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  • Kritik: Waters bissig-ironische Abrechnung

    Der "Papst des Trash" hat wieder zugeschlagen. In seiner bissig-ironischen und temporeichen Satire "Cecil B." rechnet Kult-Regisseur John Waters (54) mit dem großen Hollywood ab.

    Zugleich nimmt er aber auch sich selbst, das Underground-Kino und so ziemlich jeden und alles im Filmbusiness auf die Schippe. Waters bleibt Waters: Vielleicht weniger schockierend als früher, dafür aber umso scharfsinniger, rasanter und witziger.

    In einem ultimativen Schlag gegen das "schlechte Kino" - große, teure, am Fließband produzierte Blockbuster und Sequels - wollen sich die Filmterroristen "Die Perforationslöcher" um ihren fanatisch- besessenen Anführer und Regisseur Cecil B. DeMented (Stephen Dorff) ein filmisches Denkmal setzen. Sie entführen die nicht mehr ganz frische Hollywood-Diva Honey Whitlock (Melanie Griffith), um mit ihr im realen Leben in Echtzeit zu drehen - ohne Sicherungskopie, Schnitt und Stuntdoubles: "Technik ist missglückter Stil", wie DeMented sagt. Die dauergeilen Underground-Filmer unterwerfen sich zudem einem "Zölibat für Zelluloid", um ihre gesamte Energie - auch die sexuelle - für den künstlerischen Prozess zu bewahren.

    Nach anfänglichem Widerstand erliegt auch der Glamourstar dem Reiz des Radikalen. Sie wird von der Hollywood-Zicke selbst zur Underground-Darstellerin - eine Wandlung, die Melanie Griffith überzeugend spielt. Die skurrile Truppe überfällt Mainstream- Kinos, attackiert ein Treffen von Hollywood-Produzenten und stürmt das Set von "Forrest Gump 2" - alles vor laufender Kamera, denn der eigene Film geht über alles. Dass dabei Menschen sterben - Freund wie Feind - stört sie wenig. Die radikalen Filmemacher haben nur ein Ziel: Ihren Film zu Ende zu bringen - koste es, was es wolle.

    Eine Radikalität, die Waters für sich selbst zurückweist: "Terroristen haben keinen Humor (...) Aber bei mir sollen die Leute lachen. Ich mache mich ja auch über Independent-Filme lustig", sagte er. Dennoch steckt wohl einiges von ihm selbst in dem jungen Regisseur, den Dorff ("Blade") brillant porträtiert. Waters' Schocker "Pink Flamingos", in dem Trash-Diva Divine echten Hundekot isst, war Anfang der 70er durchaus "ein bisschen ein terroristischer Akt", wie der 54-Jährige sagt. Und seine mit wenig Geld gedrehten ersten Filme waren allesamt Höhepunkte des schlechten Geschmacks.

    Waters hält sich aber - anders als früher - mit derben Schockelementen zurück; die Zeiten haben sich geändert, meint er. "Hollywood hat Sex und Gewalt von unabhängigen Filmemachern übernommen." Mainstream, Independent, Underground - das alles sei näher zusammengerückt. Es sind diesmal die Details, intensive Dialoge und skurril-originelle Einfälle, die seinen Film ausmachen.

    Der Name DeMented (übersetzt: wahnsinnig) und das Motto der Gruppe "Demented forever" sprechen für sich. Die Terroristen sind zudem nicht nur Regisseur, Kameramann, Tonfrau, Maskenbildnerin und Schauspieler - sie leben in einer Filmwelt, ganz bildlich gesprochen: Ihr Hauptquartier ist ein altes Theater, kitschig ausgebaut mit Requisiten.

    So viel Sympathie Waters den Filmfanatikern zukommen lässt - er macht sich auch ordentlich lustig über sie und über seinen Status als Kult-Regisseur. Er entlarvt den sektenähnlichen Kult der Truppe: Alle folgen blind bis zur Selbstaufgabe ihrem Führer, keiner außer Whitlock hinterfragt seine Aktionen und am Ende stellen sie zwar ihren Film fertig und ergeben sich in die langersehnte Massenorgie, doch die meisten sterben im Kugelhagel der Polizei. "Das ist das beste, was sie erreichen können. Ein sehr guter Karrieresprung", meint Waters mit halbironischem Grinsen.

    Patrick T. Neumann, dpa

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