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  • Kritik: Vorsätzlich blöd: Teenie-Komödie

    Verschlafen schaut Flo aus dem Fenster und erschrickt: Die aufgetürmten Wolken sehen genauso aus wie der Hintern einer üppigen Frau samt anderer sekundärer Geschlechtsmerkmale. Dies ist eine der wenigen, beiläufig witzigen Momente in diesem Teenagerfilm, in dem es um die Entdeckung des Weiblichen geht.

    Als ob er vorher noch nie richtig hingeschaut hätte, sieht Flo eines Morgens plötzlich überall Kurven und ist darüber zutiefst verstört. Sein "bestes Stück" meldet sich nämlich vehement zu Wort und beginnt, ein Eigenleben zu führen.

    Im Klartext: Der 15-jährige Junge wird von seinem bis dato leblosen Dödel terrorisiert. Na na, das kennt man doch: In der Komödie "Ich und er" hatte einst Doris Dörrie das gleiche Phänomen beleuchtet, den Konflikt zwischen "Es" und "Über-Ich".

    Doch nicht das ziemlich unverhohlene Klauen aus einem anderen Film ist das Problem. Die Deja-vu-Erlebnisse erstrecken sich auch nicht nur auf den Dörrie-Film, sondern noch viel weiter zurück in die Vergangenheit auf die 60er Jahre schrecklichen Angedenkens mit Komödien a la "Hurra, hurra, die Schule brennt". Auf dem Fundament einer anscheinend unausrottbaren Biederkeit sind Versatzstücke aus gängigen amerikanischen Teeniekomödien, deren Tempo und Tabubrüche in dieser spießigen Umgebung um so deplatzierter wirken.

    Zum Beispiel die Eltern von Flo: Sie sind wie frisch aus der Gruft einer schlechten 50er-Jahre-Fernsehserie importiert, so pseudo-naiv und unbedarft gegenüber dem Sohn und seinen Fragen, dass die angestrengten Versuche, aus dieser Konstellation Komik zu schlagen, geradezu Mitleid erregend sind.

    Aus seiner behüteten Kindheit - noch nie hat der arme Junge wohl von Aufklärung gehört, noch nie "Bravo" oder "Playboy" gelesen - wird Flo in ein Dasein geworfen, das von Mädels in Miniröcken und mit steifen Ausschnitten beherrscht wird. Dass die Frau Lehrerin knallenge Klamotten trägt und dass auch Flos neu entdecktes Objekt der Begierde, Leonie, so sehr den Darstellerinnen im "Schulmädchenreport" ähnelt, ist hoffentlich nur auf die wieder vorherrschende Mode aus den 70er Jahren zurückzuführen. Unter dem Vorwand von Theaterproben lädt sie ihn zu sich ein, um ihren Freund eifersüchtig zu machen. Was Flo jedoch als Aufforderung missversteht, gleich in "medias res" zu gehen.

    Entsprechend ängstlich bibbert er dem Ereignis entgegen und holt sich bei seinem besten Kumpel Red Bull Rat. Der empfiehlt ihm, vorab zu trainieren, schickt ihn unter anderem in die Dessous-Abteilung eines Kaufhauses, um das BH-Öffnen zu üben, und zu einer Hure, die mit dem Jungen ein mütterliches Gespräch führt. Und so reiht sich Episode an Episode, vorhersehbar bis zum Happyend und meist zum Weinen abgestanden.

    Regisseur Marc Rothemund schafft es sogar, mit neuen Ideen zu langweilen. Aus der Teenie-Komödie "American Pie" stibitzt er zum Beispiel den Tipp mit dem "Kamasutra", doch die komplizierten Stellungen werden so bräsig beredet, dass man innerlich stöhnt: "Mann, bist du blöd!"

    Völlig unverdient sorgen in dieser Komödie markante Schauspieler wie Andrea Sawatzki als etwas schräge Tante Zelda und Axel Stein als Flos cooler Freund Red Bull, der absurde Desinformation über das weibliche Geschlecht verbreitet, doch noch für ein paar anregende Momente. Zum Lachen gibt es aber wenig, weder über den ständig quasselnden Schniedel und auch nicht über die slapstickhafte Theatervorstellung am Schluss.

    Für wen ist dieser Film nur gemacht? Für Kinder ist das Ganze zu zotig, für an MTV und amerikanische Filme gewöhnte Teenager nicht provozierend und vor allem nicht spannend genug. Die deutsche Antwort auf "American Pie" ist gründlich missglückt.

    Und trotzdem sollte man bis in den Abspann hinein sitzen bleiben, denn der unerwartete Rap der Hauptdarsteller Tobias Schenke und Axel Stein "Nur wir 2" lässt im Nachhinein das Geschehen so zusammen, wie man sich den Film gewünscht hätte: kurz und witzig auf den Punkt gebracht und ohne Mief.

    Birgit Roschy, AP

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