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  • Kritik: Wenn Reporter zu sehr lieben...

    igentlich sollte dieser Film ganz anders werden: ein schonungsloser Blick hinter die Kulissen des TVGeschäfts, das düstere Porträt einer selbstzerstörerischen Frau. Doch wie so oft in Hollywood liegen zwischen der Grundidee und dem fertigen Film Welten.

    Es begann vor vier Jahren, als Regisseur Jon Avnet ("Grüne Tomaten") die Rechte an Allana Nashs Roman "Golden Girl" kaufte. Nash erzählt darin die (wahre) Geschichte der TV-Reporterin Jessica Savitch, die sich im Mattscheiben-Business hochkämpft und auf dem Gipfel ihres Ruhms an Drogen und Depressionen zerbricht. Ein düsteres Stück Realität, wenig hitverdächtig. Für die Drehbuchautoren Didion und Dunne war klar: ohne Love-Story kein Kassenknüller. Also verpaßten sie ihrer Heldin einen Traummann, was prompt die Frage aufwarf, warum sie dann noch zu Suchtstoffen greifen sollte. Und so wurde aus der abgewrackten Jessica Savitch eine abstinente und ausgeglichene Tally Atwater, die mit der Romanfigur nur noch eins gemein hat: Sie arbeitet fürs Fernsehen.

    Ihre Karriere beginnt die naive Tally (Michelle Pfeiffer) als Assistentin des Vollblut-Journalisten Warren Justice (Robert Redford). Der erkennt schon bald ihr Talent und ihre enorme Ausstrahlung. Also läßt er sie kleine Reporterjobs erledigen, lehrt sie das Nachrichtengeschäft und verhilft ihr so zu einem kometenhaften Aufstieg. Tallys Ruhm als TV-Star, der weniger auf ihrer soliden Recherchearbeit als auf ihrem ansprechenden Äußeren basiert, erschwert freilich die Beziehung. Denn die beiden haben immer weniger Zeit füreinander, und gegenseitige Neidereien wechseln sich mit Streitereien über Idealismus und Anbiederung beim Zuschauer ab.

    Das ergibt für genau eine Stunde eine liebenswerte feinfühlige Romanze mit Widerhaken. Die beiden charismatischen Stars herzen und kabbeln sich, daß es eine Wonne ist - fernab von Platitüden und Kitsch. Doch dann kippt der Film plötzlich zu einer Seifenoper um, die alle dramaturgischen Feinarbeiten zu Klump schlägt. Tally wird bei einer Zuchthausreportage als Geisel genommen und bangt via Liveschaltung um ihr Leben. Warren geht als ebenfalls lebensgefährdeter Kriegsberichterstatter nach Panama. Alle zehn Minuten naht ein weiterer Schicksalsschlag aus der Klischeekiste, bis Tally am Ende einen Monolog über Ehre, Idealismus und Liebe halten darf, für den sich selbst mancher Groschenroman-Autor schämen würde.

    Der Film ist so widersprüchlich wie Tallys und Warrens Ansichten über Journalismus: Zuerst geht's seriös und subtil zu, dann regiert die hohle Phrasendrescherei. Und am Ende ist deshalb niemand so richtig zufrieden.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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