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    Kritik: Wettkampf und Familiendrama der Figaros

    Die Mischung stimmt trotz gelungener Inszenierung nicht ganz

    Schon der Beginn der neuen britischen Komödie "Über Kurz oder Lang", die am 26. Juli anläuft, macht ihr Konstruktionsprinzip deutlich. Aus dem Kontrast zwischen Wunsch und Wirklichkeit schlägt der Film blitzende Funken - sei es beim mehrtägigen Figaro-Wettkampf selbst mit all den verrückten Figuren und den noch verrückteren Frisuren, sei es bei einer anstehenden Familienzusammenführung im Austragungsort.

    Der ehemalige Champion Phil Allen (Alan Rickman) hat sich voller Verbitterung aus der ersten Garde der Haarkünstler zurückgezogen, als ihn seine Frau und Kollegin Shelley (Natasha Richardson) wegen einer Frau verlassen hat. Die beiden Damen betreiben in eben jenem Yorkshire-Nest ganz in der Nähe von Phils unscheinbarem Provinzsalon einen zweiten kleinen Friseurladen. Phils und Shelleys Sohn Brian (Josh Hartnett) ist beim Vater herangewachsen und lernt von ihm nun auch das Handwerk des Haareschneidens und Föhnens. Er pendelt, vor allem auch emotional, zwischen Mutter und Vater, der jeden Kontakt zu seiner Ex-Frau abgebrochen hat.

    Mit der homosexuellen Variante einer Ehescheidung zollt Drehbuchschreiber Simon Beaufoy, der schon die Vorlage zur Männerstrip-Komödie "Ganz oder gar nicht" verfasst hat, ganz offensichtlich dem Zeitgeist Tribut. Eine andere Idee des Autors erweist sich allerdings als problematisch: Um Shelleys Wunsch, sich mit ihrem Ex-Mann wieder zu vertragen, eine ordentliche Motivation zu verpassen, lässt Beaufoy sie unheilbar an Krebs erkranken.

    Der bevorstehende Tod ist aber ein viel zu markanter Kontrapunkt zum heiteren Wettkampfgeschehen. Außerdem verheimlicht Shelley ihren tragischen Zustand. Ihre Annäherungsversuche stoßen beim ebenso beleidigten wie ahnungslosen Phil auf schroffe Ablehnung, was wiederum beim Zuschauer, der ja Bescheid weiß, unwillkürlich ein betretenes Gefühl auslöst. So erholt sich die Komödie bis zum Ende nicht vom Schicksalsschlag des Drehbuchs. Die Ungleichgewichtigkeit kann auch der irische Regisseur Paddy Breathnach mit seiner insgesamt gelungenen Inszenierung nicht beheben.

    Claus Wecker, AP

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