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  • Kritik: Weniger Kino denn Geschichtsunterricht

    "Der Film interessiert, aber er berührt nicht"

    Damit wirft er dem Stellvertreter Gottes auf Erden eine zumindest indirekte Unterstützung der Faschisten vor. In seiner Rigorosität immer noch ergreifend, ist Hochhuths Vorlage inzwischen nicht mehr skandalträchtig. Viele historische Veröffentlichungen haben in den vergangenen Jahren die Rolle von Pius XII. kritisch beleuchtet.

    Der Film wie das Buch beschreiben den Kampf zweier Männer gegen das Unrecht. Der Jesuitenpater Riccardo (Mathieu Kassowitz) lehnt sich gegen das Schweigen des Papstes auf. Geschockt von der Vernichtungspolitik der Nazis leistet an seiner Seite der SS- Offizier Kurt Gerstein (Ulrich Tukur) den Machthabern Widerstand.

    Als historisch verbürgte Figur steht vor allem Gerstein, anders als bei Hochhuth, im Mittelpunkt des Films. Costa-Gavras und sein Drehbuch-Mitautor Jean-Claude Grumberg sehen in dieser Veränderung wohl die Möglichkeit, Hochhuths Geschichte dramatisch zuzuspitzen.

    Doch damit verlagert sich der Schwerpunkt entscheidend: Weniger als dem Verhalten von Pius XII. gehen die Autoren der Frage nach, was der einzelne Deutsche gegen Hitler hätte unternehmen können. Nach Meinung des Griechen Costa-Gavras allerlei: "Ein Deutscher und ein SS-Mann... Das beweist, dass Widerstand selbst innerhalb Deutschlands möglich war."

    Den Regisseur scheint insbesondere eine kritische Analyse der historischen Ereignisse um den Massenmord an den europäischen Juden zu interessieren. Er nennt eine Frage als wesentlich für sein Vorgehen: "Wie konnte so etwas in einer zivilisierten Welt geschehen, und wäre es heute noch möglich?" Das allerdings nimmt dem Film - verglichen mit der Vorlage - viel Spannung und emotionale Kraft. Entsprechend kritische Stimmen gab es bei der Erstaufführung der "Stellvertreters" während der diesjährigen Berlinale. Ein Journalist brachte die Meinung vieler Zuschauer auf den Punkt: "Der Film interessiert, aber er berührt nicht." Daran kann auch die exzellente Besetzung selbst kleiner Rollen, etwa mit Ulrich Mühe und Hanns Zischler, nichts ändern.

    Peter Claus, dpa

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