40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Woody Allen: 27 Filme und kein bißchen müde
  • Kritik: Woody Allen: 27 Filme und kein bißchen müde

    München. "Wer ist populärer - der Papst oder Elvis Presley?" Für Woody Allen ist die Antwort klar. In seinem neuesten Kinowerk "Celebrity" nimmt der Meister der poetischen Satire die Schattenseiten des Ruhms augenzwinkernd unter die Lupe.

    Es ist Allens 27. Film, aber ein ganz besonders schöner - leichtfüßig und bitterböse, heiter und melancholisch zugleich. Am Donnerstag (8. April) kommt der hochkarätig besetzte Streifen bundesweit in die Kinos.

    Die Geschichte klingt einfach und ist doch in bester Woody-Allen-Manier verzwickt. Ein Journalist, der vom Ruhm als Schriftsteller träumt, trennt sich nach 16 Jahren Ehe von seiner Frau. Er versucht, das Leben nachzuholen und verliert über all seinen Amouren und oberflächlichen Beziehungen mit den Schönen und Großen immer mehr die eigene Seele. Seine Frau (Judy Davis) dagegen, zunächst am Boden zerstört, kommt zufällig und fast ohne eigenes Zutun zu einer Popularität, die ihm immer versagt bleiben wird.

    Einmal mehr ist New York die Kulisse für das rasante Psychokarussell. Doch diesmal ist der "Stadtneurotiker" aus seinen jüdischen Künstlerkreisen ins katholisch-italienische Milieu gewechselt. Und auch die angestammte Hauptrolle spielt er nicht selbst: Als Alter ego wurde der irische Shakespeare-Experte Kenneth Branagh engagiert. "Mit 63 kann ich doch keinen 40jährigen mehr spielen", meinte Woody Allen beim dpa-Gespräch in München schmunzelnd. "Der Zug ist abgefahren."

    Um Branagh, einen "Looser-Typen" mit umwerfendem Charme, gruppiert der Regisseur einen schrägen Reigen von Figuren, die auch im echten Leben große Stars sind: Melanie Griffith als laszive Filmdiva, Charlize Theron als neurotisches Supermodel und Winona Ryder als sinnliche Nachwuchsschauspielerin. Leonardo DiCaprio, noch vor seinem Welterfolg mit "Titanic" verpflichtet, gibt einen waschechten Auftritt als koksender, randalierender Jungstar.

    "Das Phänomen des Starkults hat in den USA fast hysterische Ausmaße angenommen", sagte Woody Allen. "Heutzutage wird man in Amerika schon bekannt, nur weil man oralen Sex mit dem Präsidenten hatte." Auf die Clinton-Affäre gibt es im Film deshalb einen herrlich perfiden Seitenhieb. Vor allem aber geht es um die Leere, die der Run auf den Ruhm in den Menschen hinterläßt. Am Schluß schreibt ein Düsenflieger vier große Buchstaben in den Himmel: HELP.

    Zum sechsten Mal hat Woody Allen einen Film ganz in Schwarz-Weiß gedreht. "Früher gab es immer thematische Gründe", sagt er. "Diesmal fand ich es einfach nur schön. Schließlich bin ich mit Schwarz-Weiß- Filmen groß geworden." Und so ist "Celebrity" mit all seinen Einfällen, Anspielungen und Doppelsinnigkeiten auch eine Hommage an Federico Fellinis "La dolce vita".

    Bei den Filmfestspielen in Venedig ist der Streifen im Herbst mit viel Beifall aufgenommen worden. In Amerika zeigt sich das Massenpublikum gegenüber dem vielfachen Oscar-Preisträger erneut verhalten. Woody Allen nimmt seinen eigenen Ruhm eher gelassen: "Das hat auch viele positive Seiten", sagt er. "Im Restaurant krieg' ich den besten Platz, und wenn ich am Wochenende krank bin, kommt sofort der Arzt."

    Nada Weigelt, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    4°C - 8°C
    Dienstag

    5°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!