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  • Kritik: Vom Sterben und dem Zustand der Welt

    Urkomische, zuweilen derbe und kluge Dialoge

    Für all das hat der Sozialist und emeritierte Geschichtsprofessor R�my (R�my Girard) nur Hohn und Spott übrig. Er flucht und tobt angesichts der erbärmlichen Zustände. Und er denkt gar nicht daran, sich seinem Schicksal zu ergeben. Mit beißendem Zynismus poltert der alte Lüstling in seinem Krankenbett dem Ende entgegen. Auf seinem letzten Weg begleiten ihn seine alten Weggefährten - intellektuelle, sexbesessene Trinkkumpane, die Ex-Frau und ehemalige Geliebte. Die Hedonisten versammeln sich um das Krankenlager und zelebrieren das Sterben als Fest. R�my soll seine letzten Tage so angenehm wie möglich erleben. Ein Glücksfall für das Kino.

    Denn der frankokanadische Regisseur Denys Arcand greift mit seinem Film "Die Invasion der Barbaren" nicht nur das im Westen heftig umstrittene Thema der Sterbehilfe auf, sondern wirft gleichzeitig ein kritisches Schlaglicht auf den Zustand unserer Welt. Der Titel des Films spielt auf den Terroranschlag am 11. September an. Vor 17 Jahren bereits hat Arcand seine zynische Hedonisten-Clique den "Untergang des amerikanischen Imperiums" auf der Leinwand beschwören lassen. Dieselben Schauspieler sind nun wieder zusammengekommen, um neben der Sterbebegleitung über die weltweiten Folgen des Attentats grotesk komisch zu schwadronieren.

    Doch Arcands aktuelle Tragikomödie, die auf den Filmfestspielen in Cannes mit zwei goldenen Palmen ausgezeichnet wurde, ist mehr als die Fortsetzung seines Werks vor 17 Jahren. R�my hat zu seinem Sohn ein zwiespältiges Verhältnis. S�bastien (St�phane Rousseau) hat angeblich noch nie ein Buch gelesen, aber in London als Investmentbanker Millionen gescheffelt. Auf Bitten seiner Mutter kommt er nach Montreal und findet eine herzliche Beziehung zu seinem Vater, indem er ihm das Sterben erträglich macht. Mit Bestechung organisiert er ein Einzelzimmer und besorgt zur Schmerzlinderung Heroin. Der von R�my spöttisch als "Prinz der Barbaren" bezeichnete S�bastien wandelt sich in den Augen des Vaters vom kalten Kapitalisten zum liebevollen Sohn.

    Arcands "Die Invasion der Barbaren" lebt von den urkomischen, zuweilen derben und klugen Dialogen seiner Schauspieler. Nur hin und wieder findet das Objektiv für Sekunden Landschaftsbilder, welche die heiteren und traurigen Momente verstärken. Am Ende zeigt die Kamera von unten rauschende Blätter in hohen Baumwipfeln. Das Sterben ist ein Fest in diesem Film, das die Zwerchfelle erschüttern lässt.

    Michael Winckler, ddp

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