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  • Kritik: Weinreise durch die MidlifeCrisis

    «Sideways» ist auf den ersten Blick ein durch und durch unspektakulärer Film. Doch: Die Tragikomödie um die Spritztour zweier Kumpel in der Midlife-Krise durch kalifornische Weinberge ist der von US-Kritikern meistgelobte Film des Jahres 2004 und ein Oscar- Mit-Favorit.

    Vielleicht liegt es daran, dass «About Schmidt»- Regisseur Alexander Payne eine universelle und unterhaltsame Geschichte voller subtiler Komik über die Härten des Älterwerdens und die Suche nach sich selbst gelang. Vielleicht auch nur daran, dass viele Filmkritiker selbst in einem passenden Alter für eine Lebenskrise stecken, wie die «New York Times» spottete.

    Im Mittelpunkt der bitter-süßen Geschichte stehen zwei ungleiche Freunde in ihren 40ern: Der erfolglose Schriftsteller und Amateur- Weinkenner Miles, der sich als Englisch-Lehrer verdingt und nicht über die Scheidung von seiner Frau hinwegkommt, und Jack, ein abgebrannter Soap-Schauspieler, der Sätze wie «Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker» in Werbespots spricht. Obwohl sie äußerlich nicht gegensätzlicher sein könnten, haben sie etwas gemeinsam: Beide sind sympathische Verlierer, die ihre Lebensziele weit verfehlt haben und planlos durchs Leben schlittern. «Seitwärts», wie schon der Titel ankündigt.

    Jack steht aber vor einer entscheidenden Lebenswendung: In einer Woche soll er Victoria heiraten, und Miles spendiert ihm eine Art verlängerte Junggesellen-Party, eine einwöchige Rundfahrt durch die Weingüter von Santa Barbara. Seine Vorstellung: Wein trinken, Golf spielen, reden. Jacks Ziel ist dagegen, möglichst viele Frauen ins Bett zu kriegen. Er angelt sich die junge Wein-Ausschenkerin Stephanie und steht kurz davor, seine gesamte Lebensplanung umzuwerfen. Und Miles wagt sich endlich an die Kellnerin Maya heran, mit der ihn die Leidenschaft für Wein vereint. Und so mündet die Reise in einem grotesken Strudel aus Liebe, Sex und Alkohol. Dazu die sonnige Kulisse Kaliforniens und eine Lawine von Wein-Informationen.

    Letztendlich sind es die Schauspieler, die «Sideways» zu einem Erlebnis machen. Vor allem Paul Giamatti, der als Miles verletzlich, erbärmlich und liebenswürdig zugleich wirkt. Und auch Thomas Hayden Church, einst selbst TV-Star und heute texanischer Farmer und Independent-Regisseur, kauft man die Rolle als Jack sofort ab. Church wurde dafür für einen Oscar nominiert. Der viel gelobte Giamatti - der bisher mit seinem unspektakulären Äußeren eher komische Hintergrund-Rollen bekam - wurde hingegen übergangen, was gleich als größte Überraschung gewertet wurde.

    Dabei wurde auch Maya-Darstellerin Virginia Madsen nominiert. Außerdem ist «Sideways» als bester Film sowie für beste Regie und Drehbuch nominiert und damit ein Konkurrent der Howard-Hughes- Filmbiografie «Aviator» im Rennen um die begehrtesten US-Filmpreise. Als Stephanie besetzte Payne seine Frau Sandra Oh und musste sie auch bei einer leidenschaftlichen Bettszene filmen.

    Nun ist «Sideways» bei weitem nicht der erste Film über 40- jährige Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und der 43-jährige Regisseur Payne, der auch das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Rex Pickett mit verfasste, ist sich dessen bewusst. «Ich wollte einen einfachen, zutiefst menschlichen Film drehen, so einen, wie es sie in den 70er Jahren gab», sagt er in Interviews. «Wir haben heute im kommerzialisierten Hollywood viel zu wenig davon.» Um den alten Geist wiederzubeleben, sah sich Payne bei der Vorbereitung alte französische Filme an, bestand darauf, die Bilder unschärfer und die Farben bleicher zu machen - wie damals in den 70ern - und erwog sogar einen altmodischen Mono-Sound.

    Die Mühen zahlten sich auch auf eine überraschende Weise aus: In Amerika lieferte der Film der Weinkultur einen Schub. Der Absatz der auf der Leinwand als besonders Fein gepriesenen Pinot-Weine zog an, und in Santa Barbara werden bereits «Sideways»-Touren angeboten, die den Weg von Miles und Jack nachzeichnen.

    dpa

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