wird.

    Wenn "White Squall" tatsächlich so etwas wie ein "Club der Toten Dichter" auf hoher See werden sollte, hätte es wesentlich weniger Pathos, komplexerer Figuren und einer Geschichte bedurft, die die propagierte Gemeinschaft nicht nur mit großen Emotionen behauptet, sondern auch auf nachvollziehbare Weise zeigt. So sehen wir sehr viel guten Willen, gutgebaute Männer und idyllische Bilder. Zu schön, um wahr zu sein.

    "White Squall" (USA) 1995: 128 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Startet mit 240 Kopien. Regie: Ridley Scott. Drehbuch: Todd Robinson. Kamera: Hugh Johnson. Musik: Jeff Rona. Darsteller: Jeff Bridges, Caroline Goodall, John Savage, Scott Wolf, Balthazar Getty, Jeremy Sisto, Eric Michael Cole.

    Copyright: , 2.5.1996

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