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  • Kritik: Wortmann setzt WMElf ein Denkmal

    Blickt man zurück, erscheint es einem tatsächlich wie ein Märchen: Fast vier Wochen Dauer-Euphorie, Freundlichkeit, Gemeinschaftsgefühl, traumhaftes Wetter.

    Die Fußball- Weltmeisterschaft 2006 war ein unvergessliches, magisches Ereignis. Mit «Deutschland. Ein Sommermärchen» hat der Regisseur Sönke Wortmann der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nun ein Denkmal gesetzt: Witzig, liebevoll und spannend hat er das Team von Jürgen Klinsmann während der WM porträtiert. Der Film ruft die Emotionen und Erinnerungen noch einmal wach, die glücklichen ebenso wie die traurigen Momente.

    Wer sonst, wenn nicht Wortmann sollte so ein Dokument schaffen: Selbst einst Fußballprofi sowie Schöpfer des legendären Fußballfilms «Das Wunder von Bern» war er nun bei der WM 2006 hautnah dabei. Für sein Porträt, dessen Vorbild der Dokumentarfilm «Les Yeux dans les Bleus» über die französische Nationalelf auf ihrem Weg zum WM-Titel 1998 war, folgte Wortmann mit der Kamera den Spielern überall hin, sechs bis acht Stunden täglich: in die Kabine, ins Schlafzimmer, vor die Autogrammjägerinnen, auf die Massagebank.

    Mit seiner Kamera und der von Kameramann Frank Griebe sind dabei insgesamt hundert Stunden Filmmaterial zusammengekommen. Wie ein «Tierfilmer» habe er gearbeitet, beschrieb Wortmann bei einer Voraufführung des Films sein «langsames Anschleichen an diese Spezies» Nationalspieler. Herausgekommen ist ein Filmdokument mit neuen Bilder und skurrilen Details.

    Das Ereignis wird aus der ganz eigenen Perspektive von «Poldi», «Schweini», Lehmann, Ballack, Neuville, des Trainergespanns Jürgen Klinsmann und Joachim Löw und der anderen WM-Helden erlebbar. Den Auftakt macht der dramatische Moment der Niederlage nach dem Halbfinalspiel gegen Italien. Nach dem bedrückenden Rückblick wird das «Sommermärchen» chronologisch vom Trainingslager auf Sardinien über den Einzug ins Schlosshotel im Grunewald, die Spiele und ihre schönsten Tormomente bis hin zur Jubelfeier am Brandenburger Tor erzählt.

    Zu den vielen witzigen Szenen gehören die Ansprachen von Klinsmann vor den Spielen, wenn er enthusiastisch ruft: «geil, absolut geil», oder wenn er seine Jungs auffordert, «brutal zuzuschlagen» und, im Spiel um den dritten Platz, bloß nicht plötzlich «portugiesisch spielen» zu wollen. Witzig wirkt auch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Mannschaft.

    Liebevoll sind die Details, auf die Wortmann die Kamera schwenkt: das hosenlose Maskottchen Leo, wie es einsam am Spielfeldrand vor sich hintanzt, der 71-jährige Masseur Adolf Katzenmeier am Piano oder Klinsmann beim Tischtennisspielen. Spannend sind die Spiele und Tore, der dramaturgische Bogen bis zur bitteren Enttäuschung. Wer damals nicht traurig war, der hat spätestens bei Wortmanns Film einen Kloß im Hals. «Deutschland. Ein Sommermärchen» ist eine schöne Hommage an die Mannschaft. Subtil, lustig, liebevoll und mitreißend, erweckt er den Zauber um die WM für einen Moment noch einmal zum Leben. Von Susanne Schmetkamp, dpa

    dpa

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