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  • Kritik: "Wege in die Nacht":

    Für den Regisseur Andreas Kleinert dürfte das Jahr 1999 das bisher erfolgreichste gewesen sein: Das hoch aktuelle und bewegende Drama "Wege in die Nacht" eröffnete eine wichtige Nebenreihe bei den Filmfestspielen in Cannes, seine TV-Verfilmung der Tagebücher von Viktor Klemperer "Ich will Zeugnis ablegen..." lief viele Abende lang im Fernsehen. Der 37 Jahre alte Kleinert erhielt außerdem den Filmpreis der Stadt Hof.

    , die spannende und faszinierende Geschichte eines tragischen Scheiterns, endlich auch in die deutschen Kinos. Hier geht es um Ohnmacht, Wut und Trauer eines Mannes aus Ost- Berlin, der mit dem DDR-Regime auch seine Arbeit, seine Identität und Autorität verloren hat. Hilmar Thate, einem breiten Publikum bekannt aus dem TV-Mehrteiler "Der König von St. Pauli", spielt die Hauptfigur Walter mit der Kraft und Entschlossenheit größter Verzweiflung. Sein verwüstetes Gesicht brennt sich ein. Der von Walter einst geleitete Betrieb ist nur noch eine Ruine, die alten Werte sind auf dem Müll gelandet. Seine Frau sorgt als Kellnerin für den Familienunterhalt - Abhängigkeit und Nutzlosigkeit vertiefen seine Krise.

    Gegen den inneren Kollaps kämpft dieser Mann auf höchst eigenwillige Art und wird in einer Art Rollenspiel vom Opfer zum Täter. Er zieht nachts mit zwei jungen Menschen, die ihn als beherrschende Vaterfigur lieben und akzeptieren, durch die Berliner U-Bahnen und sorgt als mitleidloser Vollstrecker für Recht und Ordnung. Walter und seine neue "Familie" halten Schläger und Randalierer in Schach, schrecken dabei vor eigener Gewalt nicht zurück und setzen dem inneren und äußeren Verfall letztendlich nur wütende Anarchie entgegen. Als Walter einen aggressiven Mann aus dem fahrenden Zug springen lässt, geht er als Täter selbst zu weit.

    "Wege in die Nacht" ist nur auf den ersten Blick ein Ost-Film über einen Ost-Menschen, zehn Jahre nach dem Mauerfall. In strengen, konzentrierten Schwarz-Weiß-Bildern zeigt Regisseur Kleinert eine vielschichtige Studie über Menschen, die ihren Halt verloren haben. "Das Grundthema", schildert Kleinert seine Geschichte der dpa, "ist der Wert des Menschen. Was passiert, wenn ihm zwei wichtige Dinge entzogen werden: die Liebe und das Gebrauchtwerden in der Liebe und in der Arbeit? Und das kann auch im Ruhrgebiet passieren." Konsequent und Grenzen sprengend geht er aber auch mit dem Thema Gewalt um: Hier geht es nicht nur um die brutale Tat, sondern auch um die Zuschauer überall und auch im Kino, die nichts dagegen tun.

    So geht das Etikett "ostdeutscher Filmemacher" dem Regisseur völlig zu Recht auf die Nerven. "Es ärgert mich tödlich, wenn die Leute sagen, 'na ja, im Osten, da haben sie so ihre Problemchen' - das macht die Dinge so klein", sagt Kleinert. "Meine Filme soll man auch noch in zehn Jahren sehen und auch im Ausland verstehen können."

    Karin Zintz, dpa

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