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  • Kritik: "Wilde Kreaturen" machen Globalisierung lächerlich

    Frankfurt/M (AP) Der monströse Rod McCain ist ein Held der Globalisierung, also ein Fiesling. Der Chef des Weltkonzerns Octopus Inc. kauft und verkauft Menschen wie Firmen nach Belieben. Für McCain ist alles eine Frage der richtigen Profitrate. Als er eines Tages ganz nebenbei einen familienfreundlichen Zoo erwirbt, ist für ihn klar: Die Kasse muß auch dort stimmen. Und Rollo Lee, ein ehemaliger Offizier und Leiter der Hongkonger TV-Station McCains, soll das als neuer Zoodirektor unerbittlich in die Wege leiten. Was aus diesem Unternehmen wird, darüber darf vom 19. Juni an in den deutschen Kinos gelacht werden.

    "Wilde Kreaturen" heißt der Film, der ein köstlich gelungenes Wiedersehen mit den Stars des Komödien-Welterfolgs "Ein Fisch namens Wanda" aus dem Jahr 1988 bringt. Hauptdarsteller und Drehbuchautor John Cleese als Rollo, der brillant agierende Oscar-Preisträger Kevin Kline in der Doppelrolle von McCain und dessen ungeliebtem Sohn Vince, Jamie Lee Curtis als Powerfrau mit Kurven und Michael Palin in der Rolle des nervtötenden, weil allwissenden Insektenpflegers Malone sorgen 93 kurzweilige Minuten lang für Lachstürme.

    "Wilde Kreaturen" ist nicht nur voller herrlich schräger Charaktere, witziger Gags und absurder Situationen - so etwas erwartet man schließlich von dem 1,95 Meter großen "Monty Python"-Veteranen John Cleese und seinen mit Lust und Laune agierenden Mitspielern. Der Film ist auch eine hintergründige Attacke gegen die Auswüchse neoliberaler Globalisierung und Profitmaximierung. Die Idee, das am Beispiel eines liebenswerten britischen Zoos zu zeigen, ist schlichtweg genial. Denn welch perverse Konsequenzen die Raffgier haben kann, kommt in des neuen Direktors Direktive zum Ausdruck: Alle harmlosen Tiere sollen liquidiert werden, um sie durch gefahrverheißende zu ersetzen.

    Rollo Lee hat nämlich beim Fernsehen gelernt, daß sich Gewalt, Blut und Gefahr am besten verkaufen. Also bemüht sich das verunsicherte Zoopersonal, auch noch das handzahmste Erdhörnchen zur blindwütigen Bestie zu deklarieren. An Komik ist das kaum zu überbieten. Daß es nicht tragisch wird, liegt an der zarten Seele des nur äußerlich rauhbeinigen Rollo. Zur Belohnung wird er am Ende auf skurrile Art von seinem Konzernchef befreit und gewinnt auch die Liebe Willas, eine Paraderolle für Jamie Lee Curtis, Cleese zufolge das "emotionale Herz des Films, der Anker der Geschichte."

    Aber Kopf und Geist von "Wilde Kreaturen" ist natürlich der wunderbare Cleese als Hauptdarsteller, Mitautor (zusammen mit Iain Johnstone) und Mitproduzent. Mit Rollo Lee hat das britische Komikgenie einen mehrschichtigen Charakter geschaffen, in dem er sein ganzes Können ausspielen kann. Wie "Ein Fisch namens Wanda" ist auch "Wilde Kreaturen" eine Komödie, über die selbst gestrenge Kritiker nicht oft unter ihrem Niveau lachen müssen.

    Wer die jüngsten Robin-Williams- oder Jim-Carrey-Lustspiele nicht immer ohne Qualen hinter sich gebracht hat, darf sich auf Rollo, Willa und Co. herzlich freuen. Daß "Wilde Kreaturen" in den USA ein kommerzieller Mißerfolg waren, ist kein gutes Zeichen für die Entwicklung des breiten Publikumsgeschmacks dort. Der Film hat zwar einige kleine Durchhänger, aber er beschert dem Besucher genau das, wofür er eine Eintrittkarte bezahlt: Ungetrübtes Vergnügen an einer aberwitzigen Geschichte, amüsante Erkenntnisse über die ganz normale Absurdität der auf die Spitze getriebenen Profitgier und gute Laune sowieso: Auf keinen Fall versäumen!

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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