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    Kritik: Wider den Fluss der Zeit

    Wie kann man etwas visualisieren, was nicht sichtbar ist, etwas begreiflich machen, was nicht greifbar ist?

    Dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe stellen sich nach "Ten Minutes Older - The Trumpet" acht weitere, international bekannte Filmkünstler, die die Produzenten Nicolas McLintock, Nigel Thomas und Ulrich Felsberg für ihr außergewöhnliches Projekt gewinnen konnten. Sie schufen ein abwechslungsreiches Stück Kino, das dank der individuellen Bildsprache und unterschiedlichen, filmischen Tradition der Künstler ein unterhaltsamer, teilweise faszinierender Leckerbissen für die Freunde anspruchsvoller Kinokunst ist. In zehnminütigen Kurzfilmen wird in "Ten Minutes Older - The Cello" der Zeit ein cineastisches Denkmal gesetzt.

    Cello gibt den Ton an

    Wie bereits bei seinem Vorgänger sind die Filme mit einem symbolischen Flussmotiv verbunden und diesmal mit melancholischer Cellomusik untermalt - traurig und quälend eingespielt von dem jungen Star-Cellisten Claudio Bohorquez. Und so gibt auch das Cello den Ton an und scheint Stimmung und Tenor der Filme zu beeinflussen. Im Gegensatz zu den temporeicheren Episoden in "The Trumpet" überwiegen in "The Cello" philosophische Betrachtungen über Zeit und Leben, Stimmungen und Momentaufnahmen, die schwermütig, oft aber auch in gewagter, experimenteller Bildsprache inszeniert sind.

    Mike Figgis teilt Leinwand in vier Bereiche

    So muss Mike Figgis die Leinwand in vier Bereiche aufteilen, um in "Ein Treppenhaus - Über Zeit 2" vier unterschiedliche Zeitabschnitte in vier miteinander in Verbindung stehenden Räumen darstellen zu können - ein surreales Labyrinth aus Erinnerungen und Gefühlen, verwirrend und faszinierend zugleich. Bernardo Bertolucci bewegt sich auf traditionellen Pfaden und bedient sich in "Die Geschichte vom Wasser" einer indischen Parabel, mit der er im Stil des italienischen Neorealismus einen Lebensabschnitt in Relation zu einem kurzen Zeitabschnitt setzt.

    Bewegendstes Kunststück von Jiri Menzel

    Eines der schönsten und bewegendsten Kunststücke gelang dem tschechischen Regisseur Jiri Menzel mit seiner Filmmontage "Ein Moment". Aus kurzen Filmsequenzen gestaltet er Leben und Karriere des tschechischen Schauspielers Rudolf Hrusinsky zu einem filmhistorischen Fotoalbum, das dem Betrachter wehmütige Reflektionen auf das eigene Leben erlaubt.

    Philosophische Betrachtungen einer weisen Stechmücke

    Dem subjektiven Empfinden von Zeit in den beiden Filmen "Süchtig nach den Sternen" von Michael Radford und "In Richtung Nancy" von Claire Denis setzt Volker Schlöndorff die philosophischen Betrachtungen einer weisen Stechmücke entgegen. Die will in "Erleuchtung" über eine Zeitspanne von mehreren Jahren auf einem deutschen Campingplatz dem Geheimnis der Schöpfung auf den Grund gehen. Dass zehn Minuten das Leben eines Menschen völlig verändern können, ist sicher nichts Neues, aber in seiner sensiblen Darstellung in Istvan Szabos "Zehn Minuten später" sehenswert und spannend.

    Godard "In der Schwärze der Zeit"

    Den Abschluss in dem Reigen um die Zeit macht der französische Altmeister Jean-Luc Godard mit seinem eigenwilligen Essay "In der Schwärze der Zeit", einem Kaleidoskop aus alten Filmbildern, die schmerzlich und schön von "letzten Minuten" erzählen. Kein glückliches, aber ein würdiges Ende.

    Angelika Piller, ddp

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