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  • Kritik: Voller Respekt und Humor:

    Dieser Joe hat Ähnlichkeit mit dem jüngeren Paul Newman. Er ist witzig, tatkräftig, zuversichtlich. Doch der 37jährige Joe ist auch arbeitslos, ehemaliger Alkoholiker, und die Fußballmannschaft, die er trainiert, besteht aus lauter Typen aus dem Glasscherbenviertel von Glasgow.

    Joe und die nette Sozialarbeiterin Sarah verlieben sich, und fast sieht es so aus, als könnten die beiden ihr Glück noch machen. Das ist die Geschichte des britischen Films "My Name is Joe" von Ken Loach, der am 7. Januar in die Kinos kommt.

    Der verschmitzt lächelnde Joe (Peter Mullan) wirkt selbst wie ein Sozialarbeiter in seinem Milieu. Doch was er auch tut, die Tristesse holt ihn immer wieder ein. Tapeziert er die Wohnung von Sarah (Louise Goodall), fotografiert ihn ein Mitarbeiter des Sozialamts, um ihm die Bezüge zu kürzen. Den Ring, den er Sarah schenken wollte, muß er ins Wasser werfen, denn Sarah hat Angst vor zuviel Bindung. Und um seinen jungen Freund Liam (David McKay) aus dem Drogenmilieu zu befreien, muß er selbst zwei Kurierfahrten für den örtlichen Gangsterboß machen.

    Peter Mullan erhielt 1998 in Cannes den Preis als Bester Darsteller für die Rolle des Joe. Drehbuchautor Paul Laverty sagt: "Ich wollte zwei eigenständige Charaktere, die das Leben gebeutelt hat, und die dennoch einen Neuanfang wagen wollen. Zuneigung zu genießen oder zu zerstören, liegt für Joe und Sarah nahe beieinander. Und für viele andere vielleicht auch."

    Den ehemaligen Glasgower Rechtsanwalt und Gerichtsreporter Laverty empörten die krassen sozialen Unterschiede zwischen den einzelnen Vierteln der schottischen Stadt. Bevor er das Drehbuch schrieb, hörte er sich monatelang Lebensgeschichten von Menschen an, der er auf den Straßen ansprach. Bei den Dreharbeiten ließ sich das Team von ehemaligen Drogenabhängigen, Sozialarbeitern und einer früheren Prostituierten beraten.

    Regisseur Ken Loach dreht mit Vorliebe sozial und politisch engagierte Filme über Außenseiter. Dabei geht es ihm um "Respekt für die Menschen, die man auf der Leinwand sieht". Sarahs Beziehung zu Joe zerbricht an dessen Tätigkeit als Drogenkurier. Joe schreit, daß er keine andere Wahl hatte, doch Sarah will mit dieser Logik nichts zu tun haben. Joe betrinkt sich wieder, und sein hilfloser Freund Liam erhängt sich.

    Auf Liams Beerdigung geht Sarah auf den untröstlichen Joe zu. Doch den beiden fehlen die Worte, und so gehen sie einfach nur nebeneinander weg. Der Film ist aus der Fiktion ausgestiegen, noch bevor die Zuschauer es konnten. Joe hätte wirklich Paul Newman sein können. Doch wer will jetzt noch wissen, wie es mit Joe weitergeht? Wer will wirklich wissen, wie es im eigenen Leben weitergeht? Man geht schließlich ins Kino, um zu sehen, wie das Leben sein könnte, nicht wie es dann wohl sein wird.

    Bianka Piringer, AP

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