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  • Kritik: Weder zum Lachen noch zum Gruseln

    Selten ist für eine deutsche Filmproduktion schon vorm Kinostart so massiv und auch so vulgär geworben worden wie für "Kai Raabe gegen die Vatikankiller". Der am 26. November startende Streifen hat also allerlei Erwartungen geweckt, die besten wie die schlimmsten. Erfüllt haben sich leider letztere.

    Denn was Drehbuchautor und Regisseur Thomas Jahn, der mit dem Publikumserfolg "Knockin' on Heaven's Door" im Vorjahr ein glänzendes Leinwanddebüt vorgelegt hat, diesmal präsentiert, ist schlicht und einfach Quatsch. Was immer auch Jahn wollte - Satire, Groteske, Actionkomödie, gar ein Thrillerschwank -, es haut einfach nicht hin, macht keinen Sinn.

    Jahn erzählt von den chaotischen Dreharbeiten zu dem Machwerk "Die Vatikankiller" und einer rätselhaften Mordserie, die die Reihen des Filmteams lichtet. Mittelpunkt des Geschehens ist der alkoholsüchtige Jungstar Kai Raabe, der den Regiedebütanten Rufus Lindner mit seinen Launen schier in den Wahnsinn treibt. Raabes schwarzhaarige Filmpartnerin Maria Rall läßt sich derweil auf eine Affäre mit dem gutaussehenden Kommissar Krüger ein. Produzent Lütter überlebt nur dank seiner Fettmassen ein Attentat des frustrierten Drehbuchautors Hohlmann, Raabes israelische Bodyguards Salomon und Hesekiel liquidieren hingegen zwei harmlose Raabe-Groupies.

    Es passiert folglich allerlei in dem 95minütigen Streifen, aber nichts, was irgendwelche Emotionen oder auch nur einen Hauch von Spannung erzeugt. Vielmehr nervt es, wie krampfhaft Zitate aus Kultfilmen wie "Pulp Fiction" darüber hinwegtäuschen sollen, daß Jahn dem Betrachter ein ungenießbares Gebräu andrehen will. Denn die weitestgehend humorfreie Geschichte setzt nur zu gut um, was ihr Schöpfer freimütig zugibt: "Der Film handelt von Klischees, er besteht aus Klischees, und er spielt damit." Letzteres stimmt indessen nicht, denn dazu gehörte ein Maß an Souveränität und Intellekt, das Jahn nicht gegeben ist.

    Der 33jährige Filmemacher vom Niederrhein will mit "Kai Raabe..." eine Lanze für das gute, alte deutsche Unterhaltungskino brechen. Das ist keine unehrenhafte Absicht, wenngleich irritierend. Aber dieses Unterhaltungskino vergangener Zeiten hat sich selbst und seine zahlenden Besucher bei allen qualitativen Defiziten doch ernst genommen. Das tut Jahn in seinem zweiten Kinofilm keineswegs. Er zeigt wichtigtuerisch Film im Film, spielt kindisch mit vielen Genres und bekennt: "Vor allem, man kann machen, was man will. Es gibt keine stilistischen Regeln." Das mag er glauben, aber warum eigentlich wird solche Anmaßung auch noch mit öffentlichen Fördergeldern überhäuft?

    Die Schauspieler in diesem Werk arbeiten vergeblich gegen die Hirnrissigkeit der Geschichte an, die sie mit Leben erfüllen sollen. Die Titelrolle wird vom ehemaligen "Schimanski"-Assistenten Steffen Wink gespielt, der seine Figur als "sehr kompromißlos und extrem" beschreibt, das aber nicht darzustellen weiß. Sandra Speichert mimt mit Mut zu äußerlichen Geschmacklosigkeiten die Maria Rall, Klaus J. Behrendt gibt mal wieder den Kommissar, Heinz Hoenig mußte zu seiner Freude für die Produzentenrolle nicht auf Diät gesetzt werden und agiert wie seine eigene Parodie. Stefan Jürgens und auch Hannelore Elsner machen sich in Nebenrollen mitschuldig an dem Desaster.

    Oft macht die Werbung das Produkt weit attraktiver, als es ist und somit eigentlich unkenntlich. Bei "Kai Raabe..." jedoch hat die peinliche Vorausreklame das Produkt äußerst kenntlich gemacht: Als Publikumskiller, der den deutschen Film auch am Ende eines Jahres voller Enttäuschungen nicht aus seiner Orientierungslosigkeit hilft, sondern im Gegenteil dessen Ausdruck ist. Vielleicht hat Thomas Jahn nach seinem Debüterfolg unter dem Druck gestanden, rasch etwas nachzuschieben. Es wäre ihm und dem Publikum einiges erspart geblieben, hätte er diesem Druck standgehalten.

    Wolfgang Hübner, AP

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