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  • Kritik: Vom Guerilla-Chef zum Friedenspolitiker

    Hamburg (dpa) - Liebe, Krieg, Betrug und ein dramatisches Finale: Das neue Filmepos des irischen Regisseurs Neil Jordan "Michael Collins" vereint alle Elemente, die den Kinobesucher zwei Stunden gebannt im Sessel fesseln können. Fast wie nebenbei beleuchtet der Streifen zudem ein heikles Kapitel der europäischen Geschichte: den bis heute mörderischen Bürgerkrieg in Irland.

    Beim Kinofestival 1996 in Venedig feierte die bildgewaltige, aber recht konventionelle Produktion einen doppelten Triumph. Außer dem Preis für den besten Film, der an Jordan ging, erhielt der Brite Liam Neeson - bekannt aus "Schindlers Liste" - in der Rolle des Widerständlers Collins die "Coppa Volpa" als bester Hauptdarsteller.

    "Obwohl Collins nur vor ungefähr 75 Jahren lebte, sind doch viele Informationen, die wir über ihn haben, so mysteriös wie seine Existenz als solche", sagt der 47jährige Regisseur ("The Crying Game"). Dennoch habe er versucht, einen "sehr wahren Film" zu drehen. Sein Protagonist (1890-1922), der für London bis heute ein Terrorist, für viele Iren dagegen ein nationaler Held ist, war einer der führenden Köpfe des Guerillakrieges gegen die britische Herrschaft auf der grünen Insel.

    Der Film bezieht einen Großteil seiner Spannung daraus, daß er Collins erstens als Menschen, verwickelt in eine schwierige Liebe zu Kitty (schwach: Julia Roberts) und in ein Netz des Neids seiner Mitstreiter, zeigt, aber zweitens auch als Mann des Wandels: Collins wird vom Krieger zum Politiker, der den Frieden sucht.

    Nach dem gescheiterten Osteraufstand der Sinn-Fein-Bewegung 1916, bei dem Eamon De Valera (Alan Rickman) als letzter kapitulierte, organisiert er den blutigen Widerstand gegen die Briten, die schließlich in Verhandlungen einwilligen. Ein von Collins 1921 ausgehandelter Vertrag mit London jedoch spaltet seine eigene Seite in Befürworter und Gegner und führt zum Bürgerkrieg. In den dramatischen Schlußszenen, die durch die Hochzeitsvorbereitungen seiner Verlobten beinahe in Kitsch abgleiten, gerät er selbst in einen tödlichen Hinterhalt.

    Der Film, produziert vom US-Giganten Warner Bros., ist angetreten, die cineastischen Maßstäbe des europäischen Autorenkinos mit dem zuschauerträchtigen Hollywood-Stil zu verbinden. Für diese Idee jedenfalls wurde er in Venedig ausgezeichnet. An den US-Kinokassen jedoch blieb der Erfolg anders als in Europa nur mäßig.

    Von Petra Kaminsky, dpa

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