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  • Kritik: Zeitreise zurück zu den Langhaarigen

    Eine humorvolle Hommage

    William, der aufstrebende Schreiber einer Schülerzeitung, macht die Bekanntschaft des legendären Rockautors Lester Bangs, der ihm den Auftrag gibt, ein Porträt über die Band Black Sabbath zu schreiben. Doch das Milchgesicht William wird nach dem Konzert zuerst nicht zur Band vorgelassen. Als aber die Vorgruppe "Stillwater" auftaucht und William den Musikern mit Detailwissen über die Bandmitglieder schmeichelt, gelingt es ihm doch, ins geheiligte Backstage, hinter die Bühne, vorzudringen - zusammen mit einer Hand voll Groupies.

    Er bekommt gleich einen Draht zum Stillwater-Gitarristen Russell, und das Musikmagazin "Rolling Stones" engagiert ihn dazu, eine Titelgeschichte über die Band zu schreiben. William begleitet die Hardrocker auf ihrer Bustournee durch den Südwesten.

    "Almost Famous" wurde in den USA begeistert aufgenommen. Der Film, der am 3. Mai in den deutschen Kinos zu sehen ist, trifft haargenau den Zeitgeist einer bestimmten Musikszene zu Beginn der siebziger Jahre, als Rockkonzerte ohrenbetäubende, verschwitzte, von Rauschgift-Trips und dröhnenden Bässen verstärkte kollektive Rituale waren, in denen eine Jugend sich selbst feierte.

    Obwohl die Forderung nach Sex Drugs Rock'n'Roll auch außerhalb der USA vernommen wurde, sind wegen der Sprachbarriere die rebellischen Texte hier zu Lande vielleicht nicht so stark in die Erinnerung eingebrannt wie im angelsächsischen Sprachraum. Gut deshalb, dass Regisseur Cameron Crowe weitgehend auf nostalgisch angehauchten Überschwang verzichtet, und stattdessen aus dem Nähkästchen plaudert - und wer könnte das besser als dieser ehemalige jüngste Rockkritiker für "Rolling Stone", der den Aufstieg zum Filmemacher geschafft hat?

    Nicht nur Rockautor Lester Bangs und die Journalisten vom "Rolling Stone Magazin" sind wahren Persönlichkeiten nachempfunden; "Stillwater" wirkt so "echt" (ein Schlüsselwort jener Zeit), als habe die Band tatsächlich existiert. Peter Frampton schrieb einige Songs für die virtuellen Hardrocker. Zugleich liebevoll und authentisch schildert Crowe, mittels seines Alter Egos William, eine Band zwischen Wahrhaftigkeit und Kommerzialisierung, die Rivalitäten unter jungen Männern und das Gehabe einer selbstgerechten Gegenkultur, die an ihren Lebenslügen scheitern muss.

    Allein unter Langhaarigen: William, der gut erzogene Junge, rennt mit Mikro und Tonband seinen Helden hinterher, die aber, statt wohlformulierte Sätze zu überlegen, sich lieber mit den Groupies verziehen oder Karten spielen. Wenn er nicht weiterweiß, telefoniert er mit seinem Mentor Lester Bangs, der ihm coole Ratschläge gibt.

    Der Junge wird zum Vertrauten der mitfahrenden Mädels, die sich selbstbewusst "Musen" nennen, welche die Kreativität der Musiker stimulieren - so kann man die Dienste dieser Groupies, die man heute wohl "Backstage-Luder" titulieren würde, sicher auch betrachten.

    Besonders befreundet ist er mit der engelhaften Penny Lane, Russells Gespielin, dargestellt von Goldie Hawns Tochter Kate Hudson. Sie ist wunderbar, schwankend zwischen Illusionen und Abgebrühtheit, voller angelesener esoterischer Weisheiten und doch ungeheuer jung und verletzlich.

    Ebenso originell ist Williams Mutter, verkörpert von Frances McDormand, eine unkonventionelle allein erziehende Professorin, für die Rockmusiker geistige Tiefflieger sind. Sie ist eine Nervensäge - ein Running Gag sind ihre Kontrollanrufe, bei denen sie William vor Drogen warnt -, und zugleich die beste Mutter der Welt.

    "Almoust Famous" ist eine kritische, aber meist humorvolle Hommage an die Irrungen und Wirrungen einer Jugendkultur. Gewiss hat Crowe manche düsteren Aspekte unter den Tisch fallen lassen. Umso besser springt der Funke aus dieser bewegten Zeit über, welche das heute gängige Popgedudel öde und alt wirken lässt.

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