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  • Kritik: Vom ländlichen Iowa in den Londoner Geheimdienstsumpf

    Eigentlich wollte der bieder-gutmütige Wallace Ritchie aus der tiefen amerikanischen Provinz Iowas nur seinen smarten Bruder James in London besuchen. Und eigentlich hätte das auch eine ganz nette Sache werden können. Doch wenn ausgerechnet Bill Murray diesen ländlichen Touristen in der britischen Weltstadt spielt, verläuft der Besuch mit minimalem Besuchsprogramm, aber natürlich maximalen Verwicklungen.

    Hollywood-Starkomiker Murray ist die Idealbesetzung für Komödienfiguren, die in ein Geschehen schlittern, das sie in keiner Weise verstehen und von Abgrund zu Abgrund treibt, in dem sie aber mit traumwandlerischer Sicherheit immer Rettung finden.

    Diesmal tapst der Held des unvergessenen Kinohits "Und täglich grüßt das Murmeltier" in eine besonders irrwitzige Geschichte: Von seinem Bruder mit einer Karte für ein experimentelles Theater der besonders absurden Art beschenkt, findet sich Wallace Ritchie unversehens in einem Katz- und Mausspiel wieder mit einem attraktiven Callgirl, einem seine Ehepfade verlassenden Verteidigungsminister, russischen Auftragskillern und dem vom Ende des Kalten Kriegs maßlos gelangweilten Geheimdienst-Lord. Und dann gibt es auch noch eine schon bald mausetote Schlüsselfigur namens Spenser.

    Bald genießt der absolut harmlose Ritchie den furchterregenden Ruf eines "amerikanischen Supermanns". Auf diesen werden mit dem "Metzger" und den beiden "Klempnern" absolute Profis im finalen Beseitigen lästiger Zeitgenossen angesetzt - mit voraussehbarem Mißerfolg natürlich. Höhepunkt des Film ist die turbulent-ausladende Szene eines Staatsempfangs im Galasaal eines Londoner Luxushotels. Bei dieser Gelegenheit zeigt der vermeintliche Geheimagent aus Iowa tänzerisches Talent und rettet ganz nebenbei wie ganz versehentlich den Weltfrieden.

    Auch wenn dem Streifen am Ende etwas die Luft ausgeht, ist Regisseur Jon Daniel doch eine solide gemachte Komödie gelungen, die für ein vergnügliche Kinoerlebnis im Frühsommer garantiert. Bill Murray ist schon deshalb einen Besuch wert, weil er als einer der ganz wenigen Hollywood-Größen zu seinem unvollkommenen Gebiß steht. Seine britische Partnerin Joanne Whalley bringt intelligente Erotik ins Spiel, auch die anderen Rollen sind hervorragend besetzt. Dazu kommt erstaunlich viel Londoner Flair über die Leinwand.

    Höchst ärgerlich allerdings ist der schwachsinnige deutsche Titel "Agent null null nix", obendrein noch versehen mit dem nicht minder geistlosen Slogan: "Bill Murray in hirnloser Mission". Der Originaltitel heißt hingegen in deutscher Übersetzung und feinsinniger Anspielung auf ein berühmtes Hitchcock-Werk: "Der Mann, der zu wenig wußte". Warum die amerikanische Verleihfirma ihr Produkt in Deutschland so geradezu verkaufsschädigend betitelt, gehört zu den Rätseln, an denen es in der Filmbranche ja nicht mangelt. Trotzdem sollte sich niemand deshalb davon abhalten lassen, 90 meist witzige Minuten mit Bill Murray in London zu verbringen.

    Wolfgang Hübner, AP

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