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  • Kritik: Vielschichtiger Film um Golfkrieg-Drama

    Frankfurt/M (AP) "Friendly Fire" hieß das Phänomen, das die amerikanischen Soldaten im Golfkrieg mehr fürchteten als den waffentechnisch weit unterlegenen irakischen Gegner. Hinter diesem merkwürdigen Begriff "freundliches Feuer" verbirgt sich tatsächlich eine tödliche Bedrohung: Nämlich im Gefechtsgetümmel von den eigenen Reihen unter Beschuß zu geraten und vernichtet zu werden. Der "Heldentod", den das zur Folge haben kann, ist noch eine Spur schwerer zu ertragen als der von Feindeshand.

    Wenn dieses brisante Problem noch verknüpft wird mit dem tragischen Schicksal einer Hubschrauber-Kommandantin, dann ist natürlich Hollywood am Werk, um einmal mehr zu beweisen, daß die große Filmfabrik in Kalifornien immer wieder auch für echte Überraschungen gut ist. Denn mit dem Kriegsfilm "Mut zur Wahrheit", der am 16. Januar in den deutschen Kinos anläuft, wird ein vielschichtig und raffiniert konstruiertes Panorama des noch in frischer Erinnerung befindlichen Golfkrieg-Geschehens entfaltet.

    Aus amerikanischer Sichtweise, gewiß gespickt mit patriotischen Zwischentönen, ist "Mut zur Wahrheit" ein Drama geworden, das auch in Deutschland Interesse verdient. Denn im Mittelpunkt des Films steht ein Problem, das keine Grenzen kennt und respektiert: Die Frage nach der Wahrheit. Hat Oberstleutnant Nathaniel Serling, souverän gespielt von Denzel Washington, Schuld auf sich geladen, als er Befehl gab, einen irakischen Panzer zu beschießen, der nach seiner Zerstörung als amerikanischer Panzer identifiziert wird, in dem auch sein Freund und Kriegskamerad saß?

    Hat Hauptmann Karen Waldens, nicht ganz ideal besetzt mit der zu sanften Meg Ryan, sich in der Stunde höchster Gefahr, die zugleich immer die Stunde der Bewährung ist, als Heldin oder als Feigling bewiesen? Meisterhaft verknüpft das Drehbuch von Patrick Sheane Duncan, selbst ein Kriegsveteran, diese beiden Schlüsselfragen des Filmgeschehens. Regisseur Edward Zwick hat die Vorlage sehr glaubwürdig und mit schockierender Wucht insbesondere in den Kriegsszenen inszeniert. Durchaus legitim haben sowohl Duncan wie Zwick dabei immer wieder auf einen großen Klassiker des Kinos, Akira Kurosawas "Rashomon", geschielt.

    Kurosawa hatte in seinem 1950 gedrehten Film ein Verbrechen aus vier ganz gegensätzlichen Blickwinkeln von Zeugen geschildert und damit die Relativität der Wahrheit, die immer aus Wahrheiten besteht, aufgezeigt. In "Mut zur Wahrheit" ist es der hartgesottene Infanterist Monfriez, dessen Version vom Tod Karen Waldens nicht ins Konzept vom heroischen Opfergang der Frau paßt. Lou Diamond Phillips, ein kommender Hollywood-Star, prägt diese Rolle eindrucksvoll mit seinem kantigen Gesicht, muskulösen Körper und dennoch sehr sensiblen Spiel.

    Phillips selbst äußert sich begeistert über den Film, der ein Markstein in seiner noch kurzen Karriere werden dürfte: "Die Struktur des Films ist wirklich unglaublich, denn man sieht dieselbe Schlacht von verschiedenen Blickwinkeln aus, darunter die Wahrheit, die sich aus Elementen aller vorhergegangenen Erzählungen zusammensetzt." Genau das macht den Reiz einer Hollywood-Produktion aus, die 116 Minuten lang das Interesse des Zuschauers wach zu halten und seine Gedanken auch noch danach zu bewegen vermag.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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