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  • Kritik: Von Liebe, Verrat, Schicksal, Hilflosigkeit und Freundschaft

    Zu Dritt fühlen sie sich stark: Ein enges Band tiefer Freundschaft verbindet den Türken Gabriel, den Serben Bobby und den Griechen Costa. Doch ihre Verbindung wird in einem explosiven Spannungsfeld zwischen kulturellen Traditionen, unterschiedlichen Nationalitäten und Kriminalität auf eine harte Probe gestellt. Das Spielfilmdebüt "Kurz und schmerzlos" des Hamburger Jungregisseurs türkischer Herkunft, Fatih Akin, erzählt von Liebe, Verrat, Schicksal, Hilflosigkeit und Freundschaft.

    "Fast wie in alten Zeiten", freuen sich die Drei über das Wiedersehen nach Gabriels (Mehmet Kurtulus) Rückkehr aus dem Gefängnis. Doch als Gabriel ankündigt, erwachsen zu werden und keine krummen Dinger mehr zu drehen, sind Konflikte vorprogrammiert. Costa (Adam Bousdoukos) hält sich noch immer mit kleinen Diebstählen über Wasser. Bobby (Aleksandar Jovanovic) träumt von einer Karriere bei der Albaner-Mafia.

    Den Warnungen seiner Freunde zum Trotz bändelt Bobby mit dem Mafia-Paten Muhamer (Ralph Herforth) an. Durch einen Waffen-Deal als Bewährungsprobe driftet er immer mehr in die Unterwelt ab. Dabei wird er seine Kumpel mitreißen. Der Konflikt spitzt sich zu, als sich zwischen Gabriel und Bobbys Freundin Alice (Regula Grauwiller) eine Liebesgeschichte anbahnt. Am Ende findet die Dreierfreundschaft in einer düsteren Kiezgasse ein blutiges Ende.

    Spielort sind die dunklen Straßen des multikulturellen Hamburger Stadtteils Altona, die zugleich Heimat des 24 Jahre alten Regisseurs Akin sind. Biographische Bezüge liegen nahe und sind gewollt: "Ein gewisser Lokalpatriotismus und Authentizität machen eine Filmgeschichte stark", sagt das Jungtalent Akin, der auch das Drehbuch schrieb. Unterstützt wird sein Anliegen durch stimmungsvolles Licht und die dichte Kamera Frank Barbians.

    Aufgefallen war das vielversprechende Erstlingswerk bereits beim renommierten Filmfest in Locarno, wo das Protagonisten-Trio mit einem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Auch bei der Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg im September wurde der emotionale Streifen gefeiert. Akin gehört nicht nur zu den vielversprechenden Regieneulingen im deutschen Filmgeschäft. Sein Film zeugt daneben von einem neuen, unverkrampften Selbstbewußtsein von Kindern zweier Kulturen. Damit keimt eine neue Kategorie deutsch-türkischer Filme. Trotz aller Tragik der Handlung sind unverfängliche Ironie und spielerischer Umgang mit kulturellen Traditionen mit dabei.

    Sicherlich gibt es provokantere und stilistisch mehr experimentierende Filme. Aber Akin skizziert eine ehrliche und geradlinig erzählte Geschichte mit lebensnahen Charakteren in klassischer Dramatik. Dazu wird "Kurz und schmerzlos" von Akins Selbstverständnis getragen: Seine türkische Herkunft ist nicht Zweck, sondern nur Mittel seines filmischen Schaffens.

    Sandra Jessel, dpa

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