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  • Kritik: Willem Dafoe und Sam Neill als beeindruckende Gegenspieler

    Frankfurt/M (AP) - Bedauern und Melancholie liegen in der Stimme von Captain Davidson, als er die Geschichte des seltsamen Axel Heyst zu erzählen beginnt. Sie spielt in der tropischen Welt des Malaiischen Archipels um 1913. Heyst lebt in selbstgewählter Isolation auf der idyllischen Insel Samburan. Es könnte das Paradies sein, doch die Atmosphäre wirkt von Anfang an bedrohlich und dramatisch. Der Thriller "Victory" nach dem Roman Joseph Conrads, der nächsten Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft, zeigt eine zarte Liebesgeschichte und den Einbruch des Bösen in die abgeschiedene Welt Heysts.

    Umgeben von den Überresten seines fehlgeschlagenen Minenunternehmens, lebt Heyst (Willem Dafoe) nur mit seinem Diener Wang in einem wunderschönen Haus aus dunklem Bambus, durch dessen Wände Lichtpunkte strahlen. "Er hatte das Mittel entdeckt, durchs Leben zu kommen, ohne leiden zu müssen und ohne sich um einen Menschen in der Welt zu kümmern. Unverwundbar war er, weil er allem auswich", schrieb Joseph Conrad. Doch als er sich zum Kolonialhafen Surabaya begibt, um das Vermächtnis seines verstorbenen Vaters abzuholen, verändert sich sein Leben.

    In seinem Hotel spielt eine Mädchen-Kapelle, die unter der Fuchtel der bösen Mrs. Ziangiacomo (Hansi Jochmann) steht und sich bald als getarntes Wanderbordell erweist. Die Blicke Heysts und der schönen Violonistin Alma (Irene Jacob) begegnen sich. Sie ist in einer scheinbar aussichtslosen Lage: Der Kapellmeister will sie an Hotelbesitzer Schomberg (Jean Yanne) verkaufen. Heyst läßt sich erweichen, Alma mitzunehmen.

    Während sie auf der Insel zusammenfinden, tauchen im Hotel drei unheilvolle Gestalten auf: Mr. Jones (Sam Neill), sein "Sekretär" Ricardo (Rufus Sewell) und ihr Diener Pedro (Graziano Marcelli). Aus der Not, sie loszuwerden, erzählt der Hotelier ihnen, daß bei Heyst Reichtümer zu holen wären. Die drei machen sich zur Insel auf und geben sich als Schiffbrüchige aus. Nach Tagen gegenseitigen Belauerns bricht in einer stürmischen Nacht der Kampf aus.

    Die Gegenspieler agieren über weite Strecken mit stummer Eindringlichkeit. Regisseur und Autor Mark Peploe sah die Gefahr, daß der Charakter der Hauptfigur Heyst auf der Leinwand passiv erscheinen könnte. Doch Willem Dafoe gebe dem desillusionierten Aussteiger "eine konzentrierte Intelligenz; durch seine talentierte Darstellung versteht man, daß Heyst über dem Spiel steht, das beginnt, als die Schurken auf die Insel kommen". Sam Neill schafft es, wahrhaft beängstigend herüberzukommen. Der Spieler Jones sei "die schlimmste meiner bösen Figuren", meint der neuseeländische Schauspieler.

    Zur hervorragenden Besetzung gehört auch die Französin Irene Jacob, die Alma als verhaltene Schönheit mit Würde und ungebrochenen Glauben an das Leben spielt. "She told him how to love, that was her victory", lauten die letzten Worte des Films, "sie brachte ihm die Liebe bei, das war ihr Sieg."

    Romantik, Leidenschaft und Spannung in einer exotischen Welt - "Victory" hat eigentlich alles, was das Genre verlangt und dazu noch eine lehrhafte Dimension als Gleichnis auf die zerstörerische Kraft der Kolonialisierung. Trotzdem hat man das Gefühl, daß die Geschichte mit 98 Minuten zu gestrafft erzählt ist, obwohl Peploe als Drehbuchschreiber seines Schwagers Bernardo Bertolucci an ausladenen Epen wie "Der letzte Kaiser" mitgewirkt hat.

    Daß der mit klassischen Stilmitteln erzählte Thriller manchmal Züge eines Kammerspiel bekommt, liegt vor allem an den Innenaufnahmen, die im Studio Babelsberg entstanden. Dort wurden die Szenen im Hotel und im Schlafraum von Heysts Bungalow gedreht. "Victory" entstand in englisch-französisch-deutscher Gemeinschaftsproduktion unter anderem mit Förderungsmitteln des Filmboard Berlin-Brandenburg. Als Deutsche wirkt neben Hansi Jochmann (sonst als Synchronstimme Jodie Fosters bekannt) Irm Herrmann als Frau des Hoteliers mit, und das Frauenorchester wurde mit Laiendarstellerinnen aus Berlin besetzt. Die Außenaufnahmen wurden in Indonesien und Malaysia gedreht.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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