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  • Kritik: Wiesinger kriegt "14 Tage lebenslänglich"

    Hamburg (dpa) - Der Junganwalt Konrad von Seidlitz (Kai Wiesinger) ist ein richtiger Schnösel. Ungerührt geht er für zwei Wochen ins Gefängnis, weil er seit Jahren seine Knöllchen nicht bezahlt hat, und freut sich über den knalligen Werbe-Effekt für seine Kanzlei. Doch als in seiner Zelle Kokain gefunden wird, muß Seidlitz weitere zweieinhalb Jahre im Knast bleiben - nun stehen für ihn harte Zeiten an, denn unter den Häftlingen hat sich der arrogante Jurist richtig unbeliebt gemacht.

    In Roland Suso Richters drittem Kinofilm "14 Tage lebenslänglich", der an diesem Donnerstag (3.4.) in die Kinos kommt, zeigt sich Hauptdarsteller Kai Wiesinger in ganz neuem Licht. Der 30jährige, bislang eher als Softie in Komödien wie "Stadtgespräch" und "Kleine Haie" aufgetreten, entwickelt sich in seiner neuen Rolle vom aalglatten Karrieristen zu einem harten Burschen mit Nehmerqualitäten.

    "Ich spiele ein Riesen-Arschloch, das sich auf Kosten anderer eine Karriere bastelt und dem der Boden unter den Füßen weggezogen wird", beschreibt Wiesinger seine Rolle, für die er zehn Kilo abnahm, um die richtige Gefängnis-Magerkeit zu erreichen und weil man "Rippen nicht aufschminken kann". Wiesinger "will nicht, daß einer sagt: 'Der spielt das aber toll'". Der Zuschauer solle Seidlitz sehen, nicht den Schauspieler. Es habe ihn bei den Dreharbeiten selbst schockiert, "wie leicht man Leute wirklich auflösen, ihren Widerstand brechen kann".

    Seidlitz und seine Verlobte Cornelia (Sylvia Leifheit), Tochter des Justizministers, geben vor dem Haftantritt eine rauschende Party. Im bunten Konvoi mit Luftballons fährt der Anwalt beim Gefängnis vor. Drinnen verfolgt er seine Geschäfte per Handy weiter und reibt jedem unter die Nase, was für glänzende Beziehungen in höchste Kreise er unterhält. So wird er zum Haßobjekt für Mithäftlinge und Zuschauer gleichermaßen. Besonders den Häftlingskönig Czernetzky (sympathischer Gangster: Michael Mendl) verbindet bald eine Intimfeindschaft mit Seidlitz. Im Knast hat dieser eine Menge auszuhalten - von einem Vergewaltigungsversuch über allerhand Prügel bis zu einer Verschwörung, an der auch sein Partner Häring (Axel Pape) teilhat. Doch als aus Czernetzkys dunkler Vergangenheit ein rachsüchtiger ehemaliger Komplize auftaucht, verbünden sich Seidlitz und Czernetzky.

    Freilich sieht der Knast im Film deutschem Gefängnisalltag nicht ähnlich. "Ich gucke mir die Realität an, aber die sieht fürs Kino scheiße aus", sagt der 36jährige Regisseur Richter. "Dann verändere ich die Dinge und versuche, trotzdem die Stimmung beizubehalten." Gedreht wurde in sechs deutschen Haftanstalten, die zum Teil neue Anstriche erhielten.

    In dem reichlich düsteren Streifen wäre weniger manchmal mehr gewesen. Die verschiedenen Handlungsstränge, besonders Czernetzkys Geschichte, sind nicht leicht zu verfolgen und wirken unschlüssig. Den Regisseur und seinen Hauptdarsteller reizte es vor allem, die Entwicklung der Figur Seidlitz so zu zeigen, daß der Zuschauer daran teilnimmt und für den Unsympathischen am Ende sogar Sympathie übrig hat. Das hätte als Story auch vollauf genügt.

    Von Fatina Keilani, dpa

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