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  • Kritik: Wandlungsfähiger Killer

    Egal wie lange die Jagd dauert, am Ende war er noch immer Sieger. Unbeirrt und mit geradezu unheimlicher Geduld verfolgt der kaltblütige Mörder, der seinen Auftraggebern und den internationalen Geheimdiensten nur unter dem Namen "Schakal" bekannt ist, seine Opfer über Wochen und Monate, um sie dann mit eiskalter Präzision zu erledigen. Bruce Willis spielt in "Der Schakal" einen gefühllosen Berufskiller, der sich nach seinem lukrativsten Auftrag - der Ermordung der amerikanischen First Lady - eigentlich ins Privatleben zurückziehen will.

    Doch diesmal läuft nicht alles wie geplant: Schon bald sind ihm der FBI-Mann Carter Preston (Sidney Poitier) nebst seiner russischen Kollegin Valentina Koslova (Diane Venora) auf den Fersen - und der ehemalige IRA-Terrorist Declan Mulqueen (Richard Gere), der mit ihm noch eine Rechnung offen hat.

    "Der Schakal", die recht spannende Neuverfilmung von Fred Zinnemanns gleichnamigem Klassiker, lebt vor allem von Bruce Willis' brillantem Spiel. Enorm wandlungsfähig schlüpft er in die verschiedensten Verkleidungen, mit denen der Schakal seine Verfolger narrt, um den von der russischen Mafia in Auftrag gegebenen Mord minutiös vorbereiten zu können. Ob als bierbäuchig polternder amerikanischer Biedermann mit Halbglatze, flippiger Weltreisender in Hawaihemd oder platinblond gefärbter Homo - Willis, bislang vor allem als die Welt rettender Actionheld bekannt, scheint seine Rolle als Bösewicht sichtlich zu genießen und überzeugt auf der ganzen Linie.

    Die Skrupellosigkeit des Killers wird durch viele plakative Szenen eindrücklich untermauert: Wer den Schakal beim Jagen stört, muß sterben. Ein ahnungsloser Homosexueller wird mit einer erschreckend beiläufigen Handbewegung erschossen, weil der Killer dessen Wohnung braucht. Und der dickliche, unangenehm redselige Bastler der computergesteuerten High-Tech-Kanone, die der Schakal für den geplanten Mord braucht, muß in einer sagenhaft grausamen Szene als Versuchskaninchen für das überdimensionale Mordwerkzeug herhalten.

    Die zunächst hilflosen Einkreisungsversuche des FBI münden schließlich in einem recht unorthodoxen Schachzug: Preston und Venora holen den Ex-Terroristen Mulqueen aus dem Gefängnis und setzen ihn auf den Schakal an. Mulqueen kennt als einziger dessen Gesicht. Gleichzeitig will er Rache nehmen für seine frühere Geliebte Isabella (Mathilda May), die durch Schuld des Schakals einst das gemeinsame Kind verlor.

    In dieser arg konstruierten Beziehung zwischen den beiden Gegenspielern liegt auch die Schwäche des ansonsten routiniert inszenierten Thrillers. Für Spannung und Action opfert Regisseur Michael Caton-Jones die Chance, aus dem Haß der beiden Männer auch ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel werden zu lassen. Gere, der sich für seine Rolle extra einen irischen Akzent antrainierte, wirkt eher blaß und bekommt auch keine Gelegenheit, seine sich andeutende Beziehung zur russischen Agentin Koslova auszuarbeiten - die Liebesgeschichte fiel dem Schneidetisch zum Opfer.

    Auch der mit Spannung erwartete Show-down in den Schächten der Washingtoner U-Bahn leidet etwas unter logischen Ungereimtheiten: Als die beiden Männer sich endlich gegenüberstehen, taucht aus dem Nichts Isabella auf und erschießt den Schakal. Nachdem alles vorbei ist, soll FBI-Agent Preston den Häftling Mulqueen eigentlich wieder ins Gefängnis zurückbringen. Er läßt ihn aber absichtlich laufen - und dies ist sicherlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

    Anika v. Greve-Dierfeld, dpa

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