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  • Kritik: Winona trifft den "Womanizer":

    Im herbstlichen New York, zwischen den rotgelben Blättern des Central Park und schicken Downtown-Restaurants, beginnt alles wie eine Hollywood-typische Liebeskomödie in Starbesetzung: Richard Gere als reifer Charmeur trifft junge, unbekümmerte Frau, gespielt von Winona Ryder.

    Doch Regisseurin Joan Chen gibt dem alten Motiv vom Zueinanderfinden zweier völlig unterschiedlicher Menschen eine anrührende Tiefe. Ihr Film "Es begann im September", der am Donnerstag in die Kinos kommt, ist eine einfühlsame, melancholische Geschichte über die Liebe, Vertrauen und die Zeit.

    Eigentliche glaubt der grau melierte Frauenschwarm und Besitzer eines asiatischen Szenerestaurants Will Keane nicht an längere Beziehungen und ewiges Glück. Seinen Kurzzeitfreundinnen gibt er schon einmal beim Spazierengehen mit einem lapidaren "Es tut mir Leid" den Laufpass. Und eigentlich erwartet er nur die nächste Affäre, als er die 21-jährige Charlotte Fielding kennen lernt. Sie ist halb so alt wie er und entwirft ungewöhnliche Hüte. Trotz aller Zweifel wegen des großen Altersunterschieds funkt es zwischen ihnen. "Ich sammele Antiquitäten", sagt Charlotte.

    Doch bevor Will zum gewohnten Rückzieher anhebt, setzt die junge Frau der Zukunft ihrer Liebe eine Grenze: Wegen einer schweren Herzkrankheit hat sie nur noch wenige Monate zu leben. Der ausgelassenen, oft ironischen Romanze verleiht dies eine ernsthafte Dimension. Die Wochen, bis der Schnee durch die Häuserschluchten weht, werden für das ungleiche Paar zu einem Kampf um die gemeinsame Zeit - gegen gedankenlose Eskapaden des alternden "Womanizers" Will und die Krankheit der jungen Frau, die nur einen begrenzten Moment ihres Lebens zu geben hat. "Es ist etwas, was die Seele berührt und fragt, was du vollbringen kannst, egal ob du 20 oder 45 bist", sagt Regisseurin Chen.

    In ihrem zweiten eigenen Werk erzählt die in China geborene Filmemacherin eine feinfühlige Liebesgeschichte, ohne pathetisch zu werden. Der Streifen, treffender beschrieben mit dem Originaltitel "Autumn in New York" (Herbst in New York), verdankt dies auch der unaufgeregt ruhigen, teils poetischen Kameraführung. Großzügige Schwenks über die Stadtkulisse wechseln mit Detailaufnahmen, die auch dramatische Szenen wirkungsvoll zuspitzen. Manche Dialoge spielen hinter spiegelnden Taxifenstern.

    Richard Gere gibt der schon in "Pretty Woman" verkörperten Rolle des coolen, eleganten Verführers tiefer gehende Facetten von Zweifel und Unsicherheit. Winona Ryder bestimmt mit starker Mimik die mehrfachen Stimmungsbrüche des Films - mal aufreizend, mal romantisch, dann ernst und lebensklug. "Es ist Atem beraubend, wenn die Kamera in ihre Augen blickt", sagt Filmpartner Gere. Sehenswert neben den Hauptdarstellern: Elaine Stritch als Charlottes exzentrische Großmutter.

    Sascha Meyer, dpa

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