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  • Kritik: Wolfgang Beckers Tragikomödie "Das Leben ist eine Baustelle"

    Berlin (AP) In der deutschen Filmkomödie ist die Welt gemeinhin noch in Ordnung. Die Protagonisten sind meist beruflich erfolgreich, wohnen in lichtdurchfluteten Luxuswohnungen, fahren schicke Autos und werden lediglich durch mehr oder weniger schwere Beziehungsprobleme aus dem Rhythmus gebracht. Die "kleinen Leute" mit den unspektakulären Lebensläufen dagegen kommen in den Hochglanzproduktionen der letzten Jahre kaum vor. Wolfgang Becker hat sie jetzt für den deutschen Film wiederentdeckt. Mit "Das Leben ist eine Baustelle" bringt der 43jährige Regisseur in dieser Woche eine Alltagsskizze aus dem heutigen Berlin auf die Leinwand.

    Beckers Helden sind eine Handvoll Menschen, die in der Baugrube Leben auf Schatzsuche gehen und dabei immer wieder im Morast steckenbleiben. Jan Nebel (Jürgen Vogel) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs im Schlachthof oder Supermarkt mehr schlecht als recht durch. Bei einer Kreuzberger Straßenschlacht prallt er mit der Musikerin und Lebenskünstlerin Vera (Christiane Paul) zusammen. Da beide nicht so genau wissen, wo es langgeht, beschließen sie, sich fortan gemeinsam durchs Leben zu schlagen.

    Buddy (Ricky Tomlinson) hat die Gegenwart dermaßen satt, daß er durch Auftritte als Buddy "the only" Holly im "Spree-Teddy-Club" regelmäßig in die Vergangenheit flüchtet. Die Griechin Kristina (Christina Papamichou) verirrt sich auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder selbst im Großstadtdschungel.

    Seine Figuren hat Becker mit Problemen von Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und von Aids bis Schwangerschaftsabbruch reichlich ausgestattet und zu einer tragikomischen Charakter-Collage zusammengefügt. Auf eine durchgängig erzählte Geschichte kommt es dem Regisseur nicht an: "Wir haben bewußt auf einen bestimmten Plot verzichtet, uns ging es um das Innenleben der Charaktere."

    Auch bei der Dramaturgie wurde gespart. Statt auf Spannung setzt Becker auf Atmosphäre. Heruntergekommene Hinterhöfe, kopfsteinbepflasterte Straßen und marode Altbauwohnungen dienen als Kulisse. Jogginganzüge, abgetragene Jeans und Küchenschürzen zählen zur Garderobe seiner Figuren. Weitab von den Wohlstandsklischees und dem Romantik-Kitsch der herkömmlichen deutschen Komödie wird Malocher-Milieu pur in Szene gesetzt.

    Regisseur und Drehbuchautor Becker legt Wert darauf, daß die "Baustelle" ein "Weltfilm" ist, der auch an jedem anderen Ort in Deutschland spielen könnte. Daß die Hauptstadt im Umbruch in seinem Film eine Hauptrolle spielt, bestreitet er trotzdem nicht: "Die Berliner bekommen sogar Heimatgefühle, die Münchner empfinden die Bilder dagegen eher als schmuddelig", beschreibt er die Publikumsreaktionen bei den Voraufführungen.

    An rund 50 Orten in Berlin wurde gedreht. Bagger, Kräne und Baugruben fehlen allerdings fast völlig. An den Filmtitel erinnern lediglich ein paar Baugerüste. "Als wir anfingen zu drehen, gab es noch gar nicht so viele Baustellen in Berlin. Außerdem sollte sich der Titel ohnehin eher auf die Figuren beziehen", erkärt Becker.

    "Das Leben ist eine Baustelle" war bereits im Februar bei den Berliner Filmfestspielen als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag gezeigt worden. Der Jury war der Becker-Film eine lobende Erwähnung "für die humorvolle und ironische Darstellung des Wandels im heutigen Berlin" wert.

    Von AP-Mitarbeiter Michael Fischer

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