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  • Kritik: Wenig Wildes im Westen

    Drama im Dokumentarfilm-Outfit

    Hier schürfen bärtige Goldsucher nach dem funkelnden Metall, hier warten leicht geschürzte Frauen auf Kunden, hier waten die Helden durch den eisigen Matsch auf dem Weg zum vermeintlichen Glück. In "Claim" kann man langweiligen Romanzen auf der Leinwand folgen und sich anschließend fragen, ob der Wilde Westen wirklich nicht mehr Spannung zu bieten hat.

    Ausgerechnet "Kingdom Come" heißt das wenig königliche Kaff zwischen zerklüffteten Bergketten, Fichten und Eis, das Goldschürfer und Huren mit Leben füllen wollen. Zugleich suchen Landvermesser der Central Pacific Railway Company nach der besten Route für das "größte Unternehmen Amerikas", die interkontinentale Eisenbahn. Kingdom Come versprechen die Gleise eine goldene Zukunft. Besonders profitieren würde davon Major Dillon (Peter Mullan), der das Nest aus dem Boden gestampft hat und nun als geschätzter, aber auch gefürchteter Patron über seine Goldgräbergemeinde wacht.

    Dillons heile Welt zwischen Casinotisch und Banktresor gerät ins Wanken, als die todkranke Elena (Nastassja Kinski) mit ihrer Tochter Hope buchstäblich in die Stadt schneit und ihn mit Erinnerungen aus dunkler Vergangenheit konfrontiert. Denn kurz nach Hopes Geburt hatte Dillon im Suff Frau und Kind verschachert, für ein paar Klümpchen Gold und einen Claim - den Grundstock seines heutigen Reichtums. Nun übermannen ihn Schuldgefühle, er lässt ein hübsches Häuschen bauen und heiratet Elena. Ende gut, alles gut? Keineswegs, schließlich hat Winterbottom einen Realo-Western gedreht.

    Leider ist allerdings von Beginn an zu erkennen, wohin Winterbottom seine Westernkutsche steuert. Wirklich zu fesseln vermag nur das Spiel von Kinski und Milla Jovovich als leicht vulgäre Saloondame. Der Regisseur hingegen verwirrt, weil er sich nicht entscheiden kann zwischen spannungsgeladenem Western, charakterschwerer Liebesgeschichte und einer Studie über die Siedlungsgeschichte des US-Westens. Das unentschlossene Hin und Her im Drehbuch ergänzt er durch kaum erklärbare Schwenks mit der Steadycam und überflüssigen Zeitlupen.

    Erheblich spannender und konfliktreicher als das Endprodukt selbst dürften die Dreharbeiten zum "Claim" gewesen sein: Bei Temperaturen bis minus 30 Grad, beißenden Winden und mit klammer Kleidung musste sich das Team durch die Szenen spielen. "'The Claim' sollte wie ein Dokumentarfilm aussehen, zeigen, wie es damals wohl gewesen sein mochte", bestätigt Winterbottom. Die Dramatik von rauer Landschaft und dem harten Charakter der Menschen sollte sich auf den Film übertragen, so realistisch wie möglich.

    Martin Oversohl, dpa

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