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  • Kritik: Wer ist tot und wer lebendig?

    Hommage an die Gruselfilme der 50er Jahre

    Sein Film "The Others" übertrifft in Sachen Spannung und Gänsehaut vieles, was derzeit in den Kinos läuft. Und Nicole Kidman spielt darin als bleiche und geplagte Witwe nach Meinung von Kritikern die beste Rolle ihrer bisherigen Karriere.

    Schon gleich zu Anfang merkt der Zuschauer, was da auf ihn zukommt: Altes, einsames Landhaus im viktorianischen Stil, auf der britischer Kanalinsel Jersey, und natürlich ist alles in Nebel gehüllt. Klassischer kann ein Geisterdrama gar nicht anfangen. "Ich möchte Thriller machen, wie es sie früher einmal gab", bekennt Amenábar, "ganz ohne Blutvergießen und Spezialeffekte."

    Lange Einstellungen und ruhige Kameraführung entführen den Zuschauer in die dunklen Gewölbe. Dort lebt 1945 die tieffromme und puritanische Kriegerwitwe Grace (Kidman) mit ihren beiden Kindern, die an Sonnenallergie leiden. Und während sie den neuen Angestellten noch erklärt, dass Vorhänge und Türen stets geschlossen zu halten sind, weil niemals Licht eindringen darf, beginnt das Spiel.

    Es fängt mit dem Knarren der Dielen an, das Kidman ("bleicher und britischer als je zuvor", wie ein Kritiker meint) aufschrecken lässt. Dann werden Vorhänge aufgezogen wie von Geisterhand. Verschlossene Türen öffnen sich, auf dem Dachboden scheint jemand zu tanzen. Das Schluchzen der Kinder ist durch die Gänge zu hören, und als sie wenig später steif und fest behaupten, es schlichen nachts Fremde durch das Haus, schenkt die überreizte Mutter ihnen schließlich Glauben.

    Der Streifen schreckt vor keinem Klischee zurück und verfehlt doch nicht seine wohlkalkulierte Wirkung. "Warum schauen wir uns Filme an, die uns in Furcht versetzen?", fragt Amenábar, "ich glaube, Horrorfilme fesseln den Zuschauer, weil sie unsere Ängste in etwas verwandeln, was sowohl unangenehm als auch vertraut und anheimelnd ist." Das hört sich wie eine Definition des klassischen Geisterdramas an.

    Nicole Kidman ist die dominierende Darstellerin des Films. Als er beim Festival von Venedig im Wettbewerb spielte, lagen ihr die Kritiker zu Füßen. "Eine Haut wie Porzellan", schwärmten sie, zerbrechlich, gehetzt und wie von Geistern gejagt habe sie gewirkt. Und immer wieder war der Vergleich mit einer der ganz großen Filmschauspielerinnen zu hören, mit Grace Kelly. Kidman selbst meinte lakonisch: "Ich liebe Psychothriller."

    Langsam steigert sich das Drama in dem verwunschenem Herrenhaus, bis "man nicht mehr genau weiß, wer tot und wer lebendig ist", wie eine Zeitung schrieb. Aber selbst Kritiker, die sich der Spannung kaum zu entziehen vermochten, monieren, es sei dann doch etwas zu sehr eine Hommage an die Gruselfilme der 50er Jahre. Manche überraschte es, dass weder Amenábar noch Kidman in Venedig einen Preis bekamen. Aber Kino, das für viele Zuschauer gemacht ist, hat in Venedig selten eine Chance.

    Peer Meinert, dpa

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