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  • Kritik: Von Tierfabriken und GenSoja

    Der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer bleibt in seinem Dokumentarfilm «We feed the World - Essen global» (Wir ernähren die Welt - Essen global) ganz sachlich: In einer riesigen Fabrik werden hinter Stahltüren Eier künstlich ausgebrütet.

    Die Küken schlüpfen dann direkt in den Kisten, in denen sie auf zahllosen Paletten Richtung Stall transportiert werden. Nach kurzer Aufzucht kommen die Tiere in die Schlachthalle, wo sie an den Füßen aufgehängt werden, um möglichst «stressfrei» zu sterben. Bis zu 70 000 Hühner werden in einer einzigen dieser Produktionsanlagen vom Tier zur Ware.

    Anders als zum Beispiel der amerikanische Dokumentarfilmer Michael Moore packt Wagenhofer sein brisantes Thema Nahrungsmittel-Industrie ohne jegliche Polemik an. Weder aufputschende Musik noch wagemutige Undercover-Einsätze braucht er, um die verstörenden Tatsachen zu zeigen. «Es hat uns nicht interessiert, etwas Verbotenes aufzudecken», sagt der Regisseur. «Es ist nichts in diesem Film, was außerhalb des legalen Rahmens ist. Es ist alles gesetzlich gedeckt.»

    In ruhigen, fast bedächtigen Bildern erzählt Wagenhofer von Anbau und Produktion unserer Lebensmittel, von den Wegen, die sie zurücklegen, bis sie auf unseren Tisch kommen. Österreich, Rumänien, Frankreich, Brasilien und Spanien sind Schauplätze des Films. Aus der Vogelperspektive wird die endlose spanische Treibhaus-Landschaft gezeigt, die seit den 60er Jahren entstand. Jeder Europäer isst jährlich zehn Kilogramm künstlich bewässertes Treibhausgemüse aus Südspanien. Dort werden deswegen inzwischen die Wasserreserven knapp.

    Ein Fischhändler aus der Bretagne zeigt dem Zuschauer den qualitativen Unterschied zwischen dem auf kleinen Kuttern gefangenen, frischen Fisch und der Ware, die die großen Fangflotten anliefern. Ein brasilianischer Biologie erklärt, warum die europäischen Hühner den Regenwald im Amazonas sozusagen auffressen: zum Anbau der als Tierfutter gebrauchten, oft genmanipulierten Soja-Bohnen werden Hunderttausende Hektar Regenwald gerodet. In Wien wird dann jeden Tag genau so viel Brot vernichtet wie Graz verbraucht.

    Zu Wort kommen neben Fischern, Bauern und Fernfahrern auch Jean Ziegler, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, der Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck und der Produktionsleiter des Saatgut-Produzenten Pioneer Rumänien, Karl Otrok. Regisseur Wagenhofer arbeitet ganz ohne Erzähler, kommt fast ohne Musik aus, und die einzelnen Berichte verknüpft er lediglich mit Zwischentitel. So wirkt der Film manchmal etwas zerfasert und kann nur Schlaglichter auf einzelne Themenfelder werfen.

    dpa

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