40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Wie Detlev Buck unter die Heilsarmee kam
  • Kritik: Wie Detlev Buck unter die Heilsarmee kam

    Ach, wie gerne würde der geplagte Kritiker zumindest den letzten der 1998 gestarteten deutschen Filme loben und preisen. Doch auch Detlev Bucks neues Werk "Liebe Deine Nächste!", das am 24. Dezember auf die Leinwände im weihnachtlichen Land kommt, setzt die Serie der einheimischen Kinoenttäuschungen fort.

    Wie, um Himmels willen, ist der witzige Regisseur von "Karniggels" und der weniger guten, aber äußerst erfolgreichen "Männerpension" auf dieses ungeheuer konstruiert wirkende Heilsarmee-Melodram verfallen, das die Brisanz einer Klamotte aus Opas Sittendrama-Kintop besitzt?

    Buck und sein erst 23jähriger Drehbuch-Coautor Jens-Frederick Otto erzählen die Geschichte der beiden gar nicht verhärmten Heilsarmee-Soldatinnen Josefine und Isolde, die den Einsatzbefehl bekommen haben, im Sündenpfuhl Großstadt ein verlottertes Obdachlosenasyl ihrer Organisation wieder in strengere Bahnen zu bringen. Schon auf der Fahrt aus der heilen Provinz dorthin begegnet Josefine dem Macho Tristan, der genau weiß, wie man sich in dieser bösen Welt immer durchsetzt: mit Geldbündeln in der Tasche. Aber natürlich gibt es zwischen Mann und Frau auch noch die Macht der Liebe und der Leidenschaft...

    Wen dieses simple Handlungsgerüst nicht gerade vom Hocker und rein in den Kinosessel treibt, liegt goldrichtig. Denn den Schmonzes, auf den sich Buck einläßt, hätte nur eine irrwitzige Satire oder eine gagreiche Komödie retten können. Aber beides hatte der Filmemacher offenbar nicht im Sinn, sondern er wollte sich allen Ernstes mit einigen verkrampft originell agierenden Schauspielern und einer Schar Laiendarsteller in ganz großen Fußspuren bewegen: "Ja, ich hab manchmal so einen Touch. Seitdem er nicht mehr ist, der gute Fellini, gibt es kaum noch solche Gesichter im Film." Ach Detlev, bleib bloß auf dem Bettvorleger!

    Zwar hat auch der selige römische Genie nicht nur Meisterwerke hinterlassen, aber Bucks neuer Film hat mit Filmkunst nichts und mit lohnenswerter Unterhaltung nur allzu wenig zu tun. Da hilft es auch nicht, wenn der Regisseur unter Verweis auf die Kamera von Joachim Berc dem Resultat der gemeinsamen Arbeit "eine ganz eigene Ästhetik" bescheinigt. Wen interessiert das schon, wenn die Handlung sich zäh dahinschleppt, Witz, Spannung und jegliche Brisanz fehlen. Dazu funktioniert die Liebesgeschichte zwischen der Heilsarmistin und dem Geldmacho nur knarrend und mündet in einer einfallslosen Bettszene.

    Die Kroatin Lea Mornar als Josefine hat ein apartes Gesicht unter dem Häubchen. Doch die bislang nur in Werbefilmen agierende Kinodebütantin kämpft zu sehr mit den Tücken der deutschen Sprache, um auch noch schauspielerische Talente freilegen zu können. Moritz Bleibtreu darf den coolen Junghai Tristan mimen. Das kann er ganz gut, muß aber aufpassen, nicht auf diesen Typus festgelegt zu werden. Nicht seine, aber die Isolde des Streifens ist Heike Makatsch als Josefines Kameradin im Kampf gegen das Laster. Die Rolle gibt nichts her, so fällt sie auch weder positiv noch negativ im Geschehen auf.

    Buck selbst hat gleich drei Kurzauftritte als Polizist, Penner und Portier. Das hat ihm Spaß gemacht und gewährleistet, daß wenigstens einer glücklich gemacht werden konnte. Die Aktivisten der Heilsarmee hätten es verdient gehabt, daß ihr Frondienst an den Rändern der Gesellschaft mit einem besseren, frecherem Film ins Rampenlicht gebracht worden wäre. Wenn Buck meint, der Titel "Liebe Deine Nächste!" sei zugleich auch Programm seines Werks, beweist das nur konzeptionelle Hilflosigkeit. Er und sein Produzent Claus Boje sagen: "Danke, daß wir Filme machen dürfen..." Diesen besser nicht!

    Wolfgang Hübner, AP

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    4°C - 8°C
    Dienstag

    5°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!