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  • Kritik: Woody muss sich entscheiden: Museum oder Leben?

    Seinen ersten Spielfilm "Toy Story" stellte Regisseur John Lasseter 1996 auf den Berliner Filmfestspielen vor. Schon damals wurde er nach einem zweiten Teil gefragt. Lasseter antwortete zurückhaltend, der sei wohl geplant, aber zuvor werde er einen anderen Film mit dem Computer produzieren, womit "Das große Krabbeln" gemeint war.

    Drei Filme aus dem Computer, drei Koproduktionen von Pixar mit den Walt-Disney-Studios, drei enorme Publikumserfolge. Und auch die Kritiker können sich begeistern: "Toy Story 2", ab 3. Februar auch in den deutschen Kinos zu sehen, wurde soeben mit dem "Golden Globe" für die beste Komödie ausgezeichnet. Es scheint, als habe das neue Medium des computeranimierten Films auf Anhieb seinen Walt Disney gefunden. Bei aller Begeisterung für die immer perfekter werdende Technik strahlen Lasseters Filme einen rührenden Charme aus. In erster Linie geht es ihm darum, witzige und sentimentale Geschichten zu erzählen.

    "Toy Story 2" handelt wieder von putzigen Spielzeugfiguren, die quicklebendig werden, wenn ihre Besitzer das Kinderzimmer verlassen: allen voran Woody, der Cowboy, und Captain Buzz Lightyear, der Weltraumheld. Diesmal geht es darum, Woody aus der Hand eines Spielzeughändlers und -sammlers zu befreien, der ihn in sein Apartment im 23. Stock entführt hat. "Für Kinder verboten", steht an der Eingangstür des Hochhauses. Dort lernt Woody das Cowgirl Jessie, den Goldgräber Stinky Pete und das Pferd Bully kennen. Von ihnen erfährt der erstaunte Cowboy, dass er ein bekannter Showstar war zu Zeiten, als das Fernsehen noch schwarzweiß war. "Woody's Roundup" heißt die ganze Gruppe, zu deren Vollständigkeit noch die Hauptfigur fehlte.

    Die Bekanntschaft mit seiner Figurenfamilie bringt Woody in einen Gewissenskonflikt. Soll er bei den neuen Verwandten bleiben und sich mit ihnen in ein japanisches Museum verfrachten lassen? Oder solle er zurück ins Kinderzimmer zu Andy, dessen Namen er auf der Sohle seines Schuhs trägt? Ewige Sterilität in einer Vitrine oder ein kurzes erfülltes Leben mit einem Jungen. "Das ist doch das einzige, was zählt: ein Kind glücklich zu machen", lautet das treffende Argument.

    Eine düstere Zukunft droht dem Spielzeug, denn spätestens in der Pubertät seines Besitzers wird die Freundschaft gekündigt. Der Film zeigt Menschen nicht gerade in vorteilhaftem Licht. Sie sind große Egoisten. Wenn Spielzeug kaputt geht, wird es in die Ecke geworfen. Wenn Kinder älter werden, landen die ehemals geliebten Spielgenossen im Müll oder auf dem Flohmarkt. Ausrangiert zu werden, ist deshalb die große Angst der Toys. Eine Furcht, die sich im Film zum Trauma steigert. "Aber du weißt doch, Spielsachen halten nicht ewig", sagt die Mutter früh im Film, und damit ist der bedrohliche Grundton angeschlagen.

    Trotzdem ist "Toy Story 2" eine amüsante Komödie, in der sich auch zurechtfindet, wer den ersten Teil nicht gesehen hat. Der Film enthält packende Actionszenen. Wenn Woodys Freunde eine Hauptstraße überqueren, ist das gleichzeitig lustig und spannend. Ein rasantes Weltraumabenteuer, in dem Buzz seinem großen Widersacher, dem bösen Zurg, begegnet, eröffnet den Film. Dessen Qualität ist gerade darin zu erkennen, wie er Tradition und Moderne verbindet. Alte und neue Spielsachen gehören zusammen. Und zu den schönsten Momenten zählt, wenn sie sich bim Nahen ihres Besitzers leblos hinlegen. Nach "Toy Story" und "Toy Story 2" sieht man Spielzeugfiguren mit anderen Augen.

    Claus Wecker, AP

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