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  • Kritik: "Widows"

    Hamburg (dpa) - So manche altgediente, aber noch attraktive Ehefrau wird das Gedankenspiel kennen: Wie wäre es wohl, wenn sie wieder frei, unabhängig und - solo wäre? In Sherry Hormanns neuem Film "Widows", der den irreführenden Untertitel "Erst die Ehe, dann das Vergnügen" trägt, stellen sich drei ehegefrustete beste Freundinnen genau diese Frage und bleiben dann nicht untätig. Was nach Titel und Plakat wie die Schwarze-Witwen-Version von "Club der Teufelinnen" wirkt, entpuppt sich dann jedoch als Film, der gar nicht lustig ist - und damit so manchen Kinogänger in seinen Erwartungen enttäuschen könnte.

    Regisseurin Hormann, deren letzten Film "Irren ist männlich" mehr als anderthalb Millionen Besucher sahen, will den Vorwurf der Irreführung nicht gelten lassen. "Diese Genrediskussion ist wirklich ein Kreuz", ärgert sie sich. "Der Film hat komödiantische und melancholische Elemente - wenn es das Genre Leben gäbe, wäre es eben ein Film über das Leben." Für Plakate und Titel könne sie nichts, weil die Vermarktung nicht in ihrer Hand sei.

    "Ich finde den Film auch nicht so lustig, aber das mag ich ja gerade daran", sagt Hauptdarstellerin Eva Mattes im dpa-Gespräch. Ihr Charakter Molly sei eben "ungeheuer verletzt". Denn der abgehalfterte Künstleragent Erich (Uwe Ochsenknecht), mit dem sie verheiratet ist, betrügt und demütigt seine Frau, wo es nur geht. Dabei ist Molly für jeden erkennbar eine Seele, glänzend verkörpert von einer spielfreudigen Eva Mattes. "Bei ihr sieht man die Veränderung sehr stark, und sie sagt ihm dann ja auch: 'So nicht!'", schildert Mattes. "Sie hält das aber nicht konsequent durch, weil sie ihn ja liebt", fügt Hormann hinzu.

    Da hat es die schöne Maria (spricht deutsch: Ornella Muti) schon besser. Ihr Mann Nummer drei, Konrad (Huub Stapel), ist zwar dämlich und eitel, aber immerhin treu. Und Maria selbst tröstet sich reichlich mit anderen. "Ich spiele eine leidenschaftliche, lebensfrohe, aber auch in einer Weise einfache Frau", beschreibt Ornella Muti ihre Rolle. "Sie will leben, Sex haben - lieben und geliebt werden, das ist alles." Parallelen zu sich kann die 41jährige nicht ganz von der Hand weisen: "Stimmt schon, auch ich habe ein paar Ehen auf dem Buckel, das ist aber nicht die Parallele. Aber ich bin wie Maria ein leidenschaftlicher Mensch." Und sie lacht schallend, wie auch im Film öfter, bevor sie die deutschen Sätze raussprudelt.

    Die wirkliche Muti kann allerdings kaum Deutsch, wie sie zugibt - ein Sprachtrainer brachte ihr für den Film das Nötige bei. Ansonsten gibt sich das italienische Sexsymbol eher nach innen gewendet. "Ich glaube, ich mache gerade einen Wechsel in meinem Karma durch", meint sie und erklärt, sie glaube an Aura und daran, daß die Seele Nahrung brauche - weswegen sie viel lese und jetzt ja auch diesen fabelhaften neuen Mann habe.

    Am besten hat es eigentlich die Dritte im Bunde getroffen: Die Anwältin Elisabeth (Katja Flint) ist mit dem 25 Jahre älteren, vorbildlichen Charles liebevoll verheiratet (ganz Grandseigneur: Martin Benrath), mit dem sie neben dem Bett auch das Büro teilt, wobei sich in ersterem nicht mehr viel abspielt. Als der Musiker Vince (Heino Ferch) auftaucht, brechen verschütt geglaubte erotische Gefühle in ihr hervor, und die Starke wird schwach. Das alles ist trotz nahezu durchgehend düsterer Beleuchtung hübsch anzuschauen und sicher kein verschenkter Kinoabend. Eva Mattes nennt es: "Eine Komödie mit Tiefgang."

    Von Fatina Keilani, dpa

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